Montag, 30. Dezember 2019
Wahrnehmungsstörungen und andere Weltbildzersplitterungen
Montag, 12. Januar 2015
Jahresanfangsknall
Sonntag, 22. Januar 2012
Ich glaub’ es einfach nicht
http://www.mister-wong.de/doc/mein-glaubensweg_260946975/
Jetzt ist es also schon gut 11 Jahre her dass ich mich von meinem Gottesglauben entfernt habe. Was sage ich; verabschiedet. Und nun habe ich tatsächlich nochmal meinen damaligen Aufsatz für “Der Humanist”, den ich auch für mein Blog genutzt hatte, wieder gefunden.
“Mein Glaubensweg” liest sich etwas unbeholfen. Und greift natürlich auch nicht die Entwicklung die ich seitdem gemacht habe auf. Kurz danach habe ich noch einen Aufsatz geschrieben der sich mit den Anfeindungen aus Christenkreisen auseinander gesetzt hat. Und noch einen Beitrag für meinen Blog, in dem ich mal etwas reflektiere. Aber im Prinzip habe ich die letzten Jahre gar nicht groß über meinen Glauben/Nichtglauben nachgedacht. Ich bin einfach ein Religionsatheist. Weil ich nicht an die Religionsgötter glauben kann – während ich die Existenz oder Nicht-Existenz eines möglichen Gottes oder Götter nicht nachweisen kann. Und somit diese Frage offen lassen muss. Obwohl die Logik nur den Schluss zulassen kann dass da niemand ist.
Wenn ich also sage, ich bin Atheist, dann bezieht sich das auf die Götter, die die Religionen so anbieten. Im Besonderen natürlich den Christengott, der für unsere Kultur so maßgeblich ist. Langes Bibelstudium hat mich erkennen lassen, dass es sich bei diesem Buch, eigentlich Bücher, um ein Menschenwerk handelt dass sich einen Gott irgendwie zusammenbastelt. Ich habe das mal geglaubt, was die Bibel anbietet. Vor allem die Geschichte mit Jesus als meinen persönlichen Erlöser. Der angeblich frei macht von Sünde und ein gottesfürchtiges Leben garantiert. Allerdings kann ich den Aussagen der Bibel nicht (mehr) trauen. Und so hatte es sich ja mit dem christlichen Glauben erledigt.
Und mit allen anderen auch. Da der jüdische Glaube ja der Vorläufer des christlichen ist und der Islam ebenfalls auf diesem basiert fallen diese automatisch raus. Abgesehen von den Naturreligionen, dem Buddhismus, dem Hinduismus und was sonst noch so kreucht und betet: Alles irgendwie nicht glaubwürdig. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Im Prinzip ist es nicht fair den Streit zwischen Evolution und Glauben so einseitig zu sehen. Damals hatte ich es halt mit Kreationisten oder I.D. lern zu tun. Es gibt, wie damals auch schon erkannt, natürlich auch Christen, die die Evolution als Fakt sehen und trotzdem glauben. Die katholische Kirche hat dies ebenfalls anerkannt. Und insofern wären Kreationisten normal nicht das Problem. Allerdings liegen diese gar nicht so falsch. Denn das Erlösungswerk Jesu basiert auf der Schuld des Adam, dass durch den neuen Adam Jesus aufgelöst wird. Und ohne die Schöpfungsgeschichte wäre dieses hinfällig. Was heißt: Christen, die an Schöpfung durch Evolution glauben, haben ein nicht unerhebliches theologisches Problem. Grundsätzlich spricht ja nichts gegen eine Schöpfung durch Evolution – aber nicht durch den Gott der Bibel.
Sicher, das ist nur ein Teilaspekt. Insgesamt ergab sich halt, dass ich das alles nicht mehr glauben konnte. Obwohl, wie ich festgestellt habe, durchaus eine religiöse Ader habe. Und ich gerne glauben würde, dass mein Leben eine göttliche Fügung war. Vor allem, weil es sich trotz aller Dramatik so gut entwickelt hat.
Durch meine nicht einfache Kindheit, geprägt durch Gewalt, Missbrauch usw., hatte ich allen Grund nach einem metaphysischen Halt zu suchen. Katholisch geprägt suchte ich den natürlich bei Jesus, Mutter Gottes und weiß ich wem an Heiligen. Wirklich Halt gefunden habe ich aber erst bei meiner Frau. Und dann erst, immer noch innerlich zerrissen, auch bei Jesus. Familie, die mir alles bedeutet. Zweifel an Gott. Und immer noch Sehnsucht nach übernatürlichen Halt.
Aber bevor ich als hoffnungsloser Romantiker verrufen werde: Nein, ich glaube einfach nicht. Weil ich es nicht kann. Und dabei bin ich auch kein Kirchenkritiker. Also, so Vollopposition. Ich verstehe sehr wohl dass der Glaube vielen Menschen einen festen Halt gibt. Was mich nur so auf den Senkel geht ist, dass man das so absolut setzt auf andere bezogen.
Tja, einfach ein paar Gedanken, die ich mir gemacht habe als ich diesen alten Text wieder gefunden hatte. Und weil es immer noch Menschen gibt die Atheisten böse angehen. Danke, mir geht es gut so wie es ist.
Samstag, 31. Dezember 2011
Wave Goodby and say hello
Und wieder winken wir einem Jahr zum Abschied und begrüßen, mehr oder weniger hoffnungsvoll, ein neues. Und dieses Mal, wenn man den Maya-Kalender-Hysterikern glauben darf, dem letzten. Dennoch: Zum ritualisierten Menschenleben gehört natürlich ein zünftiger Rückblick auf ein abgelebtes Jahr und der hoffnungsvolle Ausblick auf das noch abzulebende Folgejahr.
