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Sonntag, 29. März 2026

Ach, guck mal schau

 

Was wäre es schön, wenn einem ein Licht den Weg durch das Leben weisen würde. Man einwandfrei erkennen könnte, ja, da sollte ich lang, das ist der richtige Weg.

Leider ist das nicht so einfach. Insbesondere für mich, der von zu Hause aus so einen Kompass gar nicht erst implantiert bekommen hat. Mit einigen Umwegen hat sich mit viel Kampf ein solcher entwickelt und funktioniert für mich ganz gut. Hoffe ich doch mal.


Gleichwohl beneide ich religiöse Menschen doch so manches Mal - sie haben eine solche moralisch-ethische Leitplanke, die ihnen leuchtet den Weg weist. Denke ich so manches mal. Absolut gesehen ist das nicht so. Vieles, was da moralisch angeprangert wird ist rein menschlich gesehen eigentlich nicht verwerflich.

Als ich, etwa vor 25 Jahren, zu einem Atheisten mutiert bin, habe ich viele "Leitplanken" aus meinem christlich geprägten Leben aufgegeben. Wobei ich deren Logik so oder so nicht so ganz akzeptieren konnte. Da bin ich auch zu wissenschaftlich geprägt. Nun, letzten Endes ist es eben ein Humanismus, der mich da leitet. Unter den rheinischen Prämissen, jeder Jeck ist anders, Leben und leben lassen usw.

Und da schwenke ich so langsam auf einen Punkt, oder auch mehrere Punkte, zu, die aktuell mir quasi ein Seelenpein verursachen. Obwohl ich nach meiner Auffassung gar keine Seele habe.

Ja, natürlich auch die mehr als unappetitliche "Affäre Ulmen-Fernandez". Diese zeigt ja auch "nur" die Spitze einer erbärmlichen und widerlichen Verhaltensweise von zumeist, oder wohl doch eher immer, Männern. Wenn das, was da passiert sein soll, und es weist vieles darauf hin, wirklich so war ist es mehr als widerlich. Die Erklärung der Anwälte Ulmens weisen Tatvorwürfe zurück, die so gar nicht erhoben wurden. Ablenkung? Der Fall Kachelmann gemahnt, die Unschuldsvermutung auch hier gelten zu lassen, bis ein entsprechendes Gerichtsurteil vorliegt. Was nicht heißen soll, die Vorwürfe Collien Fernandes klein zu reden oder gar anzuzweifeln. Aber niemand kennt den wahren Sachverhalt (nein, auch nicht durch die Spiegelrecherchen) um sich im Vorfeld ein Bild davon zu machen.

Aber: Unabhängig von Ulmens tatsächlichen Verhaltens ist neben den realen Taten mit sexuellem Fehlverhalten auch die angeführte "virtuelle" Vergewaltigung durch hergestellte (Fake)Bilder oder auch nur deren Verbreitung widerlich. Dazu kommt ja auch der Vertrauensbruch. Was eher eine Sache zwischen den (ex)Partnern ist, aber den Erbärmlichkeitsfaktor noch erhöht. Ich persönlich glaube, das diese Fälle System haben. Und Männer täten gut daran, ihr Verhalten Frauen gegenüber zu überprüfen und ggfls. sich Hilfe zu holen. 

Von wegen "Leitplanke". Trotz, oder vielleicht weil, ich ja Schlimmes in der Beziehung meiner "Mutter" und ihres Stechers erlebt habe war für mich das Verhältnis zu Frauen immer eines auf Augenhöhe. Ich habe nie verstanden, wie man Menschen weh tun kann die man angeblich liebt. Ich hatte immer Angst, dass ich Gefahr laufe, genau so ein Arschloch zu werden. Bis ich beschlossen habe, dass das nicht passiert.  

Aber bis heute hat sich mir nicht erschlossen, warum Menschen so erbärmlich sich verhalten gegenüber anderen Menschen. Daran leide ich tatsächlich. Und auch wenn ich keinen sonderlichen Bezug zu den öffentlichen Personen Ulmen/Fernandez habe (Ulmen hatte ich erst so richtig wahrgenommen durch den Tatort, Fernandez eigentlich nie so richtig auf dem Schirm) so ist dieser Skandal doch ein Trigger für mich. Weil es eben auch kein Einzelfall ist.

Was mich sonst so triggert? Das unmögliche Verhalten von Friedrich Merz. Nein, Fritze, der mutmaßliche Täter heißt Christian und nicht Mehmet oder Ali. Das gehört auch zur Wahrheit.

Und abgesehen davon ist die Umweltpolitik ein Desaster und wird uns nicht gut tun. Das Verhalten von Donald wird uns noch weiter in den Abgrund ziehen. Und überhaupt.

Im Augenblick zieht mich sehr viel runter. Und vieles kann ich nicht mal in aller Deutlichkeit sagen. Wegen Neutralitätsgebot. Stichwort "AfD". Aber das kann man sich ja denken, wie ich dazu stehe. Ich bin schon 1977 gegen Nazis auf die Straße gegangen. Ups, habe ich jetzt eine Verbindung zur... Naja. Mag jeder so sehen wie er will.

Mögliche persönliche Veränderungen (Stichworte Depression, Herz und Rente) lassen meinen Kopf auch nicht zur Ruhe kommen. Gehabt euch wohl.

Mittwoch, 31. Dezember 2025

Herzenssachen

 

Wie man so zunehmend abnimmt. Und das nicht unbedingt an Gewicht, selbst wenn man an Gewicht verliert. Oder vielleicht nie eines hatte. Nein, politisch bin ich desillusioniert. Das Gewicht der AfD ist definitiv zu hoch. Und das, ohne was zu wiegen mangels Inhalt.

Nun, ich meine in erster Linie meine Verfassung. Körperlich bau ich anscheinend stark ab. Und es bewegt sich langsam Richtung Urne.

Nun gut, mit fast 64 sollte man sich mit dem Gedanken langsam anfreunden. Gleichwohl, was alles so passiert ist kam schon etwas überraschend. Anfang des Jahres kam das mit dem Herzen ja etwas plötzlich.

Den Ring um die Brust wollte ich ja dann doch nicht auf die Depression schieben. Was gut war, weil mein Hausarzt nach einigen Untersuchungen mich umgehend ins Krankenhaus einweisen ließ. Wo dann letzten Endes eine Herzinsuffizienz festgestellt wurde, die wohl auf einen vor Jahrzehnten erfolgten Herzinfarkt zurück zu führen ist. Die Diagnose war erschütternd für mich und triggerte logischer Weise auch meine Depression.

Und das ich dann einen Kreislaufzusammenbruch im Herbst im Düsseldorfer Hauptbahnhof erlitten hatte, trug auch nicht grade zu meiner Erheiterung bei. Nun, seit dem besteht mein Frühstück jedenfalls aus einer Handvoll Tabletten.

Meine Depression wird ebenfalls nicht durch die aktuellen politischen Entwicklungen, global und lokal, besser. Aber das sind Ereignisse, auf die ich keinen Einfluss habe. Meine Lebensweise kann ich aber umstellen. Was ich versuche.

Dabei sind auch Phasen, in denen ich wünschte, es wäre vorbei. Viel Hoffnung für 2026 mache ich mir da nicht. Oft denke ich, die Menschheit ist das Krebsgeschwür der Erde. Andererseits zeigen auch viele Ereignisse, dass der Mensch auch ganz anders kann. Ich sollte vielleicht auch mehr auf diese Seite des Menschen schauen.

Nun, letzten Endes will ich am Ende sagen können, ja, ich habe so gut ich kann gelebt. Und mehr erreicht, als man mir vorhergesagt hat. Und das ist ja auch schon mal was.


Montag, 5. Mai 2025

Aufgestaut und abgeleitet


Es kommt mir so vor als stünde die Welt in Flammen. Politisch und privat ohnehin. Bedrückend die Geschehnisse - was meine Depression "Lieselotte" ungemein triggert. Das wiederum wirkt sich auch auf mein körperliches Wohlbefinden aus. Brustschmerzen, zum Beispiel. Eine gewisse körperliche Trägheit innerhalb meines Machens. Und der Blutdruck sowie der Puls steigt. Und so ignoriere ich diese Anzeichen so gut es geht. Weil, es ist ja psychosomatisch. Nun, gut, wenn man dann doch auf die Vernunft hört und den Hausarzt zu Rate zieht. Vorsichtshalber. Und letztendlich festgestellt wird: Jau, du hattest mal vor langer Zeit einen kleinen Hinterwandinfarkt. Und die Pumpe sagt jetzt, och nö, da will ich nicht mehr so viel arbeiten. Noch rechtzeitig erkannt kann das medikamentös eingestellt werden. Na, alt werden ist halt nichts für Feiglinge.

Gleichwohl ist die Depression natürlich auch nicht besser geworden. Insbesondere die politische Lage auch nicht wirklich besser geworden ist. Sicherlich habe ich das ganze Geschehen verfolgt, aber nicht wirklich verinnerlicht. Denn tatsächlich habe ich mich mehr mit mir selbst beschäftigt. Genau wie vor 19 Jahren, als eine Operation im Bauch mein Leben rettete, war auch jetzt das Gefühl, dem Tod so grade von der Schüppe gesprungen zu sein. Nur, dass ich Demselben rein alterstechnisch ohnehin erheblich näher gekommen bin. Während die OP damals meine Depression quasi freigesetzt hatte, war diesmal die Beschäftigung mit meiner Endlichkeit dazu gekommen. Was natürlich das Geschehen rundum hinter einem Schleier verschwinden ließ. Ahnen, da ist was, aber nicht wirklich präsent.

Trumps kleinkindliches Verhalten, mit dem er die Weltordnung erheblich durcheinander bringt, Putins imperialistischer Krieg, der sich in der Ukraine spiegelt als Vorbild für das weitere handeln. Das Erstarken der Rechtsradikalen im Prinzip weltweit und in Deutschland im Besonderen. Die fortschreitende Klimakatastrophe. Das alles drückt und staut sich.

Aber tatsächlich laufen in mir ganz andere Gedankenstränge. Und zwar in die Richtung "Mist, wenn du jetzt tot umfällst bist du der Unvollendete". Und die Sorge, dass die o.g. äußeren Umstände dafür sorgen, dass ich keine Antworten auf die möglichen Herausforderungen mehr habe. Und dadurch scheitern würde. Und was ist überhaupt "scheitern" in dem Zusammenhang?

Nun, zur Zeit finde ich noch keine klaren Antworten für mich. Natürlich ist da auch eine Schadenfreude, wenn Merz nicht im 1. Wahlgang gewählt wird. Oder dass die Einstufung durch den Verfassungsschutz der AfD als gesichert rechtsextrem erfolgt. Andererseits bringt das niemanden nach vorne, wenn Merz einen Schuss vor den Bug bekommt, scheint doch damit das Regieren erheblich erschwert. Lieber gebe ich den jeweiligen Regierungen immer eine Chance, sich zu bewähren. Und im Fall der AfD trägt die Einstufung wohl nicht die richtige Früchte. Und mir hilft das bei allem, was mich direkt beschäftigt ohnehin nicht einen Schritt weiter.

