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Sonntag, 29. März 2026

Ach, guck mal schau

 

Was wäre es schön, wenn einem ein Licht den Weg durch das Leben weisen würde. Man einwandfrei erkennen könnte, ja, da sollte ich lang, das ist der richtige Weg.

Leider ist das nicht so einfach. Insbesondere für mich, der von zu Hause aus so einen Kompass gar nicht erst implantiert bekommen hat. Mit einigen Umwegen hat sich mit viel Kampf ein solcher entwickelt und funktioniert für mich ganz gut. Hoffe ich doch mal.


Gleichwohl beneide ich religiöse Menschen doch so manches Mal - sie haben eine solche moralisch-ethische Leitplanke, die ihnen leuchtet den Weg weist. Denke ich so manches mal. Absolut gesehen ist das nicht so. Vieles, was da moralisch angeprangert wird ist rein menschlich gesehen eigentlich nicht verwerflich.

Als ich, etwa vor 25 Jahren, zu einem Atheisten mutiert bin, habe ich viele "Leitplanken" aus meinem christlich geprägten Leben aufgegeben. Wobei ich deren Logik so oder so nicht so ganz akzeptieren konnte. Da bin ich auch zu wissenschaftlich geprägt. Nun, letzten Endes ist es eben ein Humanismus, der mich da leitet. Unter den rheinischen Prämissen, jeder Jeck ist anders, Leben und leben lassen usw.

Und da schwenke ich so langsam auf einen Punkt, oder auch mehrere Punkte, zu, die aktuell mir quasi ein Seelenpein verursachen. Obwohl ich nach meiner Auffassung gar keine Seele habe.

Ja, natürlich auch die mehr als unappetitliche "Affäre Ulmen-Fernandez". Diese zeigt ja auch "nur" die Spitze einer erbärmlichen und widerlichen Verhaltensweise von zumeist, oder wohl doch eher immer, Männern. Wenn das, was da passiert sein soll, und es weist vieles darauf hin, wirklich so war ist es mehr als widerlich. Die Erklärung der Anwälte Ulmens weisen Tatvorwürfe zurück, die so gar nicht erhoben wurden. Ablenkung? Der Fall Kachelmann gemahnt, die Unschuldsvermutung auch hier gelten zu lassen, bis ein entsprechendes Gerichtsurteil vorliegt. Was nicht heißen soll, die Vorwürfe Collien Fernandes klein zu reden oder gar anzuzweifeln. Aber niemand kennt den wahren Sachverhalt (nein, auch nicht durch die Spiegelrecherchen) um sich im Vorfeld ein Bild davon zu machen.

Aber: Unabhängig von Ulmens tatsächlichen Verhaltens ist neben den realen Taten mit sexuellem Fehlverhalten auch die angeführte "virtuelle" Vergewaltigung durch hergestellte (Fake)Bilder oder auch nur deren Verbreitung widerlich. Dazu kommt ja auch der Vertrauensbruch. Was eher eine Sache zwischen den (ex)Partnern ist, aber den Erbärmlichkeitsfaktor noch erhöht. Ich persönlich glaube, das diese Fälle System haben. Und Männer täten gut daran, ihr Verhalten Frauen gegenüber zu überprüfen und ggfls. sich Hilfe zu holen. 

Von wegen "Leitplanke". Trotz, oder vielleicht weil, ich ja Schlimmes in der Beziehung meiner "Mutter" und ihres Stechers erlebt habe war für mich das Verhältnis zu Frauen immer eines auf Augenhöhe. Ich habe nie verstanden, wie man Menschen weh tun kann die man angeblich liebt. Ich hatte immer Angst, dass ich Gefahr laufe, genau so ein Arschloch zu werden. Bis ich beschlossen habe, dass das nicht passiert.  

Aber bis heute hat sich mir nicht erschlossen, warum Menschen so erbärmlich sich verhalten gegenüber anderen Menschen. Daran leide ich tatsächlich. Und auch wenn ich keinen sonderlichen Bezug zu den öffentlichen Personen Ulmen/Fernandez habe (Ulmen hatte ich erst so richtig wahrgenommen durch den Tatort, Fernandez eigentlich nie so richtig auf dem Schirm) so ist dieser Skandal doch ein Trigger für mich. Weil es eben auch kein Einzelfall ist.

Was mich sonst so triggert? Das unmögliche Verhalten von Friedrich Merz. Nein, Fritze, der mutmaßliche Täter heißt Christian und nicht Mehmet oder Ali. Das gehört auch zur Wahrheit.

Und abgesehen davon ist die Umweltpolitik ein Desaster und wird uns nicht gut tun. Das Verhalten von Donald wird uns noch weiter in den Abgrund ziehen. Und überhaupt.

Im Augenblick zieht mich sehr viel runter. Und vieles kann ich nicht mal in aller Deutlichkeit sagen. Wegen Neutralitätsgebot. Stichwort "AfD". Aber das kann man sich ja denken, wie ich dazu stehe. Ich bin schon 1977 gegen Nazis auf die Straße gegangen. Ups, habe ich jetzt eine Verbindung zur... Naja. Mag jeder so sehen wie er will.