Dabei ist vor allem im privaten Bereich zu sagen: Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss. Was man auch schätzen kann. Immerhin wird das eigene Leben nicht so durcheinander gehauen wie bei den meisten Menschen dieses Planeten. Aber doch, eines war sehr aufregend. Beide Kinder haben eine Klassen – bzw. Jahrgangsstufenfahrt in ferne Gefilde gemacht. Der eine nach Rom, die andere in ein kleines Kaff nahe Barcelona namens Salou. Ob man will oder nicht, ob die Kleinen schon groß sind oder gar volljährig: aufgeregt ist man als Eltern ja schon.
Aber sonst? Beruflich läuft es rund ohne zu eiern. Und die wirklichen Herausforderungen folgen 2012/13: mein 50. Geburtstag, unsere Silberhochzeit, der 50. meiner Gattin….. Und natürlich die Zeit nach der Schule für die Kinder. Studium, Ausbildung, Hartz IV….
Wenn ich nicht, Gott sei Dank, Atheist wäre, könnte, nein müsste ich Gott für vieles Dankbar sein. Keine Fehltage wegen Krankheit, Kinder auf dem guten Weg, Ehe gut, sicherer Job. Was will man mehr? Dafür sicherlich bedrückende, aber auch erfreuliche Entwicklungen im familiären Umfeld und Freundeskreis.
Was mich dieses Jahr zum Lachen brachte war die Realsatire namens Politik.Vom diplomierten Copy-Master Guttenberg bis zur Euro-Matrone Merkozy; vom Bunga-Bungalow – Besitzer Silvio bis zum Verbal-Kackophonen Ronald: Bessere Beispiele für lächerliche Witzfiguren bei den terrestischen Machtspielen hätte man kaum erwarten dürfen. Und was ist? Das Volk spielt einfach nicht mehr mit.
Dabei hatte doch alles so gut angefangen. Die Natur spielte ihrem alleinberechtigten Vertreter auf Erden, Bündnis 90/Die Grünen, in die Hände und rammelte im März mal kurz Japan durch beglückte das Land gleich noch mit einem Monstertsunami. Was zu Folge hatte das in Fukushima mal eben ein AKW außer Kontrolle geriet – schön für die Grünen. Zumindest hatte man das Gefühl, wenn man die führenden Köpfe der Grünen so hörte. Spielverderber war aber Angela Merkel, Bundeskanzlerin von Gottes Gnaden. Kurzerhand wurde die bisherige Energiepolitik um 180 Grad gedreht und völlig sichere Atomkraftwerke geschlossen. Jetzt weht uns der Wind der Energiewende ums Ohr. Gewählt wurden aber die Grünen, während die anderen etablierten Parteien den Bach runter gingen. Die CDU eher weniger als die SPD. Aber immerhin ist im schwärzesten Bundesland jetzt ein Grüner Ministerpräsident – man dachte, wegen dem Protest gegen S21. Aber ein Bürgerentscheid wenige Monate später belehrte die Möchtergernverhinderer eines Besseren.
Was für die Grünen aber eher blöd ist: Im Rest der Welt ist die Katastrophe in Japan eine Naturkatstrophe – ja, die Natur, die man unbedingt schützen will kann auch ganz ohne Hilfe zurückschlagen – und weniger eine Atomkatastrophe. Zur Erinnerung: Durch Erdbeben und Tsunami starben über 15.000 Menschen – durch Fukushima grade mal 5.
Egal. Falsche Gewichtungen wird auch im nächsten Jahr geben. Dazu gehört auch die Fortschreibung der sogenannten Finanz oder auch Weltwirtschaftskrise. Der Bürger merkt ja nichts davon – wohl aber die armen oberen 10.000. Deswegen wohl auch die Hektik. Und der Euro? Na, als ob das wirklich interessant wäre. Jedenfalls waren die Politiker aufgeregt als das Volk. Hierzulande. In den betroffenen Ländern sah das anders aus. Wutbürger mal richtig.
Wutbürger auch in den arabischen Ländern. Mehr Demokratie. Besser: Überhaupt erst mal Demokratie. Keiner da weiss wie es geht. Aber man will. Unter schwersten Opfern demonstrierten in Algerien, Ägypten und Anderorten die Menschen für mehr Freiheit und Demokratie. Mit der Folge, dass verlässliche Diktatoren hinweggeschwemmt wurden. Und im Prinzip durch neue ersetzt wurden. Das wird man noch intensiv begleiten müssen, wenn es eine Erfolgsgeschichte werden soll.
In NRW wiederum hat sich die Minderheitenregierung von Hannelore Kraft gefestigt. Inzwischen könnte die sich sogar eine Neuwahl leisten. Im Gegensatz zu den Oppositionsparteien. Respekt.
In Duisburg und Moers sollen die Oberbürger bzw. Bürgermeister abgewählt werden. In Duisburg sind die schon einen Schritt weiter als in MOers. Allerdings ist OB Sauerland umstrittener als Norbert Ballhaus in Moers. Wobei man auch sagen könnte: Die Linksgewebten haben die Aversionen gegen Sauerland am kochen gehalten und nun das Abwahlverfahren durchgesetzt um den CDU.Mann loszuwerden. Damit in Duisburg wieder schöne alte Zeiten herrschen. Mit SPD in der Führungsrolle. Mal schauen ob Sauerland wirklich abgewählt wird.
In Moers hat man es nur mit einem völlig überforderten Mann zu tun. Der daraus Fehler machte. Und die der Stadt mal ein paar Millionen kosteten. Aber sonst… Trotzdem will ein seltsames Bündnis aus CDU und Linkspartei das Abwahlverfahren einleiten. Das kostet u.U. nochmal ein Sümmchen. Aber nun gut. In Moers liegt so viel im Argen – da ist der Bürgermeister nur eine Randerscheinung.