Nun, in die Zukunft sehen kann niemand. Insofern versuche ich eher, die Dinge, auf die ich keinen Einfluss nehmen kann, nach hinten zu drücken. Und mich auf meine direkten Probleme zu konzentrieren. Medikamentös bin ich ja eingestellt.
 

Mittwoch, 15. Januar 2025

Vernebelte Wahrnehmung

 


Schon gute 2 Wochen alt, das neue Jahr 2025. Und es scheint noch erbärmlicher zu werden als das Vergangene. Das mag täuschen, aber mein Empfinden ist halt so. Gleichzeitig versuche ich mal mit meinem Tablet einen Blogbeitrag zu schreiben.

In den letzten Wochen schwirrt meine Depression, die Liselotte, nebulös um mich herum. Dringt manchmal durch und flüstert lüstern "Du willst es doch auch ?!". Verführerisch im Ton versucht mich “Lieselotte“ auf die dunkle Seite des Nebels zu ziehen. Nicht so ganz erfolglos. Gibt es doch so gute Argumente...

Zum einen diese bodenlose Dummheit, die immer mehr Macht erlangt. Repräsentiert durch AfD, Weidel, Musk, Trump, Verschwörungsdödel und die ganzen Intelligenzverweigerer, deren Stammbaum offensichtlich ein Kreis ist. Dazu kommen noch Kriegstreiber wie Putin und Co. Das Erstarken der Rechtsradikalen und Nazis bringen dazu noch die Aussicht auf eine grauenhafte, asoziale Zukunft, in der ich nicht leben will. Wenn ich so drüber nachdenke, wie ich dafür verlacht wurde, dass ich einer Nazipartei, die die rechtsnationalen Spinner unter ihrem Deckel vereint, auf 20 -25% schätze. Das war vor etwa 30 Jahren, nach den Anschlägen in Rostock, Mölln und Solingen und war mitgeprägt von dem, was Menschen im Umkreis so von sich gaben.

Dadurch ergibt sich zum anderen, nämlich die Zukunftsängste. Die werden nicht nur von dem vorgenannten Mist genährt. Sondern auch durch meinen Lebenslauf und die Kosten und Kraft der Seele und so. Also, die Aussichten, wie es wahrscheinlich kommen wird. Und das alles bedrückt halt zu Zeit sehr stark. Und bietet dadurch Einfallstoren für “Lieselotte“.

Und damit noch einen großen Dank an die Pharmaindustrie, mit deren Hilfe ich das Ganze etwas besser angehen kann.

Montag, 30. Dezember 2024

Blick zurück nach vorn

Dabei hat doch alles so gut angefangen. Oder nicht? Bis auf diese "Dinge", die passieren, in der Ukraine und Israel, Palästina und Syrien. Und überhaupt. Nein, so dolle war das alles nicht. Alles kein Musk have, irgendwie. Wie auch die Wahl Trumps zum neuen Präsidenten der USA. Wo der Wahnsinn seine teigigen Gesichter zeigt.

Dazu passt das lange Scheitern der Ampel - Koalition, das aber endlich zum Punkt gekommen ist. Die FDP wird hoffentlich dahin kommen wo sie hin gehört: Im Orkus des Vergessens. Dafür ist wesentlich schlimmeres in die Wahrnehmung der Öffentlichkeit gerückt. Zwei Putinzäpfchen allererster Güte. Das BSW mit einer Sarah Wagenknecht als Gallionsfigur, bei der eigentlich nur noch die Fußsohlen des Kommunismus aus dem Allerwertesten des russischen Zaren ragt. Nicht minder tief auch BDM-Göttin der AfD und ihre KameradInnen. Gleichzeitig möchte man auch gerne das letzte Rest an Wirtschaftskraft aus diesem schönen, aber anscheinend zu 25% sehr dummen Landes pressen. Und wenn ich mir die Figuren der Merz - CDU so anschaue... Ganz öffentlich gibt einer, der Minister werden möchte, sein intellektuelles scheitern an einem Flaschenverschluss zu. Vom Ess - Influenzer und hochprämierten Selbstdarsteller aus Bayern ganz zu schweigen. Dafür hätte der eigentlich den Goldenen Narziss verdient. Aber brauchbare Politikvorschläge kann ich da nicht erkennen.

Was dem Macher aus Hamburg eventuell noch in die Karten spielen kann. Hoffentlich kann er Kartenspiel, regieren kann er nicht. Und der Habeck? Naja, wenn er lernt, wie man den Menschen in diesem Land seine Politik erklären kann ohne dass der Eindruck von Bevormundung entsteht, das Ganze die Wirtschaft voran bringt. Ganz besonders die Autoindustrie. Die kann anscheinend alles, nur eines nicht: Zukunft.

Beunruhigt schaue ich nach 2025. Sowohl Deutschland als auch die USA gehen in seltsame Richtungen. Merz bietet Antworten aus dem vergangenen Jahrhundert für die Fragen der Zukunft. Und die USA bieten mit "Trusk" als Präsidentenpärchen auch nicht grade Zutrauen in die Zukunft. Es wird übel.

Naja, mit solch düsteren Gedanken gehe ich schon das ganze Jahr schwanger. Was insgesamt auch meine psychische Kondition nicht unbedingt stabil hält. Gleichwohl, aufgeben ist auch keine brauchbare Option. 

Nun denn: Auf in 2025. Muss ja.

Dienstag, 15. Oktober 2024

Der Zug ist abgefahren

Oh, fast exakt ein Jahr seit meinem letzten Blogeintrag her. Prokrastinieren as its Best. Dabei hatte ich  mir so viel vorgenommen: Meinen Weg mit der Religion oder auch Glauben, die politischen Geschehnisse, über meine Depression. 

Die Depression wird stärker. Die Sehnsucht nach tiefer, fast schon ewiger Ruhe ist stärker geworden. Die augenblickliche, allgemeine Lage gibt ein gutes Stück dazu. Teilweise bin ich regelrecht angewidert, also angeekelt, über das Verhalten vieler meiner Zeitgenossen - zum Teil leider auch in führenden oder vielleicht bald wieder führenden Positionen.

Es ist sicherlich schön, wenn man ohne Waffen Frieden schaffen kann. Leider stehen dem selbstverliebte und gewissenlose Schurken wie Putin dagegen. Ebenso wie Hitler und sein Nazi - Gesocks wird man den nicht ohne Waffen los. Ebenso diese Verbrecher von der Hamas, der Hisbollah oder dem menschenverachtetendem Regime im Iran. Und dem steht ein israelischer Premierminister Netanyahu entgegen, der anscheinend wie vielen Politikern, denen innenpolitisch das Aus droht, die außenpolitische Lage wie gerufen kommt. Ich höre die Zeugen Jehovas schon jubeln: Endlich kommt Armaggedon.

Dazu kommen die rechten, neonazistischen Bestrebung, die Demokratie abzuschaffen. Vor gut 30 Jahren hat man mich belächelt, als ich behauptete, die Nazis würden mit einer Partei, die diese Deppen unter ihrem Schirm holt, locker 20% bekommen. Inzwischen befürchte ich, dass gut ein Drittel der deutschen Bevölkerung in diese Richtung neigt.

Dazu ein Kanzler, der nur Kanzler wurde weil er nicht Laschet war. Mehr Qualifikation scheint diese Mann nicht zu haben. Und wenn doch verbirgt er es gekonnt. Ob und was die "Ampel" eventuell doch erreicht haben könnte wird dazu gar nicht oder nicht gut verkauft.

Von der immer mehr voranschreitenden Umweltkatastrophe in Form des menschengemachten Klimawandels gar nicht zu reden. Sie wird, zumeist von dem weiter oben angeführtem Deppendrittel, geleugnet. Meist wohl, weil man ja eventuell seinen Lebensstil anpassen und ändern. Was diesen Leuten natürlich eine Zumutung ist. Da leugnet man lieber die Fakten.

Na ja, all das und noch viel mehr prasselt auf meine wunde Psyche ein. Und lässt halt den Wunsch nach ewiger Ruhe wachsen. Und der Kampf mit meiner Psyche macht mich immer müder.

Aber vielleicht gibt es ja ohnehin bald den großen Knall - und die Zeugen Jehovas können jubeln. Nur kurz. Bis sie begreifen, ups, doch ein Irrtum. Es kommt nur das schwarze Nichts.

Mittwoch, 18. Oktober 2023

Der Wunsch nach Stille

Es ist ja einige Zeit her dass ich die Tagesklinik recht optimistisch verlassen habe. So einiges mit genommen als Stärkung zur Resilienz gegen meine Depression und der damit einhergehenden Angst vor großen Menschenmengen. Gegen das letztere auch nach Möglichkeit mit Vermeidung angehen. Was im Rahmen auch gelang. Bei Feiern Möglichkeiten zum Ausweichen nutzen, um Luft zu haben. Was allerdings im ÖPNV immer schwieriger wurde.

Gleichzeitig passieren Dinge in der Welt die mir unglaublich nahe gehen. Grade wenn Kinder betroffen sind. Dann passieren auch Dinge im persönlichen Umfeld, die weitere Treffer in meiner Seele landen. Und zuletzt stirbt unvermittelt ein Freund und Arbeitskollege. Der mit mir ähnliche Erlebnisse in der Kindheit teilt, im selben Kinderheim war und, natürlich, an Depression litt. Man konnte sich gut besprechen. Man wusste.

Und so ist meine Resilienz im Prinzip immer schwächer geworden. Entglitten, pulverisiert, was auch immer. Es kostet immer mehr Kraft, sich hochzuziehen um das Tageswerk anzugehen. Dadurch kommen aber immer wieder Bilder aus meiner "Kindheit" hoch.

Zum Beispiel: Wie ich mit 12 drei Tage in den Keller gesperrt wurde, mit Hammer und mein krankes Meerschweinchen, Karlchen hieß es, um es zu töten. Am Ende war ich gefühlskalt weil ich wohl zum Selbstschutz alles abgeschaltet hatte was mir schaden kann.

Zum Beispiel: Wie mir der Kopf im Türrahmen eingeklemmt wurde, festgedrückt von meiner "Mutter", damit ihr widerlicher Stecher den nackten Hintern mit einem lederbezogenen Handfeger bearbeiten konnte, bis dieser zerbrach. Der Handfeger, leider nicht der widerliche Stecher. (Übrigens keine Einzelaktion - aber nach Aussage des widerlichen Stechers tat es ihm mehr weh wie mir)

Zum Beispiel: Wie ich eine Woche zur Strafe in mein Zimmer gesperrt wurde. Nackt, ohne Bettwäsche, die Rolladenschnur durchschnitten, damit ich das Rollo nicht hochmachen konnte. Fenstergriff abgeschraubt. Tür verschlossen. 1 mal am Tag Toilettengang, Zweimal was zu Essen. Zur Strafe, weil ich so seltsam war.