Mögliche persönliche Veränderungen (Stichworte Depression, Herz und Rente) lassen meinen Kopf auch nicht zur Ruhe kommen. Gehabt euch wohl.

Montag, 30. Dezember 2024

Blick zurück nach vorn

Dabei hat doch alles so gut angefangen. Oder nicht? Bis auf diese "Dinge", die passieren, in der Ukraine und Israel, Palästina und Syrien. Und überhaupt. Nein, so dolle war das alles nicht. Alles kein Musk have, irgendwie. Wie auch die Wahl Trumps zum neuen Präsidenten der USA. Wo der Wahnsinn seine teigigen Gesichter zeigt.

Dazu passt das lange Scheitern der Ampel - Koalition, das aber endlich zum Punkt gekommen ist. Die FDP wird hoffentlich dahin kommen wo sie hin gehört: Im Orkus des Vergessens. Dafür ist wesentlich schlimmeres in die Wahrnehmung der Öffentlichkeit gerückt. Zwei Putinzäpfchen allererster Güte. Das BSW mit einer Sarah Wagenknecht als Gallionsfigur, bei der eigentlich nur noch die Fußsohlen des Kommunismus aus dem Allerwertesten des russischen Zaren ragt. Nicht minder tief auch BDM-Göttin der AfD und ihre KameradInnen. Gleichzeitig möchte man auch gerne das letzte Rest an Wirtschaftskraft aus diesem schönen, aber anscheinend zu 25% sehr dummen Landes pressen. Und wenn ich mir die Figuren der Merz - CDU so anschaue... Ganz öffentlich gibt einer, der Minister werden möchte, sein intellektuelles scheitern an einem Flaschenverschluss zu. Vom Ess - Influenzer und hochprämierten Selbstdarsteller aus Bayern ganz zu schweigen. Dafür hätte der eigentlich den Goldenen Narziss verdient. Aber brauchbare Politikvorschläge kann ich da nicht erkennen.

Was dem Macher aus Hamburg eventuell noch in die Karten spielen kann. Hoffentlich kann er Kartenspiel, regieren kann er nicht. Und der Habeck? Naja, wenn er lernt, wie man den Menschen in diesem Land seine Politik erklären kann ohne dass der Eindruck von Bevormundung entsteht, das Ganze die Wirtschaft voran bringt. Ganz besonders die Autoindustrie. Die kann anscheinend alles, nur eines nicht: Zukunft.

Beunruhigt schaue ich nach 2025. Sowohl Deutschland als auch die USA gehen in seltsame Richtungen. Merz bietet Antworten aus dem vergangenen Jahrhundert für die Fragen der Zukunft. Und die USA bieten mit "Trusk" als Präsidentenpärchen auch nicht grade Zutrauen in die Zukunft. Es wird übel.

Naja, mit solch düsteren Gedanken gehe ich schon das ganze Jahr schwanger. Was insgesamt auch meine psychische Kondition nicht unbedingt stabil hält. Gleichwohl, aufgeben ist auch keine brauchbare Option. 

Nun denn: Auf in 2025. Muss ja.

Dienstag, 15. Oktober 2024

Der Zug ist abgefahren

Oh, fast exakt ein Jahr seit meinem letzten Blogeintrag her. Prokrastinieren as its Best. Dabei hatte ich  mir so viel vorgenommen: Meinen Weg mit der Religion oder auch Glauben, die politischen Geschehnisse, über meine Depression. 

Die Depression wird stärker. Die Sehnsucht nach tiefer, fast schon ewiger Ruhe ist stärker geworden. Die augenblickliche, allgemeine Lage gibt ein gutes Stück dazu. Teilweise bin ich regelrecht angewidert, also angeekelt, über das Verhalten vieler meiner Zeitgenossen - zum Teil leider auch in führenden oder vielleicht bald wieder führenden Positionen.

Es ist sicherlich schön, wenn man ohne Waffen Frieden schaffen kann. Leider stehen dem selbstverliebte und gewissenlose Schurken wie Putin dagegen. Ebenso wie Hitler und sein Nazi - Gesocks wird man den nicht ohne Waffen los. Ebenso diese Verbrecher von der Hamas, der Hisbollah oder dem menschenverachtetendem Regime im Iran. Und dem steht ein israelischer Premierminister Netanyahu entgegen, der anscheinend wie vielen Politikern, denen innenpolitisch das Aus droht, die außenpolitische Lage wie gerufen kommt. Ich höre die Zeugen Jehovas schon jubeln: Endlich kommt Armaggedon.

Dazu kommen die rechten, neonazistischen Bestrebung, die Demokratie abzuschaffen. Vor gut 30 Jahren hat man mich belächelt, als ich behauptete, die Nazis würden mit einer Partei, die diese Deppen unter ihrem Schirm holt, locker 20% bekommen. Inzwischen befürchte ich, dass gut ein Drittel der deutschen Bevölkerung in diese Richtung neigt.

Dazu ein Kanzler, der nur Kanzler wurde weil er nicht Laschet war. Mehr Qualifikation scheint diese Mann nicht zu haben. Und wenn doch verbirgt er es gekonnt. Ob und was die "Ampel" eventuell doch erreicht haben könnte wird dazu gar nicht oder nicht gut verkauft.