Ja, für sarkastische Ironiker wie mich Zynisten war es vielleicht wieder ein schönes Jahr. Oder auch zum weinen. Wie immer man dazu steht. Aber nun ist es vorbei. Und im nächsten geht es von vorne los. Manchmal sehnt man sich herbei, den Weltuntergang. Mal schauen, was nach dem 21.12.2012 tatsächlich los ist.
Alles LeserInnen einen guten Rutsch und ein gesundes, glückliches 2012.
Sonntag, 11. September 2011
Wo warst du als die Welt sich änderte?
“Wie haben sie den 11.9.2001 erlebt?” - “Wissen Sie noch, wo Sie waren, als 9/11 passierte?” So und ähnlich wurden Zeitungsleser, TV- Gucker und Radiohörer gefragt zu einem unschönen Jubiläum. Dazu rund um die Uhr Berichte, Dokumentationen und Verschwörungstheorien, denen man sich nicht entziehen konnte. So, wie damals der Berichterstattung an jenem dramatischen Tag im September 2011.
Ich weiß, wie die meisten Zeitzeugen, wo ich war. Im Geschäftszimmer der Schulaufsicht für Gesamtschulen und bereitete nach der Mittagspause einige Anträge vor. Plötzlich kam ein Bericht aus New York mit einem sehr aufgeregten Reporter, der berichtete, was er von seinem Balkon aus sah – als auch schon das zweite Flugzeug, quasi live, in den zweiten Turm raste. An Arbeit war erst mal nicht zu denken, Recherche im Internet war angesagt – und die meisten Seiten, von SPON bis Focus brachen zusammen und führen Notseiten hoch. Ich machte früh Feierabend und fand meine Frau vor dem TV mit den sich einbrennenden Bildern vor. Und es bestätigten sich die Gerüchte, die durch den Zug geisterten, dass auch das Pentagon erwischt wurde.
Die Welt wurde aufgeteilt in “vor den Anschlägen und nach den Anschlägen” – so kolportierte Volker Pispers das in seinem Kabarettprogramm und holte weit aus über den Krieg der Amerikaner und seiner Sicht wie die Anschläge zustande kamen. Und in der Tat scheint sich ja nur erfüllt zu haben was die USA gesät hatten.Imperialistische Politik rächt sich halt. So dramatisch das auch alles war da in New York: Sind die Amis doch selbst schuld. Oder haben die gar selber den Anschlag initiiert? Um einen weiteren Kulturkrieg, einen Kreuzzug zu rechtfertigen? Die Asche der Twintower sind noch nicht zu Boden gesunken und schon sprossen die wildesten Verschwörungstheorien.
Wenn auch der offizielle Bericht nicht befriedigend ist und es Ungereimtheiten gibt: Die Verschwörungstheorien sind schon arg schräg. Bezeichnend aber ist, dass man es der amerikanischen Regierung, bzw. den Regierungsbehörden wie dem CIA so etwas zutraut. Osama Bin Laden und Al Khaida – Angestellte des CIA. Was im Afghanistan – Krieg der Taliban gegen die Russen auch so war. Warum also nicht weiterhin?
Oder war es doch der geniale, aber grausame Racheplan eines gefrusteten Islamisten, der sich von den USA hintergangen fühlte? Man weiß es nicht genau. Passend zu den sinkenden Umfragewerten des Barrak Obama wurde Bin Laden zufälliger Weise erschossen. Dabei war 9/11 tatsächlich nur ein Mosaiksteinchen in einem weltumspannenden Krieg. Die Anschläge sind nur deswegen bemerkenswert weil sie erstmals amerikanischen Boden erreicht haben und, zynisch, typisch USA größer, höher, weiter waren als alle bisherigen Terroranschläge.
Und die Welt hat sich geändert – auch unterstützt von weiteren Anschlägen u.a. in Madrid und London. Das, was Ziel der Anschläge war, die sogenannten westlichen Werte, wurden eingeschränkt. Im Namen der Sicherheit und des Kampfes gegen den Terror. Länder wurden überfallen – um den Terror zu bekämpfen. Und hat ihn damit eigentlich nur weiter gefördert. Der Islam hat einen schlechten Ruf bekommen – muslimische Mitbürger werden mit Argwohn betrachtet. Und radikalisieren sich unter Umständen. Was ja komischer Weise nach dem 11.9.2001 passierte.
Ja, ich werde die Eindrücke dieses Tages nicht vergessen. Knapp 4000 Menschen starben. Ich vergesse aber auch nicht, dass durch Imperialismus verursachter Hunger, Not, Elend und Armut die zehnfache Menge Menschen sterben. Jeden Tag.
Nein. Die Welt hat sich doch nicht geändert.
Mittwoch, 7. April 2010
Der Kirche den Rücken kehren
Das viele Gläubige nun ihrer Kirchen den Rücken kehren ist nicht verwunderlich – aber die Missbrauchsfälle, die ja zum Teil Jahrzehnte zurück liegen, sind m.E. nur der Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt.
Über das Sexualverhalten katholischer Priester und Ordensleute hat man sich seit Alters her keine Illusionen gemacht. Der sarkastische Spott ist Legion. Von wegen Haushälterin *augenzwinker*. Gleichwohl sind die Missbrauchsfälle der I-Punkt. Eine Steigerung der Abartigkeit der Sexualmoral der katholischen Kirche. Denn nur diese Fördert direkt und indirekt dieses Fehlverhalten im Verborgenen.