Zum Beispiel: Psychische Grausamkeiten. Als Abendessen gab es für mich trocken Brot, wo der Schimmel abgeschnitten war, und Griebenschmalz - die Herrschaften haben sich einen Haufen Schnitzel gemacht und genüsslich vor meinen Augen verspeist. Er war einen abgenagten Knochen im meine Richtung mit den Worten: "Nicht für dich, ist für den Hund".

Das ich natürlich aus diesen keinesfalls Einzelfälle, sondern "Dauerbeschuss", flüchtete versteht sich von selbst. Quasi Vermeidung. Endlich kam ich in eine Kinderheim - natürlich freiwillige Erziehungshilfe. Weil der Junge ja so schwierig ist. Mir egal, Hauptsache da raus. Allerdings ohne irgendeine Ahnung von irgendwas. Meine Flucht waren Bücher. Echtes Leben fand bei mir nicht mehr statt. Mir fehlte, nein, fehlt: Urvertrauen, Gefühl. Ja, selbst bei Liebe wird es schwer - ich habe ja nie wirklich welche erfahren. Um so schwerer war es, als ich meine Frau kennenlernte. Mich darauf einzulassen.

Nun, irgendwie bin ich durchgekommen. Bis alles, was ich unterdrückt und verdrängt habe, wieder hoch kam. Ich denke, mein Problem ist, dass ich aus Bedrängnis, egal was es jetzt ist, nicht mehr einfach abhauen kann. Und dann Entscheidung treffen muss. Oft zwischen Pest und Cholera, wie sich herausstellt. Und dass ich Gefühle bekomme, mich immer falsch zu entscheiden. Dass ich zu oft darauf hoffe, dass es besser ist, endlich tot zu sein. Damit ich endlich allumfassende Ruhe finde. Und das macht mir wiederum Angst. Und damit kämpfe ich halt. Bis zur mentalen Erschöpfung.

Nun ja, diesen Abriss hier schreibe ich auch in der Hoffnung, dass ich ihn irgendwie von der Seele bekommen. Liest wahrscheinlich eh keiner, aber ich habe es wenigstens mal erwähnt. 

Montag, 17. April 2023

Eine Depression und das Gegenstemmen


So, es ist eine ganze Weile vergangen seit ich mich mit meinem Blog beschäftigt habe. Rückschau Ausblick. Im Prinzip stand damals schon fest, dass ich massiv etwas gegen meine Depression unternehmen musste. Ausschlaggebend war dann meine psychische Verfassung Mitte Januar und eine Gespräch mit meinem Psychiater.

Die Suche nach einer Tagesklinik stellte sich dann als gar nicht so schwierig heraus. Und Anfang März ging es dann los. Im Prinzip musste ich in den folgenden 6 Wochen lernen, mit mir selber klar zu kommen. Zielsetzung: Hilfen an die Hand zu bekommen, die mir es möglich machen, mit der Depression umzugehen.

Nun, nach einer Woche konnte ich immerhin akzeptieren, dass ich keine Niederlage erlitten habe, sondern ich im Kampf Hilfe angenommen habe, die sehr wohl ein Sieg darstellen. Und zwei Wochen später gab es Schlüsselerlebnis, dass bei mir den Schlüssel umdrehte und erlerntes erfolgreich anwenden lies. Und dass sich positiv auf meine Grundeinstellung auswirkte.

Im Prinzip ging es dann bergauf. Und eines wurde mir dann auch klar: Die Depression an sich ist nicht weg, aber ich kann tatsächlich Mittel einsetzen, die die Auswirkungen eindämmen und in erträgliche Richtung bringen. Dabei ist mir ein Satz durch den Kopf gegangen:

Mittlerweile leide ich nicht mehr unter den Depressionen, sondern die Depressionen leiden unter mir  - Torsten Sträter

Gut, meine sehe ich eher als eine, die einen Namen hat: Lieselotte. Der Name meiner "Mutter". Aber es ist auch so, dass ich auf dem Weg eben dahin bin. Der Depression in die Schranken zu weisen. 

Immerhin hat, trotz, Personalmangel sei Dank, ausgefallener Therapieangebote, die Zeit in der Tagesklinik sehr viel gebracht. Ob sich das alles hält kann ich nur hoffen. Ich denke, dass begleitende Therapien nicht zeitig zur Verfügung stehen. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich dennoch gut in die Zeit gehen werde, die mir noch bleibt.

Montag, 2. Januar 2023

Rückblick – Ausblick

 

Unglaublich scheint es, wie beschissen so ein Jahr werden kann.

Klar, die Pandemie, die sich im Laufe des Jahres anscheinend in eine Endemie wandeln sollte, hat was mit meiner Depression gemacht. Und so bin ich auch in das Jahr 2022 gestartet. Immer stärker wurde dabei die Angst unter Menschen zu sein. Was mich in Anbetracht des Zustandes des ÖPNV, vor allem der Bahn, an Randbereiche meiner Gefühlswelt brachte, die ich nie wieder erleben wollte. Gesellschaftliche Erlebnisse reduzierte ich auf ein Mindestmaß. Suchte bei den Dingen, bei denen ich anwesend sein „musste“ nach Möglichkeit nach Rückzugsorten.

Dann kam der 24. Februar. Russland überfällt die Ukraine mit einem Angriffskrieg. Und einiges, was ich psychisch zu stabilisieren suchte, wurde hinweggefegt. Immerhin wurde ich dadurch tatsächlich zynischer. Reiner Schutzreflex. Um die immer öfter aufkommenden schwarzen Gedanken in den Griff zu bekommen.

Die dann einsetzende Energiekrise tat noch das eigene hinzu. Das kommt davon, wenn man keine zukunftsorientierte Energiepolitik betreibt. Vom Klimaschutz ganz zu schweigen. Dann klebt man sich halt mal auf die Straße und/oder verunreinigt Kunstwerke. Was auch leicht Richtung Schwachsinn geht, aber nun gut.

Ich befand mich das ganze Jahr im depressiven Krisenmodus.

Ging oft genug abends ins Bett mit dem Wunsch, am Morgen nicht mehr aufwachen zu müssen. Und am Folgetag erstmal gegen die Enttäuschung, doch wieder aufzuwachen, anzukämpfen. Und die Alternative, dass doch selbst zu besorgen, schnellstmöglich zu verwerfen.

Hilfreich ist dabei in erster Linie, dass ich Familie habe. Und tatsächlich der zu meinem 60. Geburtstag erstellte Lebenslauf. Da konnte ich mir immerhin sagen: Schmeiß das Erreichte nicht einfach so weg.

In Folge der ganzen augenblicklichen Entwicklungen wird es für 2023 sicherlich nicht einfacher. Durch die explodierenden Preise kommen auch noch Existenzängste hinzu. Nun gut.

Wie schon in meinem Lebenslauf schon eingeführt hier auch ein Überblick über prominente Menschen, die mir in irgendeiner Weise etwas bedeutet haben und in 2022 gestorben sind. In kalendarischer Reihenfolge:

Peter Bogdanovich; Bob Saget; Herbert Achternbusch; Hardy Krüger; Meat Loaf; Don Wilson; Ernst Stankovski; Götz Werner; Ivan Reitman; Sandy Nelson; Peter Merseburger; Gary Brooker; William Hurt; Siegfried Steiger; Taylor Hawkins; Uwe Bohm; Michael Degen; Frank Baier; Wolfgang Fahrian; Klaus Schulze; Rainer Basedow; Alan White; Ray Liotta; Andrew Fletcher; Jean-Louis Trintignant; James Caan; Monty Norman; Uwe Seeler; David Warner; Nichelle Nichols; Olivia Newton-John; Felix Huby; Hans-Christian Ströbele; Ruth Lapide; Michail Gorbatschow; Elisabeth II.; Jean-Luc Godard; Fritz Pleitgen; Louise Fletcher; Coolio; Günter Lamprecht; Ralf Wolter; Robbie Coltrane; Jerry Lee Lewis; Hans Magnus Enzensberger; Christine McVie; Christiane Hörbiger; Manuel Göttsching; Kirstie Alley; Jet Black; Hans Peter Hallwachs; Maxi Jazz; Pelé.

 

 

Mittwoch, 21. September 2022

Am Allerwertesten vorbei direkt in die Seele

 


Nach langer Zeit mal wieder ein Eintrag in meinem Blog. Sowohl hier als auch völlig analog. Ja. Ich habe so ein Buch mit leeren Seiten aus Papier. Da schreib ich was rein. Boah!

In den letzten Monaten, nach meinem 60. Geburtstag, habe ich immer mehr an Vertrautem, an Sicherheiten verloren. Und das ist nicht allein die Beerdigung der Queen. Die kann als Symbol für das Vertraute, die Verlässlichkeit und Gewissheit herhalten. Ein Halt irgendwie in schwierigen Zeiten, nicht nur für die Briten. Was bleibt sonst noch so? Keith Richards?

Wie schon bemerkt hat mich die Covid-Pandemie weit in die Depression zurück gerissen. Ich war schon auf einem durchaus guten Weg es irgendwie in den Griff zu bekommen. Trotz einiger Rückschläge. Immerhin habe ich eine Gesprächstherapie gefunden – auch wenn ich eher eine Verhaltenstherapie gebraucht hätte. Aber besser wie gar nichts.

Verhindert hat das nicht, dass meine Ängste vor Menschenmengen schlimmer geworden sind. Gedanken, die nicht gesund sind, werden stärker. Irgendwie klappt es, dass ich nicht aufgebe.

Und dann passiert das mit der Ukraine.

Sicher, so bis 2014 ging mir die Ukraine am Allerwertesten vorbei. Was habe ich geschmunzelt, wenn die hitzigen Diskussionen im Parlament gezeigt wurden und die Fäuste und das Mobiliar die Argumente unterstrichen… Ja, und dann habe ich den Kopf geschüttelt und mir gedacht: So sind sie halt, die im Ostblock.

Doch dann wurde mit Blutzoll der Putinhörige Präsident Janukowytch davon getrieben. Es sollte besser werden. Der weitere Preis: Putin sicherte sich erstmal die Krim. Korruption lähmte das Land – bis eben dieser Schauspieler zum Präsidenten gewählt wurde. Selinskyi.

Und seitdem geht es so richtig rund. Und ich bin in ein tiefes Loch gefallen. Und die aktuellen Meldungen aus Russland lassen mich noch weiter sinken.

Und plötzlich habe ich die Vermutung, dass ich mir über hohe Heizkosten keine Gedanken mehr machen muss. Bald wird es kurzfristig mehrere Millionen Grad heiß. Und hoffentlich bleibt vom Menschen keine Spur mehr. Menschheit – das Krebsgeschwür am Allerwertesten der Erde. Jedenfalls so ein ungutes Gefühl habe ich. Lasst alle Hoffnung fahren. Willkommen in der Hölle.