Von der immer mehr voranschreitenden Umweltkatastrophe in Form des menschengemachten Klimawandels gar nicht zu reden. Sie wird, zumeist von dem weiter oben angeführtem Deppendrittel, geleugnet. Meist wohl, weil man ja eventuell seinen Lebensstil anpassen und ändern. Was diesen Leuten natürlich eine Zumutung ist. Da leugnet man lieber die Fakten.

Na ja, all das und noch viel mehr prasselt auf meine wunde Psyche ein. Und lässt halt den Wunsch nach ewiger Ruhe wachsen. Und der Kampf mit meiner Psyche macht mich immer müder.

Aber vielleicht gibt es ja ohnehin bald den großen Knall - und die Zeugen Jehovas können jubeln. Nur kurz. Bis sie begreifen, ups, doch ein Irrtum. Es kommt nur das schwarze Nichts.

Montag, 2. Januar 2023

Rückblick – Ausblick

 

Unglaublich scheint es, wie beschissen so ein Jahr werden kann.

Klar, die Pandemie, die sich im Laufe des Jahres anscheinend in eine Endemie wandeln sollte, hat was mit meiner Depression gemacht. Und so bin ich auch in das Jahr 2022 gestartet. Immer stärker wurde dabei die Angst unter Menschen zu sein. Was mich in Anbetracht des Zustandes des ÖPNV, vor allem der Bahn, an Randbereiche meiner Gefühlswelt brachte, die ich nie wieder erleben wollte. Gesellschaftliche Erlebnisse reduzierte ich auf ein Mindestmaß. Suchte bei den Dingen, bei denen ich anwesend sein „musste“ nach Möglichkeit nach Rückzugsorten.

Dann kam der 24. Februar. Russland überfällt die Ukraine mit einem Angriffskrieg. Und einiges, was ich psychisch zu stabilisieren suchte, wurde hinweggefegt. Immerhin wurde ich dadurch tatsächlich zynischer. Reiner Schutzreflex. Um die immer öfter aufkommenden schwarzen Gedanken in den Griff zu bekommen.

Die dann einsetzende Energiekrise tat noch das eigene hinzu. Das kommt davon, wenn man keine zukunftsorientierte Energiepolitik betreibt. Vom Klimaschutz ganz zu schweigen. Dann klebt man sich halt mal auf die Straße und/oder verunreinigt Kunstwerke. Was auch leicht Richtung Schwachsinn geht, aber nun gut.

Ich befand mich das ganze Jahr im depressiven Krisenmodus.

Ging oft genug abends ins Bett mit dem Wunsch, am Morgen nicht mehr aufwachen zu müssen. Und am Folgetag erstmal gegen die Enttäuschung, doch wieder aufzuwachen, anzukämpfen. Und die Alternative, dass doch selbst zu besorgen, schnellstmöglich zu verwerfen.

Hilfreich ist dabei in erster Linie, dass ich Familie habe. Und tatsächlich der zu meinem 60. Geburtstag erstellte Lebenslauf. Da konnte ich mir immerhin sagen: Schmeiß das Erreichte nicht einfach so weg.

In Folge der ganzen augenblicklichen Entwicklungen wird es für 2023 sicherlich nicht einfacher. Durch die explodierenden Preise kommen auch noch Existenzängste hinzu. Nun gut.

Wie schon in meinem Lebenslauf schon eingeführt hier auch ein Überblick über prominente Menschen, die mir in irgendeiner Weise etwas bedeutet haben und in 2022 gestorben sind. In kalendarischer Reihenfolge:

Peter Bogdanovich; Bob Saget; Herbert Achternbusch; Hardy Krüger; Meat Loaf; Don Wilson; Ernst Stankovski; Götz Werner; Ivan Reitman; Sandy Nelson; Peter Merseburger; Gary Brooker; William Hurt; Siegfried Steiger; Taylor Hawkins; Uwe Bohm; Michael Degen; Frank Baier; Wolfgang Fahrian; Klaus Schulze; Rainer Basedow; Alan White; Ray Liotta; Andrew Fletcher; Jean-Louis Trintignant; James Caan; Monty Norman; Uwe Seeler; David Warner; Nichelle Nichols; Olivia Newton-John; Felix Huby; Hans-Christian Ströbele; Ruth Lapide; Michail Gorbatschow; Elisabeth II.; Jean-Luc Godard; Fritz Pleitgen; Louise Fletcher; Coolio; Günter Lamprecht; Ralf Wolter; Robbie Coltrane; Jerry Lee Lewis; Hans Magnus Enzensberger; Christine McVie; Christiane Hörbiger; Manuel Göttsching; Kirstie Alley; Jet Black; Hans Peter Hallwachs; Maxi Jazz; Pelé.

 

 

Mittwoch, 21. September 2022

Am Allerwertesten vorbei direkt in die Seele

 


Nach langer Zeit mal wieder ein Eintrag in meinem Blog. Sowohl hier als auch völlig analog. Ja. Ich habe so ein Buch mit leeren Seiten aus Papier. Da schreib ich was rein. Boah!