Schlimmer jedoch ist das Verhalten und der Umgang der Kirche mit dem Missbrauch. Die fast schon hektische Betriebsamkeit in der Aufarbeitung heute täuscht nicht darüber hinweg dass es kein Vertrauen mehr in die Kirchenpolitik gibt.
Dazu kommt die Rückständigkeit in moralischen und ethischen Dingen. Sicher muss man nicht auf jeden fahrenden Zug aufspringen und jede Mode mitmachen. Eine feste moralische, ethische Instanz ist in dem hektischen Wandel, in dem sich die Welt befindet, für viele Menschen ein notwendiger Halt. Aber die Antworten, die die katholische Kirche auf Fragen zur Sexualhygiene (AIDS und Co), Empfängnisverhütung oder auch Ehe usw. bietet, sind nicht für die moderne Gesellschaft geeignet. Und das schwingt sicher bei der Entscheidung, aus der Kirche auszutreten, unterschwellig mit.
Die katholische Kirche hat ihre Kompetenz als moralische Instanz weitgehend verspielt. Und der Gläubige merkt das.
Missbrauch: Deutsche kehren der Kirche den Rücken - Politik - DerWesten
Mittwoch, 24. Februar 2010
Rücktritt von Bischöfin Käßmann
Eigentlich war es zu erwarten. Nach ihrer Alkfahrt durch Hannover war es wohl eine zwingende Konsequenz. Immerhin, da über 1,1 0/00, eine Straftat.
Wahrscheinlich war alles zu viel für Käßmann. Nicht nur, dass sie als Bischöfin Widerstände erfahren musste, waren sicherlich private Rückschläge wie die Scheidung oder ihre Brustkrebserkrankung auch nicht zum Besten. Insbesondere, da ihr die Scheidung in dem kirchlichen Amt vorgeworfen wurde.
Noch härter war der Gegenwind als sie vor 4 Monaten quasi die oberste evangelische Bischöfin wurde. Nicht nur, dass einige Probleme damit hatten, dass eine Frau diese Position inne hat, sondern ihr Lebenslauf wurde ihr auch zum Vorwurf gemacht.
Gleichwohl bemühte sie sich um Profil – und schoss etwas übers Ziel hinaus. Vermutlich war der Gegenwind und der Druck ein wenig zu viel – insofern ist ihre Entscheidung, ihre Ämter aufzugeben, wohl die richtige.
Mittwoch, 15. Juli 2009
Ist der Islam gefährlich?
Inzwischen gibt es hunderte von mehr oder weniger islamophoben Internetseiten- und blogs. Kommen teilweise (pseudo)aufklärerisch daher oder auch unverhohlen hasserfüllt. Interessant zu lesen, da sie sich mit einer Thematik beschäftigen, die einem selbst erstmal am Allerwertesten vorbei geht – bin ich Muslim? Nein.
Aber im Rahmen der weiteren Integration unserer türkisch-stämmigen Migranten, in der Folge des hier sesshaft werdens ist der Wunsch nach Gotteshäuser aka Moscheen groß geworden. Manche wurden schon gebaut, teilweise, ohne dass der Mitbürger an sich erfahren hat, was in so einer Moschee überhaupt passiert, teilweise, wie in Duisburg - Marxloh, mit größtmöglicher Offenheit.
Gleichwohl haben sich Bürgerinitiativen gebildet und auch Parteien, die, inzwischen auch massiv, gegen den Bau von Moscheen vorgehen. Die, wie in Köln z.B. sogar in den Rat gewählt wurden. Und in der Wahrnehmung der Bevölkerung als Rechtsextreme da stehen – selbst, wenn es nur normale Bürger mit übertrieben Ängsten sind.... Übertrieben?!
In der Tat – der Islam scheint uns zu überrollen. Und macht Angst, zumindest beunruhigt der Islam doch einen guten Teil der Bevölkerung. Der Islam ist fremd – sehr fremd. Er unterscheidet sich erheblich von dem das Abendland prägenden Christentum. Scheint nicht mit den Grundrechten vereinbar zu sein.
Sicher, das Christentum hat sich auch hauptsächlich durch brutale Gewalt verbreitet. Freiwillig wollte daran kaum einer glauben - wozu auch, man hatte ja seine eigenen Götter. Da musste doch mal mit dem Schwerte nachgeholfen werden. Aber mit der Zeit, auch durch die Reformationsbewegung initiiert, wandelte sich das Christentum zu einer aufgeklärten Religion – zumindest in der Hauptströmung. Die den Glauben enger sahen wurden zu Fundamentalisten. Nichts desto trotz bleibt der Umgang mit der Bibel Auslegungssache. Und so kann eigentlich jeder mit der Bibel glücklich werden in seinem Glauben. Inzwischen hält das Christentum auch Religionen neben sich aus.
Nicht so der Islam. Er ist durch Mohammed und seinen Vertrauten mit Gewalt gegründet und verbreitet worden – und selbst wenn dass noch angezweifelt werden kann so doch seine Nachfolger, unter denen der Islam in zwei Jahrhunderten mit viel Gewalt von Arabien bis tief nach Afrika und Europa getragen wurde. Und auch weiterhin, trotz vieler Rückschläge im Laufe der Jahrhunderte, sich über den Erdball verbreitet. Weitaus friedlicher als bislang. Nichts desto trotz hat der Muslim nicht eher zu ruhen bis die ganze Welt Islam ist.
Am Beginn war der Islam sogar noch fortschrittlich, in gesellschaftlicher ebenso wie auf naturwissenschaftlicher Sicht. Irgendwann im 11. Jahrhundert war das aber nahezu vorbei. Und genau dort ist der Islam auch stehen geblieben – keine Reformation, die dafür sorgte, dass der Islam moderner wurde. Aber, und das ist der Gegensatz zur Bibel, lässt der Koran als Gottes unverfälschtes Wort auch kaum bis gar keinen Raum für Interpretationen. Insofern sind Reformen zum scheitern verurteilt, da sie nur schwer Anerkennung bekommen können.