Dienstag, 25. Januar 2022

60 Jahre und kein bisschen Weise

Ob Curd Jürgens das Lied wirklich ernst meinte? Wer weiß - Ich dachte immer, na, in dem Alter müsste man doch Weise sein. Jetzt, da ich dieses Alter erreicht habe, kokettiere ich allerdings auch mit der Einstellung, keinerlei Weisheit erlangt zu haben.

Wobei ich mich jetzt so ein wenig an markanten Punkten in meiner Timeline entlang hangle.

1962

Am 25. Januar wurde ich in einem Zechenhaus meiner Großeltern unterhalb der Zeche Diergardt in der Stadt Rheinhausen im Kreis Moers geboren. Im gleichen Jahr sind noch viele andere Menschen geboren, die allerdings eine größere Popularität als ich erreichten: Horst Lichter, Jim Carrey, Peter Lohmeyer, Uwe Bohm, Axl Rose, Josef Hader, Jon Bon Jovi, Stefanie Tückung, Susanne Klatten, Dave Gahan, Emilio Estevez, Sybille Berg, Campino, Tom Cruise - eine endlos lange Liste. Guter Jahrgang?

Passiert ist da auch einiges: Ein erst 18 Jahre alter Mann erlag seinen Verletzungen, nachdem er von einem Grenzsoldaten tödlich verwundet wurde. Ein Opfer der Mauer zwischen BRD und DDR. Später im Jahr erschießt ein Bundesgrenzschutz-Beamter einen DDR-Grenzsoldaten und auch sonst ging der Kalte Krieg so richtig los: Die Kuba - Krise erreicht einen Höhepunkt, der in seinen dramatischen Auswirkungen das Ende meines recht jungen Lebens und das des restlichen Erdenlebens bedeuten hätte können.

Spiegelaffäre mit anschließendem Rücktritt von Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß, die Beatles und die Stones begannen ihre Karrieren, Lawrence von Arabien lief in den Kinos an, der Roman "A Clockwork Orange" wird veröffentlicht, Bonanza läuft erstmals im deutschen Fernsehen und Marilyn Monroe stirbt unter mysteriösen Umständen. Einige Ereignisse, die ich selbstverständlich nicht mitbekommen habe. Auch nicht den strengen Winter 1962/63 - der Rhein und auch die Ostsee froren zu - einiges von den aufgezählten Dingen beeinflussten mich indirekt später.

Was für mich dramatischer war, ohne es zu wissen: Mein Erzeuger setzte sich ab, lies meine Mutter allein zurück mit eher seltsamen Vorwürfen.

1966

Markant ist dieses Jahr für mich, ohne dass mir das bewusst war, aus mehreren Gründen. Zum einen hatte meine Mutter einen neuen Mann, dessen Name ich auch bekam. Adoptiert wurde ich nicht, damit keine Ansprüche meinem Erzeuger gegenüber verloren gehen. Gleichzeitig bekam ich die deutsche Staatangehörigkeit. Aus einem Österreicher wurde also ein Deutscher. Übrigens habe ich niemals einen Fuß in mein "Vaterland" gesetzt. Komisch. Nun, das Besondere war jedenfalls die Geburt meines Bruders.

Tja, was ist noch so passiert? Martin Luther King bekommt den Friedensnobelpreis und Nikita Chruschtschow die Entlassungspapiere, Willy Brandt wird Vorsitzender der SPD, Nelson Mandela wird zu lebenslanger Haft verurteilt, die ersten 1000 - Markscheine werden herausgegeben, die Stiftung Warentest wird gegründet, Anatevka wird uraufgeführt, Bonanza läuft erstmals im deutschen Fernsehen. In Köln geschieht ein Flammenwerfer-Attentat, bei dem Lehrerinnen und Schüler sterben und teilweise entsetzlich entstellt werden. Cassius Clay wird erstmals Weltmeister, Jean Paul Sartre lehnt den Nobelpreis ab. Das bisher stärkste Erdbeben in der Geschichte der USA mit eine Amplitude von 9,2.

Geboren wurden z.B. Nicolas Cage, Juliette Binoche, Toni Polster, Tracy Chapman, Rüdiger Hoffmann, Russell Crowe, Lenny Kravitz, Sandra Bullock, Jürgen Klinsmann, nur um einige zu nennen.

1968

Ich wurde in der katholischen Grundschule St. Peter in Uerdingen eingeschult. Lesen und schreiben konnte ich schon (recht ordentlich für einen 6-Jährigen), so dass ich mit Sütterlin beschäftigt wurde. Ein Jahr später sind wir nach Rumeln - Kaldenhausen umgezogen. Dort besuchte ich die Klassen 2-4 in der Gerhard-Hauptmann-Schule. Aufregenderes als meine Einschulung gab es für mich nicht. Dafür ging es in der Welt recht heftig zu.

Die Tet-Offensive sowie das Massaker von My Lai läuten im Prinzip das Ende des Vietnam-Krieges ein. In der Folge kommt es sowohl in den USA als auch in Frankreich zu Studentenprotesten; in Deutschland, vor allem in Berlin, auch aus anderen Gründen. Rudi Dutschke wird schwer verwundet. Der Prager Frühling wird gewaltsam beendet. Richard Nixon wird 37. Präsident der USA. Die BRD führt die als Märchensteuer verhöhnte Mehrwertsteuer ein. Das erste Legoland eröffnet im dänischen Billund. 2001: Odyssee im Weltall wird uraufgeführt, Spiel mir das Lied vom Tod ebenfalls. Die Hongkong-Grippe fordert zwischen 750.000 und 1 Million Menschenleben.

Cuba Gooding Jr., DJ BoBo, Josh Brolin, Daniel "JamesBond" Craig und Smudo wurden unter anderem geboren. Martin Luther King wurde ermordet.

1972

Ab jetzt kommt Spannung in mein Leben. Ich kam auf die Hauptschule "Am Kirchfeld" (Ja, genau neben dem Friedhof) in Rumeln. Das war zwar noch nicht spannend, aber das gesamte drumherum. Meine Eltern ließen sich scheiden, mein Stiefvater war ein versoffener Prügelgesell, ich trauerte meinem Vater hinterher und musste brutal erfahren: Er ist nicht mein Vater - der ist einfach abgehauen. (Was so nicht ganz stimmt, aber nun) - Ab 1972 ging mein Leben im Grunde den Bach hinunter und meine Seele wurde zerstört. Meine ersten sexuellen Erfahrungen machte ich auch nicht freiwillig. Und auch nicht mit Mädchen. Kommt davon, wenn man immer wieder von zu Hause abhaut. Zum Beispiel sehr früh im Jahr zu Fuß von Rumeln nach Köln. Das passierte aber in den Folgejahren bis 1975. Ein Elend.

Zwischen der Bundesrepublik und der DDR normalisieren sich durch das Transitabkommen und den Grundlagenvertrag die Beziehungen. In München finden die Olympischen Spiele statt - und erleben einen Terror bislang unbekannten Ausmaßes. Watergate erschüttert die USA. Der Bloody Sunday führt zur Eskalation des Nordirlandkonfliktes. Willy Brandt wird zum 2. Mal Bundeskanzler. Van Halen und ABBA werden gegründet. Die deutsche Ausgabe des Playboy erscheint. Heinrich Böll bekommt den Nobelpreis. Sasha, Benno Fürmann, Bastian Bastewka, Johann König, Ben Affleck, Liam Gallagher wurden geboren. Mahalia Jackson, Dan Blocker, Harry S. Truman starben.

1975

Bezeichnend war, dass die Flucht von zu Hause zum Ziel führte: Ich kam in ein Heim. Endlich. In das Städtische Kinderdorf Rotdornstraße in Duisburg - Großenbaum. Vorab geprägt von einer Zeit der Gewalt, Demütigungen und gar Folter. Träume, ich denen ich meine Mutter und ihren Stecher töte. Träume, in denen meine Mutter mich tötet. Und die vage Erkenntnis, dass meine Mutter mich nicht liebt. Nur aus Pflichtgefühl den Sohn irgendwie durchzieht. Weil, was sagen die Nachbarn? nun, ins Heim kam ich mit "Freiwilliger Erziehungshilfe", weil ich ja so schwierig war. Egal, es war auch der Zeitpunkt, an dem ich die Gesellschaft zu hassen begann.

Das Ende des Vietnamkrieges und der Tod Francos bestimmten das Jahr. Die Monarchie wurde in Spanien wieder eingeführt - und der Kommunismus in ganz Vietnam. In Deutschland war man jetzt mit 18 volljährig. In Schweden hatte der König nur noch repräsentative Aufgaben. Der Kreis Moers wurde aufgelöst, mein Rheinhausen wurde Teil Duisburgs. Der Terrorismus in Deutschland wurde intensiver. Bei einem Referendum im Vereinigten Königreich stimmen 67 % der Wähler für einen Verbleib des Landes in der EWG. Auf US-Präsident Gerald Ford wird ein Attentat versucht. Pier Paolo Pasolini wird ermordet. Das von den Zeugen Jehovas vorhergesagte Armaggedon findet nicht statt.

Benjamin von Stuckrad-Barre, Natalie Imbruglia, Drew Barrymore, Eva Longoria, David Beckham, Angelina Jolie, Hendrik Wüst wurden, neben vielen anderen, geboren. 

Paul Verhoeven, T-Bone Walker, Josephine Baker starben.

Und Queen veröffentlichen Bohemian Rhapsody. Was mich dann endgültig zum Queen-Fan machte. Und mich tatsächlich auch in Richtung Musik als Lebensbegleiter gebracht.

1977

Ein weitere Wendepunkt. Im Vorjahr hatte meine "Mutter" mich aus dem Heim geholt. Mir aber auch zu verstehen gegeben, dass sie selbst das nicht wollte. Die Spannungen gingen weiter, und so bin ich wieder abgehauen. Mit dem Rad bin ich im Februar bis nach Münster gekommen. Kam in ein Heim in Duisburg-Hochfeld, beendete die Schule und kam dann in ein Heim in Münster. Und dort ging der Abstieg des inzwischen emotionslosen; jedenfalls positives Emotionen ließ ich nicht mehr zu; Jungen namens Manfred. Immer tiefer in den Sog des Untergangs verweigerte ich so ziemlich alles. Und ließ im Prinzip keine emotionale Nähe mehr zu. Schotten dicht.

Gleichzeitig fand in Deutschland der sogenannte deutsche Herbst statt. Entführung der Landshut, von Schleyer und zum krönenden Abschluss der Selbstmord von Baader und Co. in Stammheim. Jimmy Carter wird US-Präsident. Elvis Presley stirbt. Oder auch nicht. Oder doch? Das Wow!-Signal wird entdeckt. Voyager 2 und 1 starten.