In den letzten Monaten, nach meinem 60. Geburtstag, habe ich immer mehr an Vertrautem, an Sicherheiten verloren. Und das ist nicht allein die Beerdigung der Queen. Die kann als Symbol für das Vertraute, die Verlässlichkeit und Gewissheit herhalten. Ein Halt irgendwie in schwierigen Zeiten, nicht nur für die Briten. Was bleibt sonst noch so? Keith Richards?

Wie schon bemerkt hat mich die Covid-Pandemie weit in die Depression zurück gerissen. Ich war schon auf einem durchaus guten Weg es irgendwie in den Griff zu bekommen. Trotz einiger Rückschläge. Immerhin habe ich eine Gesprächstherapie gefunden – auch wenn ich eher eine Verhaltenstherapie gebraucht hätte. Aber besser wie gar nichts.

Verhindert hat das nicht, dass meine Ängste vor Menschenmengen schlimmer geworden sind. Gedanken, die nicht gesund sind, werden stärker. Irgendwie klappt es, dass ich nicht aufgebe.

Und dann passiert das mit der Ukraine.

Sicher, so bis 2014 ging mir die Ukraine am Allerwertesten vorbei. Was habe ich geschmunzelt, wenn die hitzigen Diskussionen im Parlament gezeigt wurden und die Fäuste und das Mobiliar die Argumente unterstrichen… Ja, und dann habe ich den Kopf geschüttelt und mir gedacht: So sind sie halt, die im Ostblock.

Doch dann wurde mit Blutzoll der Putinhörige Präsident Janukowytch davon getrieben. Es sollte besser werden. Der weitere Preis: Putin sicherte sich erstmal die Krim. Korruption lähmte das Land – bis eben dieser Schauspieler zum Präsidenten gewählt wurde. Selinskyi.

Und seitdem geht es so richtig rund. Und ich bin in ein tiefes Loch gefallen. Und die aktuellen Meldungen aus Russland lassen mich noch weiter sinken.

Und plötzlich habe ich die Vermutung, dass ich mir über hohe Heizkosten keine Gedanken mehr machen muss. Bald wird es kurzfristig mehrere Millionen Grad heiß. Und hoffentlich bleibt vom Menschen keine Spur mehr. Menschheit – das Krebsgeschwür am Allerwertesten der Erde. Jedenfalls so ein ungutes Gefühl habe ich. Lasst alle Hoffnung fahren. Willkommen in der Hölle.

Dienstag, 25. Januar 2022

60 Jahre und kein bisschen Weise

Ob Curd Jürgens das Lied wirklich ernst meinte? Wer weiß - Ich dachte immer, na, in dem Alter müsste man doch Weise sein. Jetzt, da ich dieses Alter erreicht habe, kokettiere ich allerdings auch mit der Einstellung, keinerlei Weisheit erlangt zu haben.

Wobei ich mich jetzt so ein wenig an markanten Punkten in meiner Timeline entlang hangle.

1962

Am 25. Januar wurde ich in einem Zechenhaus meiner Großeltern unterhalb der Zeche Diergardt in der Stadt Rheinhausen im Kreis Moers geboren. Im gleichen Jahr sind noch viele andere Menschen geboren, die allerdings eine größere Popularität als ich erreichten: Horst Lichter, Jim Carrey, Peter Lohmeyer, Uwe Bohm, Axl Rose, Josef Hader, Jon Bon Jovi, Stefanie Tückung, Susanne Klatten, Dave Gahan, Emilio Estevez, Sybille Berg, Campino, Tom Cruise - eine endlos lange Liste. Guter Jahrgang?

Passiert ist da auch einiges: Ein erst 18 Jahre alter Mann erlag seinen Verletzungen, nachdem er von einem Grenzsoldaten tödlich verwundet wurde. Ein Opfer der Mauer zwischen BRD und DDR. Später im Jahr erschießt ein Bundesgrenzschutz-Beamter einen DDR-Grenzsoldaten und auch sonst ging der Kalte Krieg so richtig los: Die Kuba - Krise erreicht einen Höhepunkt, der in seinen dramatischen Auswirkungen das Ende meines recht jungen Lebens und das des restlichen Erdenlebens bedeuten hätte können.

Spiegelaffäre mit anschließendem Rücktritt von Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß, die Beatles und die Stones begannen ihre Karrieren, Lawrence von Arabien lief in den Kinos an, der Roman "A Clockwork Orange" wird veröffentlicht, Bonanza läuft erstmals im deutschen Fernsehen und Marilyn Monroe stirbt unter mysteriösen Umständen. Einige Ereignisse, die ich selbstverständlich nicht mitbekommen habe. Auch nicht den strengen Winter 1962/63 - der Rhein und auch die Ostsee froren zu - einiges von den aufgezählten Dingen beeinflussten mich indirekt später.

Was für mich dramatischer war, ohne es zu wissen: Mein Erzeuger setzte sich ab, lies meine Mutter allein zurück mit eher seltsamen Vorwürfen.