Dennoch besteht der Wunsch nach einem an die modernen Zeiten angepassten Islam. Gerade bei den Migranten mit Islam- Background, die in den westlichen Ländern leben wollen, ist der Islam schon lange nicht mehr nur der letzte Halt im Heimweh in einem fremden und kalten Land. Nein, es wird eher gewünscht, dass der Islam eine Leitlinie im Leben wird, ebenso, wie er das bei den hier lebenden Christen ist. In Ko-Existenz mit den hier vorherrschenden Religionen.
Und das wird halt nicht einfach. Eben aus der Stellung des Koran als heiligen Buch mit uneingeschränkter göttlicher Autorität. Weil auch gegen starke, fundamentale Strömungen, die auch immer mehr Gläubigen einen Halt geben, angekämpft werden muss. Gegen gesellschaftlicher Vorbehalte. Und so weiter....
Der Islam ist aus meiner atheistischer Sicht nicht gefährlicher als jede andere Religion auch – kommen die fundamentalistischen Strömungen an die Macht geht es Anders- und Nichtglaubenden wohl übel. Egal, ob Christen oder Muslime. Und zur Zeit scheint mir die fundamentale Strömung bei jeder Religion an Zuspruch zu gewinnen. Natürlich wäre es mir als (Religions)Atheist lieber, die Religionen würden abgeschafft. Aber die meisten Menschen hängen halt dran. Und so sollte man eine friedliche Ko-Existenz anstreben. Das grenzt die Fundis vielleicht dann doch aus.
Donnerstag, 14. Mai 2009
Me so (un)holy
"Me So Holy" ("Ich bin so heilig") lautet ein Programm mit man dem das eigene Foto in ein religiöses Bildmotiv in Bilder von Jesus Christus, einer Nonne oder einem Rabbi montieren können sollte. Die religiösen Bilder sollten unter anderem als Grußbotschaft verschickt werden können. Apple lehnte die Freigabe des Programmes ab – und verwies auf die Richtlinien für "App"-Entwickler, die u.a. die Verletzung religiöser Gefühle untersagt.
Me so holy
Meldung auf "PRO"
Montag, 4. Mai 2009
Atheist in Irland
Als ich den Leuten in Nordirland erzählte, dass ich Atheist sei, stand eine Frau im Publikum auf und fragte: "Nun gut, aber ist es der katholische oder der protestantische Gott, an den Sie nicht glauben?" (Quentin Crisp)
Es sind nicht die Gottlosen, es sind die Frommen seiner Zeit gewesen, die Christus ans Kreuz schlugen. (Gertrud von Le Fort (1876-1971), deutsche Schriftstellerin)
Sonntag, 12. April 2009
Harsches zu Ostern
Was wohl wenn ich gleiches über die Kirche behaupte - sogar mit Belegen. Dann bin ich Gotteslästerer oder sowas. Aber ein Bischof darf ungestraft über Atheisten herziehen?! Dabei war Hitler bekennender Katholik. Das hat er immer wieder betont - dabei spielt es keine Rolle, ob es nur ein Lippenbekenntis war. Denn die meisten "Christen" sind nur Lippenbekenner. Im Herzen ist es ihnen auch egal. Es waren i.d.R. die Religionen, die das Elend und den gewaltsamen Tod über die Menschen brachten. Besonders die katholische Kirche hat sich hier hervor getan. Abgesehen von tausenden katholischen Geistlichen, die euphorisch Hitler gefeiert haben und die Wehrmacht und ihre Waffen gesegnet haben. Was stand auf den Koppeln. "Mit Gott".
Atheisten leben nach humanistischen Idealen. Da ist kein Platz für Folter oder anderen Grausamkeiten. Es sind diese ignoranten Religionen, die Menschen töten, seelisch vergewaltigen, foltern und andere furchtbaren Dinge tun. An denen, die nicht so denken, wie sie selbst. Dieser Mixa sollte einfach nur die Fresse halten bei der Vergangenheit der Kirche.
Montag, 23. März 2009
Päpstliche Ironie
"Als die ersten Missionare nach Afrika kamen, besaßen sie die Bibel und wir das
Land. Sie forderten uns auf zu beten. Und wir schlossen die Augen.Als wir sie
wieder öffneten, war die Lage genau umgekehrt: Wir hatten die Bibel und sie das
Land.”
Neben der Bestätigung des Kondomverbotes, ja, sogar die Überhöhung des Verbotes durch die Verdammung des Kondoms als schädlich für die Bekämpfung von AIDS, hat der Papst zuvor auch gegen Abtreibung Stellung bezogen. Die Indizierung von Abtreibungen in Einzelfällen wegen Gefahr für die Gesundheit der Mutter ist für Benedikt nichts weiter als ein "ironisches" Argument. Und da wird die Kirche langsam zynisch. Zynismus ist i.d.R. auch Menschen verachtend (außer bei mir, da ist er aufgesetzt - ein Spiel)- so wie Religionen im allgemeinen so sind. Eine verbale Schneise der mentalen Verwüstung hat Papst Benedikt gerade durch Afrika geschlagen. Auch wenn er in seinen Reden und Predigten sehr wohl versucht hat, den Afrikanern Hoffnung zu machen und bestimmte Werte zu vermitteln, die ja nicht per se schlecht sind.