Einige sehr für mich wichtige Alben erschienen. I Robot von Alan Parsons Projekt, Low und Heroes von David Bowie, Rumours von Fleetwood Mac. Queen mit News of the World. 

1982

5 Jahre Münster - und alles liegt in Trümmer. Psyche und Leben. In dieser Phase gönnte ich mir ein Live-Konzert von Queen in Dortmund und macht mich auf, das Leben irgendwie wieder in den Griff zu kriegen. Versuchte Aussöhnung mit meiner "Mutter" - was natürlich nicht gut ging - und früh gescheiterte Versuche, doch noch was hinzukriegen. Ein gescheiterter Suizid und die Erkenntnis, ich soll wohl weiterleben. Erstes kennenlernen meiner heutigen Frau, irgendwie über die Runden kommen. Ein Jahr später kam ich mit meiner heutigen Frau zusammen und fasste den Entschluss, irgendwie ein normales Leben hinzukriegen. Ich ging sogar zur Bundeswehr, um ein Hindernis auszuräumen (Haben Sie schon gedient?) und wechselte zum Zivildienst, weil ich die BW nicht ertragen habe. Mein Seelenleben war immer noch ein Trümmerfeld.

1982 wurde Helmut Kohl Bundeskanzler und blieb es die nächsten 16 Jahre. Der Falkland-Krieg beginnt. Durch einen Spiegel-Artikel kommt der "Neue Heimat Skandal " ins rollen. Der Commodore C64 kommt auf den Markt. Der erste Mensch mit einem Kunstherz. Italien wird zum 3. Mal Fußballweltmeister. Nicole gewinnt mit "Ein bisschen Frieden" den Grand Prix de la Chanson.

"Thriller" von Michael Jackson erscheint, Die Ärzte und die Toten Hosen gründen sich, ABBA "trennen" sich. "Der Kommissar" von Falco und "Skandal im Sperrbezirk" der Spider Murphy Gang bestimmen die Hitparade in Deutschland.

1986

Der Wendepunkt. Ich zog mit meiner Verlobten zusammen und hatte einen Job bei Mister Minit. Schuhreparatur und Schlüssel. Konnte ich ganz gut. Gleichzeitig fühlte ich  mich überfordert. Wie geht das Leben? Und wollte es beenden. Klappte nicht. Ein Lied holte mich zurück in die Spur. "Love will find a Way" von Yes. Ja, eines der schlechtesten Alben von Yes. Aber mir ging das Lied nicht aus dem Kopf. Zufall? Wer weiß. So ganz ohne Mittel verschulden wir uns erheblich. Um das Leben zu "normalisieren". Der Druck wächst.

In Deutschland wird das Erziehungsgeld eingeführt und der Erziehungsurlaub. Portugal und Spanien treten der EU bei. Michail Gorbatschow schlägt die Abrüstung der Kernwaffen vor und fordert Glasnost und Perestroika in der Sowjetunion. Bombenanschlag auf eine Diskothek in Berlin - in der Folge bombardierte die USA Libyen. Jörg Haider wird Vorsitzender der FPÖ und lässt die Partei nach weit rechts außen driften. Terrorismusbekämpfungsgesetz in Deutschland. Voyager 2 fliegt am Uranus vorbei, die ersten Module der sowjetischen Raumstation Mir werden ins Weltall geschossen. Die Raumfähre "Challenger" explodiert kurz nach dem Start. Der Reaktor Tschernobyl explodiert ebenfalls. Manuel Neuer wird geboren.  Phil Lynott stirbt. Ebenso Joseph Beuys.

Mit meiner Frau besuchte ich Queen in Köln im Müngersdorfer Stadion. Das letzte Deutschlandkonzert mit Freddy Mercury - was damals noch keiner wusste. Dabei waren auch Marillion, Gary Moore und Level 42. Unvergesslich. Metallica bringt ihr Album Master of Puppets heraus, Modern Talking beherrscht die Hitparade. Unverzeihlich. Falco bringt Jeanny, Part 1 heraus und auch eine Rechtfertigung mit Jeanny, Part 2. Und die Welt lief wie ein Ägypter.

1988

Ich bin verheiratet! Und die Ehe hält bis heute. Das war das größte Ereignis 1988. Die Situation insgesamt festigt sich unter schwierigen Rahmenbedingungen. Meine Mutter war nicht eingeladen.

Ausgerechnet 1 Jahr vor der Wende in der DDR wird der Wendehals der Vogel des Jahres. Der Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan wird beschlossen. Der 1. Golfkrieg. George Bush sen. wird US-Präsident. In Deutschland wird verbleites Normalbenzin verboten. Ein Computerwurm legt 10% des damaligen Internets lahm. Steffi Graf gewinnt die US-Open und alle Grand-Slam-Turniere. Die Niederlande werden Fußballeuropameister beim Turnier in Deutschland. Grubenunglück in Borken (Hessen) und die Katastrophe von Ramstein. Über dem schottischen Lockerbie explodiert bei einem Bombenanschlag eine Boeing. Adele wird geboren. Enzo Ferrari, Franz-Joseph Strauß und Gert Fröbe sterben. 

Die Ärzte geben ihr Abschiedskonzert. Celine Dion gewinnt für die Schweiz den Eurovision Song Contest. Die Pet Shop Boys und Milli Vanilli beherrschen die Charts.

1991

Das freudigste Ereignis war sicherlich die Geburt meines Sohnes. Obwohl es den Druck weiter erhöht. Meine Großmutter starb im Frühjahr, die Beerdigung führte zu einer instabilen Versöhnung mit meiner Mutter. Es blieb schwierig. Vor über einem Jahr war ich inzwischen von Mister Minit über einen Wachdienst zum Kaufringlager in Düsseldorf gewechselt. Familienfreundlichere Arbeitszeiten. Und die Anstellung beim Kaufring galt bei dem über 100jährigen Unternehmen quasi wie Beamtentum. Angeblich ein sehr sicherer Arbeitsplatz. Das sollte sich in der Folge als Irrtum rausstellen, aber zu diesem Zeitpunkt war die Lage für mich eigentlich relativ entspannt. Oberflächlich.

Der zweite Golfkrieg startete, der Jugoslawienkonflikt ebenfalls. Die Sowjetunion zerfiel. Und Deutschland war seit nicht einmal einem Jahr wieder vereint. Helmut Kohl wird erneut Bundeskanzler. Diesmal in einem vereinten Deutschland. Karsten Rohwedder wird von der RAF ermordet. Der ICE startet seinen Betrieb. Die Ukraine wird unabhängig. Eric Carr (Kiss) und Klaus Kinski sterben. Dramatischer für mich: Freddie Mercury stirbt.

Das Album des Jahres für mich war und bleibt für mich "Innuendo" von Queen. Quasi das Abschiedsgeschenk von Freddie Mercury. Oasis gründen sich. Die Fanta 4 starten durch. Metallica veröffentlichen das Black Album, Nirvana Nevermind.

1996

Ja, inzwischen bin ich seit 3 Jahren im öffentlichen Dienst. Nun ein wirklich sicherer Arbeitsplatz. Wichtig, weil meine Tochter geboren wird. Neben der Freude nimmt auch der Druck zu. Warum? Nun, ich habe nie gelernt wie das ist: Normale Familie. Oder überhaupt "normales" Leben. Ich improvisiere. Mein Verhalten wird ambivalent.

In Lübeck sterben bei einem Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft zehn Menschen. Russland wird Mitglied im Europarat. Jan Philipp Reemtsma wird entführt. Bei einem Amoklauf im australischen Port Arthur sterben 35 Menschen. Aufdeckung einer Kinderschänderbande um Marc Dutroux in Belgien. Bill Clinton wird erneut US-Präsident. Die Deutsche Telekom geht an die Börse. Dolly, das erste Klonschaf, wird geboren. Oliver Bierhoff trifft zum ersten Golden Goal und mach Deutschland zum Fußballeuropameister. 17 Menschen sterben bei der Brandkatastrophe am Düsseldorfer Flughafen. 

Take That trennen sich und lösen eine gewisse Hysterie damit aus. Nightwish und Coldplay werden gegründet.

Helmut Schön, Josef Meinrad, Johnny „Guitar“ Watson, Timothy Leary, Rio Reiser, Carl Sagan sterben.

1999

Ein Umzug von Rheinhausen nach Moers. In eine eigentlich viel zu teure Wohnung. Aber notwendig. War jedenfalls die Entscheidung der Familie. Allerdings wuchs der Druck auf mich. Ich kapselte mich weiter ein. Und war nach außen ein eher "cooler" Typ mit ziemlich bissigem Humor.

Impeachment gegen US-Präsident Bill Clinton. Oskar Lafontaine tritt nach Richtungsänderung der Regierung von allen seinen Ämtern zurück. 50-jähriges Jubiläum der Gründung der Bundesrepublik Deutschland, Johannes Rau wird Bundespräsident. Wladimir Putin wird Präsident Russlands. Ein geistig verwirrter Eindringling verletzt George Harrison mit einem Küchenmesser schwer. Steffi Graf gibt ihren Rücktritt vom Profi-Tennis bekannt. Bei einem LKW-Brand im Mont-Blanc-Tunnel kommen 39 Personen ums Leben.

Günter Strack, August Everding, Heinz Schubert, Dusty Springfield, Stanley Kubrick, Yehudi Menuhin, Willi Stoph, Oliver Reed,  Dirk Bogarde,  Horst Frank starben.

2006

Ein sehr einschneidendes Ereignis war eine Bauch-OP auf letztem Drücker. In der Folge siegt die lange unterdrückte, besser: weggedrückte, Depression, unter der ich sicherlich schon jahrelang litt, und wirkt bis heute. Einige Jahre konnte ich sie wieder im Zaum halten, doch immer wieder zog sie mich seitdem in ein finsteres, schwarzes Loch.

In 2006 gab es viele Jubiläen: Mozart, Heine, Schumann, Ibsen, Tesla, Asperger. Moslemische Demonstranten gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen setzen das dänische Konsulat im Libanon in Brand.  Erhöhung der Umsatzsteuer von 16 auf 19 %, der neue Berliner Hauptbahnhof geht in Betrieb. Fußball-WM in Deutschland. Die Mannschaft wird 3. Stromausfall in Westeuropa.  Saddam Hussein wird hingerichtet. Die NASA startet die weltweit erste Pluto-Sonde „New Horizons“.  Die finnische Gruppe Lordi siegt beim Eurovision Song Contest. 2006 war eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnung und ist von Stürmen und Wetterkapriolen geprägt. Der „Kannibale von Rotenburg“ wird zu lebenslanger Haft verurteilt. WikiLeaks wird ins Leben gerufen. Michael Schumacher beendet seine Karriere als Formel-1-Fahrer. 