1966

Markant ist dieses Jahr für mich, ohne dass mir das bewusst war, aus mehreren Gründen. Zum einen hatte meine Mutter einen neuen Mann, dessen Name ich auch bekam. Adoptiert wurde ich nicht, damit keine Ansprüche meinem Erzeuger gegenüber verloren gehen. Gleichzeitig bekam ich die deutsche Staatangehörigkeit. Aus einem Österreicher wurde also ein Deutscher. Übrigens habe ich niemals einen Fuß in mein "Vaterland" gesetzt. Komisch. Nun, das Besondere war jedenfalls die Geburt meines Bruders.

Tja, was ist noch so passiert? Martin Luther King bekommt den Friedensnobelpreis und Nikita Chruschtschow die Entlassungspapiere, Willy Brandt wird Vorsitzender der SPD, Nelson Mandela wird zu lebenslanger Haft verurteilt, die ersten 1000 - Markscheine werden herausgegeben, die Stiftung Warentest wird gegründet, Anatevka wird uraufgeführt, Bonanza läuft erstmals im deutschen Fernsehen. In Köln geschieht ein Flammenwerfer-Attentat, bei dem Lehrerinnen und Schüler sterben und teilweise entsetzlich entstellt werden. Cassius Clay wird erstmals Weltmeister, Jean Paul Sartre lehnt den Nobelpreis ab. Das bisher stärkste Erdbeben in der Geschichte der USA mit eine Amplitude von 9,2.

Geboren wurden z.B. Nicolas Cage, Juliette Binoche, Toni Polster, Tracy Chapman, Rüdiger Hoffmann, Russell Crowe, Lenny Kravitz, Sandra Bullock, Jürgen Klinsmann, nur um einige zu nennen.

1968

Ich wurde in der katholischen Grundschule St. Peter in Uerdingen eingeschult. Lesen und schreiben konnte ich schon (recht ordentlich für einen 6-Jährigen), so dass ich mit Sütterlin beschäftigt wurde. Ein Jahr später sind wir nach Rumeln - Kaldenhausen umgezogen. Dort besuchte ich die Klassen 2-4 in der Gerhard-Hauptmann-Schule. Aufregenderes als meine Einschulung gab es für mich nicht. Dafür ging es in der Welt recht heftig zu.

Die Tet-Offensive sowie das Massaker von My Lai läuten im Prinzip das Ende des Vietnam-Krieges ein. In der Folge kommt es sowohl in den USA als auch in Frankreich zu Studentenprotesten; in Deutschland, vor allem in Berlin, auch aus anderen Gründen. Rudi Dutschke wird schwer verwundet. Der Prager Frühling wird gewaltsam beendet. Richard Nixon wird 37. Präsident der USA. Die BRD führt die als Märchensteuer verhöhnte Mehrwertsteuer ein. Das erste Legoland eröffnet im dänischen Billund. 2001: Odyssee im Weltall wird uraufgeführt, Spiel mir das Lied vom Tod ebenfalls. Die Hongkong-Grippe fordert zwischen 750.000 und 1 Million Menschenleben.

Cuba Gooding Jr., DJ BoBo, Josh Brolin, Daniel "JamesBond" Craig und Smudo wurden unter anderem geboren. Martin Luther King wurde ermordet.

1972

Ab jetzt kommt Spannung in mein Leben. Ich kam auf die Hauptschule "Am Kirchfeld" (Ja, genau neben dem Friedhof) in Rumeln. Das war zwar noch nicht spannend, aber das gesamte drumherum. Meine Eltern ließen sich scheiden, mein Stiefvater war ein versoffener Prügelgesell, ich trauerte meinem Vater hinterher und musste brutal erfahren: Er ist nicht mein Vater - der ist einfach abgehauen. (Was so nicht ganz stimmt, aber nun) - Ab 1972 ging mein Leben im Grunde den Bach hinunter und meine Seele wurde zerstört. Meine ersten sexuellen Erfahrungen machte ich auch nicht freiwillig. Und auch nicht mit Mädchen. Kommt davon, wenn man immer wieder von zu Hause abhaut. Zum Beispiel sehr früh im Jahr zu Fuß von Rumeln nach Köln. Das passierte aber in den Folgejahren bis 1975. Ein Elend.

Zwischen der Bundesrepublik und der DDR normalisieren sich durch das Transitabkommen und den Grundlagenvertrag die Beziehungen. In München finden die Olympischen Spiele statt - und erleben einen Terror bislang unbekannten Ausmaßes. Watergate erschüttert die USA. Der Bloody Sunday führt zur Eskalation des Nordirlandkonfliktes. Willy Brandt wird zum 2. Mal Bundeskanzler. Van Halen und ABBA werden gegründet. Die deutsche Ausgabe des Playboy erscheint. Heinrich Böll bekommt den Nobelpreis. Sasha, Benno Fürmann, Bastian Bastewka, Johann König, Ben Affleck, Liam Gallagher wurden geboren. Mahalia Jackson, Dan Blocker, Harry S. Truman starben.