Donnerstag, 5. März 2009
Gott, Darwin und der Papst
Nun hat sich die katholische Kirche schon lange mit der Evolution ausgesöhnt. Zum Jubiläumsjahr findet zur Zeit sogar an der Päpstlichen Universität Gregoriana hat ein hochkarätiger Kirchenkongress über Charles Darwin und die Evolutionstheorie statt. Der Anlass ist der 150. Jahrestag von Darwins Bahn brechendem Werk „Über die Entstehung der Arten“. Es lasse sich Evolutionslehre und Schöpferglaube miteinander vereinbaren, so der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation (Inquisition), Kardinal Levada . Gleichwohl griff Levada auf dem Kongress die Thesen des bekannten Atheismus-Vorkämpfers Richard Dawkins an. Es sei „absurd“ zu glauben, die Evolution sei ein Beweis dafür, dass es keinen Gott gebe, so Levada. Die Tagung an der Gregoriana steht unter der Schirmherrschaft des Päpstlichen Kulturrates.
Nun, Darwin musste auch nicht rehabilitiert werden. Im Prinzip könte er sogar zu einem Kirchenlehrer ernannt werden. Aber natürlich gab es auch von der kath. Kirche Widerstände - aber immerhin wurde die Theorie geprüft. Und in der Lehre der Kirche ist die Schöpfung durch die Evolution Tatsache.
Für konsequente Bibelgläubige wie z.B. die fundamentalistischen Freikirchler ergibt so etwas Probleme. Nicht, dass Gott durch Evolution schaffen kann, nein, es sind tatsächlich theologische Probleme. Allein stimmt die Bibel mit der Evolutionslehre nicht überein, wenn man sie wörtlich als Gottes Wort nimmt. Und von der Erbsünde und der darauf basierende Erlösungslehre ganz zu schweigen.
Nun bin ich mal gespannt, was bei der Konferenz heraus kommt.
Donnerstag, 5. Februar 2009
Ritze Ratze - der Papst ist eine Glatze
Inzwischen ist der Rummel um die Aufhebung der Ex-Kommunikation des Neo-Nazi-Bischofs Williamson zu einem Politikum verkommen. Aus einer kirchen-internen Rechtshandlung ein gesellschaftspolitischer Skandal. Und plötzlich wird medial aus Benedikt doch der deutsche Nazi-Papst.
Dabei hat Benedikt selbst alles getan für einen Dialog der Religionen. Schien auch entgegen aller Erwartungen alte Zöpfe opfern zu wollen - sozusagen besser als erwartet. Und zu seinen Zielen gehört wohl auch, die Kirche wieder zu einen. Dazu war ein Vergeben notwendig und ein Zugehen auf die, die verloren schienen. Auch der extrem konservative Bereich gehört dazu. Und so kam es zur Aufhebung der Ex-Kommunikation der Pius-Anhänger. Obwohl eigentlich die Gesinnung der dahinter stehenden Leute kein Geheimnis sein dürfte - angeblich wusste der Papst nichts davon...
Nun, diese Nicht-Information nimmt man ihm nicht wirklich ab. Aber wie auch immer: Zu lange hat der Papst geschwiegen. Und wohl auch, weil er den Zusammenhang nicht sehen kann, der da gezogen wird. Wieso das ein Politikum ist. Wo es doch Kirchenrecht betrifft. Dass man aus der Kombination Holocaust-Leugner und Deutscher Papst irgendwas drehen kann - kein Gedanke. Weil Ratzinger sich ja auch nie als deutscher Papst begriffen hat.
Gleichwohl hat der Vatikan reagiert und Williamson aufgefordert, seine Aussagen zurück zu nehmen. Das wird seine Gesinnung nicht ändern, aber nun... Und Bundeskanzlerin Merkel ist arg forsch den Papst angegangen. Weil es eben Deutschland betrifft. Obwohl Williamson kein Deutscher ist. Aber der Papst. Und ob sich Merkel, eine evangelische Pfarrerstochter, sich einen Gefallen getan hat... Einige rufen "endlich", andere finden "zu spät" - und einige sagen, sie solle sich raushalten. Ein großer Teil der CDU/CSU-Basis sind katholische Konservative.
Und so wirkt ein eher innerkirchlicher Vorgang für große politische Verwirrung. Was immerhin eines beweist: die Kirche ist noch mitten im Leben. Und unsere sonstigen Probleme sind anscheinend gar nicht so groß.
Montag, 12. Januar 2009
Kapitulation des Rechtsstaates vor dem Mob?
[...]offensichtlich bestimmen jetzt potenzielle Gewalttäter das Maß der
Meinungsfreiheit in Deutschland”, sagte der Generalsekretär des Zentralrats der
Juden, Stephan Kramer, der NRZ
Was ist passiert? Nun, in ganz Deutschland demonstrierten Menschen gegen den Krieg im Gaza - meist Menschen mit muslimischem HIntergrund. Und organisiert von einem Verein, der vom Verfassungsschutz n NRW beobachtet wird. Und so kamen in Duisburg, und das ist der Ort, wo das Anstössige passierte, an die 10.000 Menschen zusammen - um nicht nur gegen den Krieg zu skandieren, sondern auch den Hass gegen Israel und die Juden allgemein zu bekunden. Anti-Semitismus pur. Grenzwertig, auch im Rechtssinne. Die gleichen Sprüche auf einer NPD-Demonstration und die Veranstaltung wäre, zu Recht, aufgelöst worden und Strafverfahren eingeleitet worden. Wobei: an sich ruhig und naja...gewaltfrei war die Demo schon.