Heinrich Harrer, Mark Spoon, Udo Thomer, Shelley Winters, Wilson Pickett, Johannes Rau, Tom Toelle,  Desmond Dekker,  Billy Preston,  Drafi Deutscher,  Arif Mardin, Syd Barrett, Rudi Carell, Elisabeth Volkmann starben.

2014

Ein Auf und Ab hatten mich die letzten 8 Jahre begleitet. Fast schien es, die Depression wäre wieder im Griff. Vermutet wurde ein Asperger, der sich allerdings nicht bestätigte. Gleichwohl eine nicht unerhebliche Persönlichkeitsstörung, die da mit reinwirkt. Inzwischen ist man sich sicher - Borderline. Wird dann gerne diagnostiziert. Was 2014 so besonders macht: Ich habe eine Schwester gefunden. Oder besser: Sie mich. In Luxemburg. Und mein Erzeuger lebt noch! Mutter war inzwischen verstorben. Das nahm ich ungerührt zur Kenntnis. Aber eine 7 Jahre jüngere Schwester! Die ganze Zeit existent - und wir wussten nichts voneinander. In der Folge lernten wir uns etwas kennen. 3 Jahre später starb mein Erzeuger, der in einem Altersheim in Luxemburg vor sich hinvegetierte, ohne dass wir uns gesehen oder gesprochen hatten. Was er angerichtet hat, bei mir, aber unverzeihlich bei meiner Schwester, hat mich davon abgehalten. Aber neben einer Freude bewirkte das ganze auch einen Sog zum schwarzen Loch.

Das Jahr 2014 war von der Ukraine-Krise, anhaltende Konflikte im Nahen Osten, das staatenübergreifende Auftreten der gewalttätigen Organisation Islamischer Staat sowie von der Ebolafieber-Epidemie in Westafrika geprägt. Es wurden Hitzerekorde aufgestellt, die inzwischen übertroffen wurden. Immerhin klappte es diesmal mit der Fußballweltmeisterschaft.  Recep Tayyip Erdoğan wird zum 12. türkischen Staatspräsidenten gewählt. Die 17-jährige pakistanische Schülerin Malala Yousafzai bekommt den Friedensnobelpreis. Schottland führt ein Referendum zur Unabhängigkeit durch. In New York City wird das One World Trade Center eröffnet. Die Fernsehshow "Wetten dass...?" wird eingestellt.

Phil Everly, Eusébio, Ariel Scharon,  Fred Bertelmann,  Pete Seeger,  Maximilian Schell, Philip Seymour Hoffman, Shirley Temple, Mareike Carrière, Mickey Rooney, Karlheinz Deschner, HR Giger, Karlheinz Böhm, Eduard Schewardnadse, Dietmar Schönherr,  Peter Scholl-Latour u.v.A starben.

2018

Mein Sohn ist ausgezogen. Das hat schon etwas mit mir gemacht. Wir zogen dann ebenfalls um, in eine kleinere Wohnung. Mit nicht optimalen Finanzen, was mir ebenfalls zu schaffen macht. Insgesamt folgte dann Ende des Jahres der psychische Zusammenbruch. Klinik. Richtete mich wieder etwas auf. Allerdings folgte keine weitere Therapie mangels Therapieplätze. Zudem war es auch das Jahr, in dem ich das letzte Mal nach Luxemburg zu einer Schwester konnte. Es war insgesamt keine gute Entwicklung.

Ein ungewöhnlich warmer Sommer mit einer lang anhaltenden Dürreperiode, ein Irrer als US-Präsident, Erstarken der AfD, eine türkische Militäroffensive in Nordsyrien, Urteilsverkündung im NSU-Prozess, der Journalist Jamal Khashoggi wird ermordet, Bolsonaro wird zum Präsidenten von Brasilien gewählt, Angela Merkel kündigt ihren Rückzug aus der Politik an, eine Amokfahrt in Münster (Westfalen),  Anschlag in Grosny (Russland), jede Menge Anschläge in Afghanistan. Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle, das Orkantief Friederike zieht über Deutschland. Jubiläum der Urkatastrophe des 20. Jahrhundert: 100 Jahre Ende des 1. Weltkrieges.

France Gall, Dolores O’Riordan, Paul Bocuse, Ingvar Kamprad, Rolf Zacher, Stephen Hawking, Miloš Forman, Avicii, Wolfgang Völz, Dieter Kunzelmann, Christine Nöstlinger, Kofi Annan, Dieter Thomas Heck, Lindsay Kemp,  Burt Reynolds, Daniel Küblböck, Charles Aznavour, Montserrat Caballé, Ingo Insterburg, Stan Lee, Stefanie Tücking u.v.A. starben.


2022

Und so komme ich langsam ins hier und jetzt. Ich bin 60. Wer hätte gedacht, dass ich das schaffe. Ich nicht. Und sicher, ob ich das so wollte, bin ich nicht. 60 Jahre, und kein bisschen Weise?

Mit meiner kleinen Zeitreise, in der ich ja nur für mich markante Jahre herauspickte, kam ich etwas wehmütig ins grübeln. Die letzten Jahre waren ja geprägt durch Covid und die Maßnahmen. Verstärkte Depression, alte Angststörungen brachen hervor, ich bin nicht wirklich in mir selbst. Und beim betrachten der Jahre nun drückte auch noch etwas auf mein Herz. Die Fakten und die Daten über Geborene und Verstorbene habe ich mir aus der Wikipedia besorgt. Das war am einfachsten. Aufgefallen ist mir dabei, dass viele, die mit mir geboren wurden (1962) schon länger tot sind. Oder grade erst gestorben sind. Im "echten" Leben habe ich das auch, dass einige Weggefährten nicht mehr mitgehen. Gestorben lange vor der Zeit. Macht mich auch wehmütig.

Ich habe ja einen Vorteil. Ich habe Familie. Meine treue Gattin. Und meine beiden Kinder. Beide auf ihrem eigenen Weg, etwas holprig allein schon durch die Covid-Zeiten. Aber unterwegs. Mein Bruder, auch ein Leidensgenosse. Aber auch ein wichtiger Ansprechpartner.

Ja, es könnte auch schlechter laufen. Gleichwohl, ich habe mich schon arg hoch gestreckt. Ohne echten Plan. Und inzwischen innerlich auch sehr müde - "Lebens-Müde". Mit Therapie und Medizin versuche ich wieder "in die Spur" zu kommen. Aber was heißt das schon. Am liebsten würde ich in einen Wald ziehen, fernab jeglicher Zivilisation. Von nichts mehr mitbekommen. Die Überflutung mit angetragenen und selbst auferlegten Ansprüchen abstellen. Oder die Reset-Taste drücken.

Das wäre natürlich fein - aber auch unrealistisch. Ich muss halt noch lernen, mit meinen immer knapper werdenden Ressourcen sparsam umzugehen. Aber effektiv. Um die nächsten 60 Jahre möglichst gut zu überstehen.

Dienstag, 19. Oktober 2021

Resignation als Lebensaufgabe

Oh, was ich mich bemühe. Schlucke Tabletten. Tropfen. Mache inzwischen Therapie. Und zwinge mich, morgens aufzustehen. Das Bedauern, wieder die Augen zu öffnen statt sie endgültig geschlossen zu haben, teilweise unter Tränen zurück zu drängen.

Ja, ich weiß: Es gibt so viele, denen es schlechter geht. Im Gegensatz zu mir haben die aber auch gelernt, was Leben ist. Kompliziert. Habe bei Beginn der Therapie musste ich Gefühle beschreiben. Mut. Gelassenheit. Zuversicht.  - Konnte ich nicht. Ich kann so etwas nicht einordnen. Wahrscheinlich habe ich zu früh meine Gefühle eintüten müssen, als Schutzmaßnahme. Oft genug rate ich, welche Form von Gefühl jetzt angebracht ist und wie man das glaubwürdig vermitteln kann. Liege auch oft genug daneben - und flüchte mich in Sarkasmus oder gar Zynismus.

Ach doch: Traurig, dass kann ich. Könnte auch Melancholie sein. Oder sowas. Wirklich differenzieren kann ich das auch nicht - rate aber dann.

Und so sehe ich zurück und kann gar nicht genau sagen, wann ich glücklich war. Vermutlich war ich es mal. Viele Dinge, die mir passiert sind: Eine Partnerin finden, Geburt der Kinder. Zeiten, in denen ich mich geöffnet haben muss. In denen aber gleichzeitig schlimmes, belastendes passiert, wie eine Strafe dafür, mir etwas Glück gegönnt zu haben. Als verhüte ich womöglich Schlimmeres, in dem ich meine Gefühle im tiefsten Orkus versenke und nie wieder raushole.

--Break--

Dennoch, auch bei laufender Therapie, ist es schwierig mich zu fangen. Da ist noch eine Phobie vor Menschenmassen dazu gekommen. Letzte Treffen mit Freunden, Pumpeneck z.B., haben gezeigt, dass ich mich sehr unwohl fühle, meist abseits stehe. Ertrage, quasi, das Zusammensein um meiner Frau nicht den Spaß zu verderben und meine Freunde nicht zu verprellen. Zudem kostet es Kraft, mit den Öffis zu fahren. Und jetzt kommen noch so langsam die Weihnachtsfeiern...

Also, im Prinzip hat Covid 19 nicht nur meine Depression verstärkt sondern auch überwunden geglaubte Phobien zurück gebracht.

Mit diesen Päckchen winde ich mich irgendwie durch das Leben. Schwankend zwischen "Ich darf nicht aufgeben" und "Wann ist es endlich vorbei" versuche ich einen brauchbaren Weg zu finden. Trügerische Hoffnung Therapie? Da werde ich sehen müssen, was da noch passiert.

Donnerstag, 18. März 2021

Zerissenheit, Trost und Angst

Diese Zerrissenheit. Wünschen, endlich tot zu sein. Zu wissen, dass das keine Lösung ist. Angst bekommen. Wünschen, endlich tot zu sein.

Das hindert mich am Einschlafen. Ohne Medizyn würde ich wohl auch nicht. Dabei geht es mir inzwischen auch nicht gut. Oder das liegt an den Fahrten im ÖPNV. Nicht immer ist Mobiles Arbeiten möglich. Liegt am Arbeitsplatz. Wobei ich schon alle mögliche Unterstützung bekomme – aber wo es nicht möglich ist, ist es halt nicht möglich.

Gleichzeitig lässt die Konzentrationsfähigkeit nach. Die Depression wird tatkräftig von einer Sozialphobie unterstützt. Ich versuche, meine Aufmerksamkeit auf etwas Anderes zu lenken. Gelingt leider immer weniger. Ab und an fallen mir krude Wortspiele ein, oder Absurdes. Eine Fotoserie soll mir etwas vortäuschen, nämlich Ordnung im System. Irgendwie. Raus gehe ich kaum noch – ich fühle mich unwohl.

Das ist, was Covid-19 mit einem anrichten kann. Theoretisch müsste ich in eine Klinik. Wovor ich auch Angst habe – egal, welche Sicherheitskonzepte die dort haben. Therapierende finde ich auch nicht. Was fatal ist – aber letztendlich habe ich resigniert.