1975

Bezeichnend war, dass die Flucht von zu Hause zum Ziel führte: Ich kam in ein Heim. Endlich. In das Städtische Kinderdorf Rotdornstraße in Duisburg - Großenbaum. Vorab geprägt von einer Zeit der Gewalt, Demütigungen und gar Folter. Träume, ich denen ich meine Mutter und ihren Stecher töte. Träume, in denen meine Mutter mich tötet. Und die vage Erkenntnis, dass meine Mutter mich nicht liebt. Nur aus Pflichtgefühl den Sohn irgendwie durchzieht. Weil, was sagen die Nachbarn? nun, ins Heim kam ich mit "Freiwilliger Erziehungshilfe", weil ich ja so schwierig war. Egal, es war auch der Zeitpunkt, an dem ich die Gesellschaft zu hassen begann.

Das Ende des Vietnamkrieges und der Tod Francos bestimmten das Jahr. Die Monarchie wurde in Spanien wieder eingeführt - und der Kommunismus in ganz Vietnam. In Deutschland war man jetzt mit 18 volljährig. In Schweden hatte der König nur noch repräsentative Aufgaben. Der Kreis Moers wurde aufgelöst, mein Rheinhausen wurde Teil Duisburgs. Der Terrorismus in Deutschland wurde intensiver. Bei einem Referendum im Vereinigten Königreich stimmen 67 % der Wähler für einen Verbleib des Landes in der EWG. Auf US-Präsident Gerald Ford wird ein Attentat versucht. Pier Paolo Pasolini wird ermordet. Das von den Zeugen Jehovas vorhergesagte Armaggedon findet nicht statt.

Benjamin von Stuckrad-Barre, Natalie Imbruglia, Drew Barrymore, Eva Longoria, David Beckham, Angelina Jolie, Hendrik Wüst wurden, neben vielen anderen, geboren. 

Paul Verhoeven, T-Bone Walker, Josephine Baker starben.

Und Queen veröffentlichen Bohemian Rhapsody. Was mich dann endgültig zum Queen-Fan machte. Und mich tatsächlich auch in Richtung Musik als Lebensbegleiter gebracht.

1977

Ein weitere Wendepunkt. Im Vorjahr hatte meine "Mutter" mich aus dem Heim geholt. Mir aber auch zu verstehen gegeben, dass sie selbst das nicht wollte. Die Spannungen gingen weiter, und so bin ich wieder abgehauen. Mit dem Rad bin ich im Februar bis nach Münster gekommen. Kam in ein Heim in Duisburg-Hochfeld, beendete die Schule und kam dann in ein Heim in Münster. Und dort ging der Abstieg des inzwischen emotionslosen; jedenfalls positives Emotionen ließ ich nicht mehr zu; Jungen namens Manfred. Immer tiefer in den Sog des Untergangs verweigerte ich so ziemlich alles. Und ließ im Prinzip keine emotionale Nähe mehr zu. Schotten dicht.

Gleichzeitig fand in Deutschland der sogenannte deutsche Herbst statt. Entführung der Landshut, von Schleyer und zum krönenden Abschluss der Selbstmord von Baader und Co. in Stammheim. Jimmy Carter wird US-Präsident. Elvis Presley stirbt. Oder auch nicht. Oder doch? Das Wow!-Signal wird entdeckt. Voyager 2 und 1 starten.

Einige sehr für mich wichtige Alben erschienen. I Robot von Alan Parsons Projekt, Low und Heroes von David Bowie, Rumours von Fleetwood Mac. Queen mit News of the World. 

1982

5 Jahre Münster - und alles liegt in Trümmer. Psyche und Leben. In dieser Phase gönnte ich mir ein Live-Konzert von Queen in Dortmund und macht mich auf, das Leben irgendwie wieder in den Griff zu kriegen. Versuchte Aussöhnung mit meiner "Mutter" - was natürlich nicht gut ging - und früh gescheiterte Versuche, doch noch was hinzukriegen. Ein gescheiterter Suizid und die Erkenntnis, ich soll wohl weiterleben. Erstes kennenlernen meiner heutigen Frau, irgendwie über die Runden kommen. Ein Jahr später kam ich mit meiner heutigen Frau zusammen und fasste den Entschluss, irgendwie ein normales Leben hinzukriegen. Ich ging sogar zur Bundeswehr, um ein Hindernis auszuräumen (Haben Sie schon gedient?) und wechselte zum Zivildienst, weil ich die BW nicht ertragen habe. Mein Seelenleben war immer noch ein Trümmerfeld.

1982 wurde Helmut Kohl Bundeskanzler und blieb es die nächsten 16 Jahre. Der Falkland-Krieg beginnt. Durch einen Spiegel-Artikel kommt der "Neue Heimat Skandal " ins rollen. Der Commodore C64 kommt auf den Markt. Der erste Mensch mit einem Kunstherz. Italien wird zum 3. Mal Fußballweltmeister. Nicole gewinnt mit "Ein bisschen Frieden" den Grand Prix de la Chanson.

"Thriller" von Michael Jackson erscheint, Die Ärzte und die Toten Hosen gründen sich, ABBA "trennen" sich. "Der Kommissar" von Falco und "Skandal im Sperrbezirk" der Spider Murphy Gang bestimmen die Hitparade in Deutschland.