Bis eben ein Haus in der Innenstadt passiert wurde, an dem ein, vielleicht jüdischer Mtbürger, Israelfahnen am Balkon bzw. Fenster flaggte. Ein Bekenntis zu Israel, das ich persönlich auch gemacht hätte. Freie Meinungsäußerung - etwas, womit einige Menschen aus andeen Kulturkreisen so manches mal erhebliche Probleme zu haben scheinen. Mit Meinungsvielfalt. Also wurden Steine, Eisschneebälle und Gemüse gegen das haus geworfen, die Menge skandierte, und die Poliei reagierte. natürlich nicht gegen die Straftäter, Gewalttäter. Nein, man stürmte die betreffende Wohnung und trat die Tür ein und entfernte die Israelfahnen. Wobei der Pöbel auf der Strasse natürlich jubelte und "Allah ist groß" brüllte.... Die Szenen erinnerte mich ein klein wenig an unselige Zeiten von vor 70 Jahren. Hätte nur noch gefehlt, dass der Wohnungsinhaber der geifernden Meute vorgeworfen wäre....
Nun, ich will nicht übertreiben. Aber nach Kapitulation der Staatsgewalt vor Straftätern sieht das schon aus. Kramer weiter in der NRZ:
"Doch das kann nicht soweit gehen, Steinewerfer zu schützen, hingegen friedliche
Gegendemonstranten zu nötigen, die israelische Fahne abzunehmen.” Aufgabe der
Duisburger Polizei wäre es seiner Ansicht nach gewesen, das Haus zu schützen.
„Es kann nicht sein, dass die Polizei vor der Gewaltandrohung kapituliert.”
Es tut einem Leid für die Demonstranten, die wirklich friedlich gegen den Krieg demonstrieren wollten. Und wo nun ein bitterer Nachgeschmack bleibt.
Die Polizei hat natürlich ihre Begründung, nämlich Gefahrenabwehr. Die ging natürlich von den Fahnen aus, nicht von den Steinewerfern. Den die Fahnen sind natürlich provokant.... Ich denke, die Polizei war völlig überfordert und hat sich nicht die geringsten Gedanken gemacht, wie es wirkt, wenn sie so handelt, wie sie gehandelt hat.
Ob das noch ein Nachspiel haben wird? Nun, der Zentralrat der Juden ist jedenfalls am Ball. Und einige Journalisten anscheinend auch.
Polizeipräsident Rolf Cebin entschuldigt sich für das Entfernen von zwei
israelischen Fahnen bei der Demonstration am vergangenen Samstag in Duisburg.
„Ich bedaure zutiefst, dass Gefühle - insbesondere jüdischer Mitbürgerinnen und
Mitbürger - verletzt wurden.
So fängt die Entschuldigung des PP Duisburg an - und ist reziprok zu den bisherigen Äußerungen des Polizeipräsidiums. Ob die mediale Aufarbeitung, die übrigens von verschiedenen Blogs und seinen Lesern in Gang kam, dazu führte...?Zur Seite des PP Duisburg
Sonntag, 30. November 2008
Es duftet
Ein anregender Duft nach Marzipan, Lebkuchen, Zimt, Vanille zieht durch unsere Wohnung - meine Frau und ihre Schwester backen die Weihnachtsplätzchen. Es muss der 1. Advent sein. Irgendwie schon Tradition. Und eine Vorfreude auf den oralen Genuß. Zumindest der Gewürzkuchen war schon lecker....
Advent. Heißt nichts anderes wie Ankunft. Wir warten also auf... ja was eigentlich? Wer oder was kommt? Das Gebäck allein kann es ja nicht sein, oder?!
Im Prinzip bereitet sich der Christ an sich ja auf die Ankunft seines Gottes auf Erden vor. So zumindest die Idee, die Herabkunft Gottes gebührend zu feiern. Als Gott des Lichts, dass auf die Erde kommt. Jesus, der Lichtbringer (lat.:Lucifer). Aber was sieht man?
Die Städte hell erleuchtet, Schaufenster weihnachtlich geschmückt, Weihnachtsmärkte aller Orten. Keine Spur von Jesus. Nur vom Gott Mammon. Umsatz. Das Schlagwort zur Weihnachtszeit. Retter des Einzelhandels. aufegung, Stress bei so vielen. Besinnung? Fehlanzeige.
Dramatisch: (Fast)Alle machen mit. Egal, ob Christ, Muslim, Atheist. Ohne einen Gedanken darauf zu verschwenden, was Weihnachten eigentlich gefeiert wird. Im Prinzip Grundlos wird da agiert. Und soll ja alles so schön werden.
Nun, es scheint ja auch richtig zu sein. Unser Leben ist durch konsumiert. Immer mehr, besser, schneller - das neueste muss her. Wenn nicht heute, dann gestern. Wenn nicht bezahlbar dann auf Raten. Und wer sich da irgendwie ausklingt macht dafür eine absonderlich teure Urlaubsreise womöglich in exotische Ziele.
Wir sehen im Weihnachtsfest eher die Möglichkeit, als Familie näher zusammen zu kommen. Man trifft sich an den Feiertagen. Und redet mal wieder miteinander statt gegeneinander. Und das ist ja auch schon mal was im Sinne der Botschaft von Weihnachten. Dass das Göttliche unter uns ist. Mitten im Leben.
Sonntag, 23. November 2008
Tod Und Ewig
Doch, dieser Sonntag, der letzte im Kirchenjahr, ist der evangelische Totensonntag - und da die lutherischen sich damit schwer taten, hat er viele Bedeutungen. Zitiert aus der Seite "Heiligenlexikon.de":
- Totensonntag als Erinnerung an die erkennbare Äußerste Grenze des menschlichen Lebens und Tag des Gedenkens.
- Ewigkeitssonntag als Trost in der Angst vor dem Sterben.
- Tag des jüngsten Gerichts als Erinnerung an das letzte Wort, das Gott über uns sprechen wird.
- Letzter Sonntag des Kirchenjahres als Mahnung, dass der letzte Tag unseres Lebens kommen wird.