Was mir ein wenig über den Berg hilft: Ich bilde mir ein, Frau und Tochter brauchen mich unbedingt. Dabei ziehe ich mich immer mehr in mich zurück und bin eher kontraproduktiv. Eher Hindernis als Hilfe. Das Problem und nicht die Lösung.

Die chaotische Coronapolitik und die Ahnung, dass es mit impfen nichts wird, tun ihr übriges um meine psychische Verfassung zu erschüttern.

So, dass ist ein, hoffnungsloser, Situationsbericht über meinen aktuellen Zustand. Für den Fall, dass ihr mal wieder einen dummen Spruch oder scheinbar sinnloses Geschreibsel von mir lest: Dann geht es mir eigentlich wieder übel. So wie heute.

Sonntag, 31. Januar 2021

Die Lämmer schweigen

Voll das Dilemma. Immer will ich etwas schreiben - und die Gedanken fliehen ins Nirwana. Im Prinzip das letzte Post 2020 und das erste 2021. Es ist eines wie das andere. Übel.

Nun gut. Meine psychische Verfassung ist nicht sehr stabil. Ich habe versucht, fachliche Hilfe zu bekommen. Aber, wie erwartet, keine gefunden. Auch der, vielleicht sogar engagierte, Versuch, mir irgendwie zu helfen, führt zu keinem Ergebnis. Also: Ich habe aufgegeben. 

Und nein, ich katapultiere mich nicht aus dem Leben. Ich wünschte mir, ich würde einfach umfallen und es ist endlich vorbei. Aber nachhelfen will ich auch nicht. Noch nicht. Hoffnung kann man sich ja keine mehr machen - ich denke, dass das Leben im Prinzip nicht sonderlich lebenswert ist. Trotz aller Gegenmaßnahmen. Trotz Familie. Obwohl es mir wirtschaftlich besser geht als 90 % der Bevölkerung dieser Welt.

Nun ja, sonderlich aufbauend ist dieses Geschreibsel sicherlich nicht. Aber immerhin hilft es mir, meine Gedanken etwas zu sortieren. Sonderlich hoffnungsvoll sehe ich 2021 nicht entgegen, dazu ist allein schon im Januar zu viel Blödsinniges  passiert. Ich will eigentlich nur noch schlafen - wenn es nicht zu viele Albträumen hätte. Und jedes Mal zum Schlafen Trimipramin nehmen - na, zumindest nehme ich fleißig zu. Aus dem Haus gehe ich nur ganz selten - zu viele Menschen. Es reicht, wenn ich unbedingt zur Arbeit muss. Zu volle Busse, Züge usw. 

So. und jetzt lehne ich mich wieder zurück. Irgendwie weiterleben - auch wenn ich eigentlich nicht will.

Donnerstag, 17. September 2020

Die Grübel-Lampe in der Höhle

 

Der feine Herr ist mal wieder im Grübeln gefangen. Stumm Löcher in den Bildschirm starren. Unbewegt die schlimmsten Nachrichten durchlassen. Unmotiviert heulen. Ablenkung suchen. Aufmerksamkeit in eine andere Richtung lenken. Löcher in die Landschaft starren. Motivation aufbauen, es sein lassen, doch wieder aufbauen. In die feindliche Welt schleppen, Löcher in die Busscheiben starren. Der feine Herr ist mal wieder im Grübeln gefangen.

Dass ich das tägliche Leben irgendwie dann doch noch halbwegs geregelt bekomme grenzt an ein Wunder. Und an Hilfsmittel, die ich auf die ein oder andere Art an die Hand bekommen habe. Ohne große Schulung. Und ja, es hilft auch, dass ich nicht nur Verantwortung für mich habe, sondern auch für andere.

Der große Manfred soll ja den kleinen Manfred von früher in den Arm nehmen. Erklären, dass der kleine Manfred da herauskommt, es überlebt. Aber was er ihm nicht sagt: Der Preis ist eine zerfetzte Seele, deren abgestorbenen Reste in seiner tiefsten inneren Hölle vergammeln und den ganzen Manfred vergiftet. Du wirst Gefühle nicht einordnen können, weil Du es nie gelernt hast. Du wirst nicht vertrauen, weil Du es nie gelernt hast. Du wirst einen dicken Panzer um dein Innerstes legen und deine Gefühle darunter begraben.

Der Kampf, da wieder rauszukommen, ist zum Scheitern verurteilt. Also, irgendwie versuchen, damit umzugehen. Dinge, die langsam an die Oberfläche krochen, endlich etwas Licht sahen, sind wieder in die Tiefe geflüchtet. Was bleibt: Eine schwermütige melancholische Traurigkeit.

Der feine Herr ist mal wieder im Grübeln gefangen.

Mittwoch, 16. September 2020

Resilienz und Niederlage

In der Tat, in diesem Blog bin ich nicht sehr mitteilsam. Liegt vielleicht auch daran, dass ich mein Leid in den üblichen sozialen Medien teile und dadurch etwas Besinnung finde.

Aber sicher: Ich denke mir immer so hochtrabende Texte aus, die meinen Zustand oder die Gedanken zum Weltgeschehen transportieren sollen. Und dann fehlt doch der Antrieb, das niederzuschreiben. Auch eine Auswirkung der Depression. Was ergibt das alles denn für einen Sinn…

Dabei war ich auf einen halbwegs guten Weg, meine Depression im Griff zu bekommen und das Borderline zu beherrschen. Sicherlich, ohne fachliche Anleitung sehr schwer zu gestalten, aber finde mal einen Psychotherapeuten, der Zeit hat. Oder Lust. Ich hatte diesbezüglich aufgegeben.

Und dann kam Corona.

Nicht, dass die Angst, sich mit Corona anzustecken, allzu groß wäre. Ich rauche, was wesentlich gefährlicher ist. Nein, es fing, wie ich ja schon einmal geschildert habe, mit der Angst vor dem Lockdown an. Gefangen, ohne Möglichkeit der Flucht. Und genau dieses Gift hat mich schleichend verseucht. Resilienz am Arsch.

Klar, in NRW war der „Lockdown“ schon relativ harmlos. Nach draußen gehen war möglich, Treffen hat man sich verkniffen und so wenig wie möglich Kontakte gesucht. Ich bin sogar im Märzen mit dem Rad nach Düsseldorf gefahren (eine Strecke 34 km), um zur Arbeit zu kommen. Mein Arbeitgeber hat sich da vorbildlich verhalten, so dass diese Zeit recht gut überwunden wurde. Irgendwann musste ich aber wieder mit Bus und Bahn – und was soll ich sagen? Genau. Alte Ängste vor Menschenmengen und Nähe brechen aus. Dinge, die ich als im Griff erachtete.

Genau dort sind die Resilienzen dann gescheitert. Das Gefühl, wertlos zu sein, nichts auf die Reihe zu bekommen – all dass, was mir als Kind eingeprügelt wurde brach wieder vor. Und dadurch auch der Wunsch, endlich die wohlverdiente Ruhe zu finden. In diese Gefühlswelt führen auch andere Trigger, Berufsbedingt oder auch Privat. Und so kommt es, dass recht harmlos scheinende Ereignisse mich überfordern können.

Und ja, es hilft mir, meine Gedanken zu ordnen, vielleicht nicht immer einzuordnen, aber immerhin, wenn ich sie niederschreibe. Den Drang zu flüchten, mich aus der Situation des „Leben müssen“ zu bringen, in den Griff zu bekommen und in andere Bahnen zu lenken.

Die weltpolitische Lage trägt auch ihren Teil dazu bei. Wenn man deutlich gezeigt bekommt, „der Klügere gibt nach“ nicht die schlaueste Einstellung ist und den Dummen die Macht ergreifen lässt. Und nein, die Flüchtlingskrise lässt mich nicht denken, oh, denen geht es schlimmer, stell dich nicht so an. Das wäre ja objektiv. Als depressiver Borderliner bin ich eher subjektiv…

Nun denn. Ich versuche, das irgendwie in den Griff zu bekommen.

 

Donnerstag, 30. April 2020

Corona und die tiefe Finsternis


Es ist Ende April des Jahres 2020 und er fühlte sich befremdet. Ihm schien, die Gesichter der Menschen sind zu Masken erstarrt. Ebenso seines.

Ja, so stelle ich mir die Prologe der noch zu schreibenden Romane, die in diesen Zeiten spielen, vor.

Seit geraumer Zeit liegt dieses „weiße Blatt“ vor mir; gefüllt zu werden mit schweren Worten zu dieser Coronakrise und den Auswirkungen auf meine depressive Psyche; und wie immer, wenn ich mir vornehme etwas in meinem Blog zu schreiben: Nichts.

Gut, meinen Freunden und Followern auf Facebook und Twitter ahnen anhand des geschriebenen, nein: geschriehenen Wortes an vielen Stellen: Dem geht’s nicht wirklich gut. Und das stimmt. Es geht mir psychisch gar nicht gut. Der Insider weiss: Professionelle Hilfe habe ich auch nicht an meiner Seite, nur Medikamente und einige erworbene Skills sowie die Gewissheit, dass es Menschen gibt, die mich lieben. Meine Frau, die Kinder.

Trotzdem war es manchmal sehr knapp. Finstere Gedanken, meist zu nächtlicher Zeit, plagten. Und plagen immer noch. Das Gefühl, nichts wert zu sein, das Leben setzt nur mir zu, völlige Sinnlosigkeit und dergleichen mehr. Gedanken schwirren, drehen sich im Kreis, es gibt doch da diesen einen Ausweg. In der Regel gehe ich dann raus und wandere mir den Kopf frei. Eine der Skills.

Und dann kam die Möglichkeit einer Ausgangssperre ins Spiel. Das ist nicht so gekommen, aber die Angst davor wurde irrational. Und zog mich weiter runter. Dass es nur ein Kontaktverbot wurde hat mich zwar beruhigt. Aber gleich war schon wieder der Gedanke: Da ist jemand, der mir bei meinen Depressionen helfen will – und dann darf ich mich nicht mit ihm mehr treffen. Natürlich. Nichts gönnt man mir.

Im Grunde hat sich, vermutlich, eine neue Tür geöffnet. Über eine Freundin habe ich Kontakt mit einer Psychotherapeutin aufgenommen und werde zumindest mal wieder ein Erstgespräch führen.

Und prinzipiell sollte ich mir immer wieder vor Augen führen: Mein Arbeitgeber ermöglicht mir, erst Dauerhaft, jetzt überwiegend, im Homeoffice zu arbeiten. Um meine Gesundheit nicht zu gefährden. Ich bin also doch einem was wert. Freunde, die sich für mich einsetzen, in dem sie mir Gesprächsmöglichkeiten anbieten. Meine Familie, die mich trägt.