1986

Der Wendepunkt. Ich zog mit meiner Verlobten zusammen und hatte einen Job bei Mister Minit. Schuhreparatur und Schlüssel. Konnte ich ganz gut. Gleichzeitig fühlte ich  mich überfordert. Wie geht das Leben? Und wollte es beenden. Klappte nicht. Ein Lied holte mich zurück in die Spur. "Love will find a Way" von Yes. Ja, eines der schlechtesten Alben von Yes. Aber mir ging das Lied nicht aus dem Kopf. Zufall? Wer weiß. So ganz ohne Mittel verschulden wir uns erheblich. Um das Leben zu "normalisieren". Der Druck wächst.

In Deutschland wird das Erziehungsgeld eingeführt und der Erziehungsurlaub. Portugal und Spanien treten der EU bei. Michail Gorbatschow schlägt die Abrüstung der Kernwaffen vor und fordert Glasnost und Perestroika in der Sowjetunion. Bombenanschlag auf eine Diskothek in Berlin - in der Folge bombardierte die USA Libyen. Jörg Haider wird Vorsitzender der FPÖ und lässt die Partei nach weit rechts außen driften. Terrorismusbekämpfungsgesetz in Deutschland. Voyager 2 fliegt am Uranus vorbei, die ersten Module der sowjetischen Raumstation Mir werden ins Weltall geschossen. Die Raumfähre "Challenger" explodiert kurz nach dem Start. Der Reaktor Tschernobyl explodiert ebenfalls. Manuel Neuer wird geboren.  Phil Lynott stirbt. Ebenso Joseph Beuys.

Mit meiner Frau besuchte ich Queen in Köln im Müngersdorfer Stadion. Das letzte Deutschlandkonzert mit Freddy Mercury - was damals noch keiner wusste. Dabei waren auch Marillion, Gary Moore und Level 42. Unvergesslich. Metallica bringt ihr Album Master of Puppets heraus, Modern Talking beherrscht die Hitparade. Unverzeihlich. Falco bringt Jeanny, Part 1 heraus und auch eine Rechtfertigung mit Jeanny, Part 2. Und die Welt lief wie ein Ägypter.

1988

Ich bin verheiratet! Und die Ehe hält bis heute. Das war das größte Ereignis 1988. Die Situation insgesamt festigt sich unter schwierigen Rahmenbedingungen. Meine Mutter war nicht eingeladen.

Ausgerechnet 1 Jahr vor der Wende in der DDR wird der Wendehals der Vogel des Jahres. Der Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan wird beschlossen. Der 1. Golfkrieg. George Bush sen. wird US-Präsident. In Deutschland wird verbleites Normalbenzin verboten. Ein Computerwurm legt 10% des damaligen Internets lahm. Steffi Graf gewinnt die US-Open und alle Grand-Slam-Turniere. Die Niederlande werden Fußballeuropameister beim Turnier in Deutschland. Grubenunglück in Borken (Hessen) und die Katastrophe von Ramstein. Über dem schottischen Lockerbie explodiert bei einem Bombenanschlag eine Boeing. Adele wird geboren. Enzo Ferrari, Franz-Joseph Strauß und Gert Fröbe sterben. 

Die Ärzte geben ihr Abschiedskonzert. Celine Dion gewinnt für die Schweiz den Eurovision Song Contest. Die Pet Shop Boys und Milli Vanilli beherrschen die Charts.

1991

Das freudigste Ereignis war sicherlich die Geburt meines Sohnes. Obwohl es den Druck weiter erhöht. Meine Großmutter starb im Frühjahr, die Beerdigung führte zu einer instabilen Versöhnung mit meiner Mutter. Es blieb schwierig. Vor über einem Jahr war ich inzwischen von Mister Minit über einen Wachdienst zum Kaufringlager in Düsseldorf gewechselt. Familienfreundlichere Arbeitszeiten. Und die Anstellung beim Kaufring galt bei dem über 100jährigen Unternehmen quasi wie Beamtentum. Angeblich ein sehr sicherer Arbeitsplatz. Das sollte sich in der Folge als Irrtum rausstellen, aber zu diesem Zeitpunkt war die Lage für mich eigentlich relativ entspannt. Oberflächlich.

Der zweite Golfkrieg startete, der Jugoslawienkonflikt ebenfalls. Die Sowjetunion zerfiel. Und Deutschland war seit nicht einmal einem Jahr wieder vereint. Helmut Kohl wird erneut Bundeskanzler. Diesmal in einem vereinten Deutschland. Karsten Rohwedder wird von der RAF ermordet. Der ICE startet seinen Betrieb. Die Ukraine wird unabhängig. Eric Carr (Kiss) und Klaus Kinski sterben. Dramatischer für mich: Freddie Mercury stirbt.

Das Album des Jahres für mich war und bleibt für mich "Innuendo" von Queen. Quasi das Abschiedsgeschenk von Freddie Mercury. Oasis gründen sich. Die Fanta 4 starten durch. Metallica veröffentlichen das Black Album, Nirvana Nevermind.

1996

Ja, inzwischen bin ich seit 3 Jahren im öffentlichen Dienst. Nun ein wirklich sicherer Arbeitsplatz. Wichtig, weil meine Tochter geboren wird. Neben der Freude nimmt auch der Druck zu. Warum? Nun, ich habe nie gelernt wie das ist: Normale Familie. Oder überhaupt "normales" Leben. Ich improvisiere. Mein Verhalten wird ambivalent.