Am 12. Dezember ist es ein Jahr her, das einer meiner besten Freunde, Thomas, genannt "Packi" seinem Burkitt-Lymphom erlegen ist. Ein Jahr lang hatte er in seinem Blog Ichpackdas über seine Krankheit berichtet und mit seiner Mut machenden Art viele Menschen angerührt. Legendär die Spendenaktion, um seine Familie zu unterstützen. Für mich damals auch ein schwerer Schlag, da mich das ganz schön runter gezogen hat. Nicht die Spendenaktion, sondern das Sterben meines Freundes. Es macht einen doch sehr bewußt, wie sehr man selbst am Rande steht. Und jederzeit kippen kann.
Das Jüngste Gericht? Nun, für mich als Atheist eher eine untergeordnete Sache. Anderseits: Das Jüngste Gericht bedeutet das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Im "Terminator" ist es ein Atomkrieg der Maschinen gegen die Menschheit; im "Armaggedon" oder "Deep Impact" ein Meteor, der die Menschheit auslöschen wird. Auch wenn in den Filmen irgendwie alles noch enmal gut geht ist das Leben nicht mehr das was es vorher war. Weder für Sarah und John Connor noch für die Astronauten, die in den Filmen den Meteor sprengen. Und für uns wird es das auch nicht sein. Egal, ob eine Naturkatastrophe, ein Krieg oder eine Seuche heimsucht oder eine Weltwirtschaftskrise unsere Gesellschaft verändert. Jederzeit kann mit unserem bequemen Leben Schluss sein - und wir müssen neu anfangen.
Und klar, der letzte Tag unseres Lebens wird kommen. Ganz bestimmt. Gleich, morgen oder in 30 Jahren. Keiner weiss seinen letzten Tag. Es sei denn, er wählt ihn selbst aus. Aber das ist eher die Ausnahme. Wir wollen ja doch lieber Leben. Trotzdem wäre ein wenig Besinnung auf die Endlichkeit des Seins eine Bereicherung für das Leben.
Nächste Woche fängt die Adventszeit an. Möglichkeit, mal ruhig zu werden anstatt sich in die Weihnachtshektik einzureihen. Schöne Woche.
Mittwoch, 19. November 2008
Büssen, Beten, Denken
Der Buß- und Bettag ist ja vor etlichen Jahren der Finanzierung der Pflegeversicherung zum Opfer gefallen. Ein Feiertag weniger - obwohl: weiß bzw. wusste man überhaupt, worum es ging? Und wenn nicht, ist es nicht wirklich schade, oder? und: warum sollte es ein Atheist bedauerlich finden?Der eigentliche Sinn war ja Buße. Typisch evangelisch? Naja, was ist denn Buße? In biblischer Sicht "tätige Reue", vielfach aber eigentlich nur ein Rumgejammer vor Gott über vieles, was man im Leben falsch gemacht hat. So scheint es, wenn man die Christen vielfach hört. Dabei ist doch die Buße nur eine Überdenkung des bisherigen Lebens und eine Abkehr von den Fehlern oder Irrtümern, vom falschen Verhalten usw.
Und das bringt der Mensch vor Gott und lässt sich vergeben - das Beten. Was auch immer das für den einzelnen dann bedeuten mag. Insofern ein durchaus nützlicher Feiertag. Wenn man ihn ernst nimmt.
Und was kann ein Atheist daran finden? Natürlich ist es für unsereins eher albern mit einer Phantasiegestalt über seine persönliche Geschichte zu debattieren. Und Vergebung von Sünde, Buße und Umkehr? Alles Dinge, die so nicht für einen Atheisten interessant sind. Aber:
Wen ich so an mich denke finde ich einen Tag, an dem man sich die Zeit nimmt, über das Geschehene zu reflektieren und eventuell etwas verändern zu wollen, gar nicht mal so übel. Natürlich kann man so etwas an einem beliebigen, einem selbst gefälligen Tag tun, aber warum nicht ein fixes Datum im Jahr? Herausgenommen aus dem täglichen Trott? Und das im so wieso eher düsterem Herbst macht das noch interessanter.
Im Christentum besteht ja im Rahmen der tätigen Buße die Chance, sich und anderen zu vergeben. Wenn man jemanden verletzte hat, dies einzusehen und um Vergebung bitte und wenn möglich wieder gut machen. Oder aber auch erkennen, dass der Weg, den man beschreitet, kein guter ist. Dann heißt Buße eben auch Umkehr. Und das macht man dann vor sich und Gott aus. Und warum nicht auch, wenn man gar nicht an wen glaubt?
Ich habe sicherlich im vergangenen Jahr dem Einen oder Anderen Unrecht getan. Und da wäre doch die Chance, dass zu überdenken und dem Einen oder Anderen sagen, dass es mir leid tut. Und sich gezielt vornehmen, sich diesbezüglich zu ändern, aufmerksamer zu sein. Und wenn man das noch Gemeinschaftlich hinbekommt, sich vielleicht mal im Freundeskreis oder in der Familie trifft, gemeinsam isst und über seine Beziehung untereinander spricht – wäre so ein Feiertag doch auch ganz sinnvoll, oder?
So einen religiösen Feiertag kann man prima adaptieren – wenn man ihm einen entsprechenden Sinn gibt. Der ist bei vielen Festtagen nicht mehr gegeben bei denen, die es eigentlich wissen müssten. Hauptsache frei –Brückentag. Dass das Leben mehr beinhaltet, wen interessiert es? Demnächst starten die ersten Weihnachts- und Adventmärkte. Zum Mammon gewordene Perversion eines völlig anders gemeinten Festes. Aber das ist ein anderes Thema.