Und doch. Immer wieder drückt dieser Schatten alles beiseite und möchte mich in den Abgrund führen. Covid_19 hat mich in der Bewältigung meiner Depression um Jahre zurück geschmissen. Ich bin froh, dass ich mich getragen fühlen darf (nicht immer fühlen kann, aber…) und so immer wieder hochkomme. Auch ein seltsamer Hang zu absurdem Humor hilft. Manchmal auch nur die inneren Tränen zu verdecken, aber hilft. Obwohl ich manchmal da sitze und völlig unmotiviert losheule. Aber das bekommt meist keiner mit.



Nun, was mache ich, um klar zu kommen? Klar, ich versuche, mir professionelle Hilfe zu suchen. Aber nebenher gebe ich mir quasi „Pflichtaufgaben“: Ich poste, da ich ja selten neue Touren machen kann, aus meinen Beständen die für mich schönsten Fotos. Dabei stelle ich mir vor, dass da einer sitzt, der sich auf diese Fotos freut und schon darauf wartet. Das gibt mir auch ein Gefühl, gebraucht zu werden. Oder ich suche Lieder, von denen ich meine, die passen in diese Pandemiezeit, egal ob Titel, textlich oder übertragen, und stelle diese vor. Vielleicht gibt es dem ein oder anderen Mitmenschen ja was.

Und ja, ich fahre gelegentlich auch mit dem Rad. Nicht mehr so weit, eher so 20 km Radius um Moers. Aber es hilft. Ebenso die täglichen, normalen Aufgaben, die man so hat.

Am Schluss noch eines: Ich halte, so schwer es mir fällt, es für ganz wichtig an, die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona – Pandemie zu befolgen. So wenig Kontakt wie nötig, dann mit Abstand, Mund- und Nasenschutz tragen, vor allem auch: Hygiene. Wir kommen da durch. Auch ich. Bleibt gesund.


Donnerstag, 23. Januar 2020

Transzendent immanentes Gedankenspiel


Bin ich auf der Suche nach absurden Überschriften? Bestimmt. Können sie doch ein Spiegel meiner wirren Gedankenwelt sein. Insbesondere, wenn wie jetzt, ich mal wieder ans Denken komme.

Auf mich einstürzende Gedanken. Oder sind es einstürzende Gedanken, die auf mich einschlagen? Jedenfalls bestimmt durch Ereignisse, die mich beschäftigen. Das Folgende mag da seltsam wirken, hat aber mindestens einen, der ahnt woher das kommt. Wobei ich durchaus gespannt bin, ob überhaupt gelesen wird, was ich so schreibe. Unterthema Relevanz.

Es handelt von der Begegnung mit einem kleinen Jungen, vertraut und doch so fremd. Trauriger Blick, doch noch hoffnungsvoll. Unschuldig und doch mit der Last von 50 Jahren beladen.

Dieser kleine, etwa 6-jährige Junge blickte mir in die Augen und fragte fast schon vorwurfsvoll:

„Erkläre mir, warum tut man mir das an? Man tut mir weh, man erniedrigt mich, man gibt mir keine Liebe. Warum?“

Ich musste schlucken; wollte den Blick senken. Aber ich war nicht in der Lage mich abzuwenden und gab resigniert eine Antwort:

„Nun, mein Kleiner, mit meiner Erfahrung muss ich Dir sagen, der Mensch ist grausam, lieblos, auf sich bezogen und schert sich einen Haufen Müll um deinen Zustand.“

Der Junge blickte mich an und weinte bitterlich. Aber er fragte mich erneut etwas:

„Dann erkläre mir, warum hilfst Du mir? Auch andere waren da, die mich trösteten?“

In tiefer Traurigkeit suchte ich eine Erklärung und blickte dem Jungen tiefer in die Augen:

„Nun, mein Kleiner, mit meiner Erfahrung muss ich Dir sagen, der Mensch ist freundlich, voller Liebe, so emphatisch und interessiert sich für dein Befinden.“

Dieser kleine, etwa 60-jährige Junge schaute mich verwirrt an und fragte den großen, etwa 6-jährigen Mann: „Was denn nun? Sind das so unterschiedliche Menschen?“

Und so konnte ich sagen: „Nun, glaube mir: Es sind in der Regel immer dieselben. Der Mensch ist so und so.“

Und der Junge fragte: „Und bin ich auch so?“ Und ich antwortete: „Horche, kleiner Mann, Du bist das Alles und Nicht, Du wirst so werden oder nicht. Du wirst Gutes tun, Du wirst Schlechtes tun, Du wirst wehtun, Du wirst lieben, Du wirst hassen. Und all dass wird auch Dir widerfahren.“

Und der Junge blickte auf und schrie: „Ich will das nicht! Ich werde das nicht ertragen!“

Da nahm ich den Jungen in den Arm und erwiderte: „Du hast das alles schon und Du wirst es ertragen. Du bist aber nicht mehr allein“.
Und so sitzen die zwei noch da und warten auf die Pointe.

Mittwoch, 15. Januar 2020

Ein Traum in einem Albtraum in einem Traum


Genau. Woher soll ich denn wissen, was diese Überschrift bedeutet? Ich hörte grade Alan Parsons Projekt mit dem von Edgar Allan Poe inspirierten „The Raven“. Und sinnierte ein wenig vor mich hin, dass dieses Motiv ja ein Klassiker des Horrorgenres ist. Just like Sinister. Das Gefühl, in einem Traum gefangen zu sein in einem Albtraum in dem man einen Albtraum träumt. Und die beklemmende Angst, dass man daraus nicht mehr erwacht.

In meinem Kopf entstehen dann gleich Analogien zu meinem Leben. Oder was ich dafür halte.

Dabei habe ich diese Art Angst schon von frühester Kindheit an. Dinge, die mir tatsächlich angetan wurden; egal ob physischer oder psychischer Natur; in eine Albtraumwelt zu drängen, um mich zu schützen. Im Traum kam mir, nicht lachen, meine persönliche Fee „Windy Wanda“, um mich aus diesem Albtraum zu befreien. „Windy Wanda“ sah ein wenig aus wie meine Großmutter in Kittelschürze. Aber sie stellte sich gegen die Bedrohung.

Das wirkte natürlich nicht lange. Die brutale Realität holte mich ein; meine Großmutter war definitiv nicht „Windy Wanda“ und konnte mich nicht real schützen. Einen sicheren, halbwegs sicheren, Hort der Realitätsflucht fand ich in der Literatur. Und in der realen Flucht. Wenn man als 11 – Jähriger zu Fuß  im März bei bitterer Kälte von Rumeln – Kaldenhausen nach Köln wandert kommt einen die Realität wie ein Albtraum vor. Aber da weckt niemand einen auf. Es gab auch keinen „Kara Ben Nemsi Efendi“, der mich aus diesen Situationen befreite. Nicht einmal einen „Hadschi Halef Omar“.

Auf meinen Fluchten vor dem Albtraum Elternhaus habe ich mich in Wälder geflüchtet. Im Dunkeln. Aus diesem Albtraum wurde ein Traum. Die Dunkelheit, die Bäume, die Geräusche dort wurden zum Halt. Da sich die Flucht aus dem Albtraum aber als Fehlschluss herausstellte flüchtete ich immer weiter. Bis ich endlich, mit 15, diesen Albtraum abschütteln konnte. Ab in den nächsten.

Mit meiner Zeit in Münster und der nachfolgenden nahm ich die Realität eher wie einen (bösen) Traum wahr. Was auch geschah, irgendwie war immer die Realität unheimlich irreal. Egal, ob mein „erstes Mal“ [Oh nein, bin ich jetzt wirklich in einem echten Menschen] bis hin zu Operationen: Ich wache bestimmt gleich auf und bin in der Realität. Traum, Albtraum vorbei.

Vielleicht kommt auch aus dieser Art von Wahrnehmung, inneren Rückzug oder was auch immer, die Sorge, mich nicht auf Dinge freuen zu wollen. Es könnte sofort etwas passieren, dass das Schöne zerstört und mir weh tut. Trauma als Traum?

Nun ja, ich sagte ja schon: ich assoziiere meist in recht seltsamsten Zusammenhängen. Ansatzlos. Vielleicht auch um das Geheimnis um mein Leben oder meinem Traum/Albtraum zu lüften. Die Schleier um meinen Kopf zu fangen. Ich bleibe dran. Irgendwann fliegt der Rabe Nimmermehr.

Dienstag, 21. Mai 2019

Lichterfest

Ach ja, 2019 sollte "lichter" werden. Also, jetzt nicht der alte Kauz, der so gerne alte Sachen verhökert und nebenher kocht. Sondern im Sinne von "heller" im Vergleich zu 2018.

Und das Jahr hatte auch seine Chance heller für mich zu werden. Wobei das natürlich für mich bedeutet, dass ich professionelle Hilfe in Form einer Verhaltenstherapie bekomme. Und siehe da: Etliche Mails an in Frage kommende Therapleiten , ääh, Therapeuten gesendet. Und tatsächlich zwei Antworten. Mit Absagen. Und eine Antwort, die zumindest ein Erstgespräch versprach. Leider war ihr der Arbeitsaufwand zu groß, so dass ich am Ende ohne Therapie weiterleben muss. Denn:

"Ich gebe auf!"

Es macht keinen Sinn, mich zu bemühen, wenn ohnehin nichts passiert. Vielleicht, wenn ich mich auf die Dachkante von so einem Hochhaus stelle, ja dann eventuell wird man Aufmerksam. Ansonsten interessiert sich ohnehin keine Sau für meine Probleme. Ich wette, diesen Artikel hier liest sowieso niemand.

Nun, bislang bin ich irgendwie aus den Tiefs herausgekommen. Was Kraft kostet und irgendwann in totaler Erschöpfung enden wird. Ich werde schon wieder zynischer, was kein gutes Zeichen ist. Wie gut, dass ich Familie habe. Und zumindest meine Kinder nicht enttäuschen will. Und es so irgendwie schaffe. Wie lange funktioniert das noch? Keine Ahnung. Beunruhigend ist, dass ich schon genau weiß, wie und wo ich "gehen werde". 

Naja, dann wird es für mich ganz finster. Das muss ich verhindern. Dabei wäre professionelle Hilfe schon ganz gut. Aber es soll wohl nicht sein. Und so hangele ich mich irgendwie durchs Leben. Selbst zum Radfahren kann ich mich selten aufraffen. Das nötigste auf Sparflamme - weil ich mich da ein wenig nötigen lasse. Und diese große Sehnsucht, irgendwo in einem Wald zu wohnen. Ohne Menschen, ohne Belastung. Das bremst.

Und nun bin ich mal gespannt, ob das hier einer liest. Oder einfach nur automatisch "gefällt mir" gedrückt wird.

Jedenfalls lebe ich, wenn auch nicht immer gerne. Obwohl ich mich in der neuen Wohnung wohl fühle. Meine Frau liebe. Und meine Kinder.