In Lübeck sterben bei einem Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft zehn Menschen. Russland wird Mitglied im Europarat. Jan Philipp Reemtsma wird entführt. Bei einem Amoklauf im australischen Port Arthur sterben 35 Menschen. Aufdeckung einer Kinderschänderbande um Marc Dutroux in Belgien. Bill Clinton wird erneut US-Präsident. Die Deutsche Telekom geht an die Börse. Dolly, das erste Klonschaf, wird geboren. Oliver Bierhoff trifft zum ersten Golden Goal und mach Deutschland zum Fußballeuropameister. 17 Menschen sterben bei der Brandkatastrophe am Düsseldorfer Flughafen. 

Take That trennen sich und lösen eine gewisse Hysterie damit aus. Nightwish und Coldplay werden gegründet.

Helmut Schön, Josef Meinrad, Johnny „Guitar“ Watson, Timothy Leary, Rio Reiser, Carl Sagan sterben.

1999

Ein Umzug von Rheinhausen nach Moers. In eine eigentlich viel zu teure Wohnung. Aber notwendig. War jedenfalls die Entscheidung der Familie. Allerdings wuchs der Druck auf mich. Ich kapselte mich weiter ein. Und war nach außen ein eher "cooler" Typ mit ziemlich bissigem Humor.

Impeachment gegen US-Präsident Bill Clinton. Oskar Lafontaine tritt nach Richtungsänderung der Regierung von allen seinen Ämtern zurück. 50-jähriges Jubiläum der Gründung der Bundesrepublik Deutschland, Johannes Rau wird Bundespräsident. Wladimir Putin wird Präsident Russlands. Ein geistig verwirrter Eindringling verletzt George Harrison mit einem Küchenmesser schwer. Steffi Graf gibt ihren Rücktritt vom Profi-Tennis bekannt. Bei einem LKW-Brand im Mont-Blanc-Tunnel kommen 39 Personen ums Leben.

Günter Strack, August Everding, Heinz Schubert, Dusty Springfield, Stanley Kubrick, Yehudi Menuhin, Willi Stoph, Oliver Reed,  Dirk Bogarde,  Horst Frank starben.

2006

Ein sehr einschneidendes Ereignis war eine Bauch-OP auf letztem Drücker. In der Folge siegt die lange unterdrückte, besser: weggedrückte, Depression, unter der ich sicherlich schon jahrelang litt, und wirkt bis heute. Einige Jahre konnte ich sie wieder im Zaum halten, doch immer wieder zog sie mich seitdem in ein finsteres, schwarzes Loch.

In 2006 gab es viele Jubiläen: Mozart, Heine, Schumann, Ibsen, Tesla, Asperger. Moslemische Demonstranten gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen setzen das dänische Konsulat im Libanon in Brand.  Erhöhung der Umsatzsteuer von 16 auf 19 %, der neue Berliner Hauptbahnhof geht in Betrieb. Fußball-WM in Deutschland. Die Mannschaft wird 3. Stromausfall in Westeuropa.  Saddam Hussein wird hingerichtet. Die NASA startet die weltweit erste Pluto-Sonde „New Horizons“.  Die finnische Gruppe Lordi siegt beim Eurovision Song Contest. 2006 war eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnung und ist von Stürmen und Wetterkapriolen geprägt. Der „Kannibale von Rotenburg“ wird zu lebenslanger Haft verurteilt. WikiLeaks wird ins Leben gerufen. Michael Schumacher beendet seine Karriere als Formel-1-Fahrer. 

Heinrich Harrer, Mark Spoon, Udo Thomer, Shelley Winters, Wilson Pickett, Johannes Rau, Tom Toelle,  Desmond Dekker,  Billy Preston,  Drafi Deutscher,  Arif Mardin, Syd Barrett, Rudi Carell, Elisabeth Volkmann starben.

2014

Ein Auf und Ab hatten mich die letzten 8 Jahre begleitet. Fast schien es, die Depression wäre wieder im Griff. Vermutet wurde ein Asperger, der sich allerdings nicht bestätigte. Gleichwohl eine nicht unerhebliche Persönlichkeitsstörung, die da mit reinwirkt. Inzwischen ist man sich sicher - Borderline. Wird dann gerne diagnostiziert. Was 2014 so besonders macht: Ich habe eine Schwester gefunden. Oder besser: Sie mich. In Luxemburg. Und mein Erzeuger lebt noch! Mutter war inzwischen verstorben. Das nahm ich ungerührt zur Kenntnis. Aber eine 7 Jahre jüngere Schwester! Die ganze Zeit existent - und wir wussten nichts voneinander. In der Folge lernten wir uns etwas kennen. 3 Jahre später starb mein Erzeuger, der in einem Altersheim in Luxemburg vor sich hinvegetierte, ohne dass wir uns gesehen oder gesprochen hatten. Was er angerichtet hat, bei mir, aber unverzeihlich bei meiner Schwester, hat mich davon abgehalten. Aber neben einer Freude bewirkte das ganze auch einen Sog zum schwarzen Loch.

Das Jahr 2014 war von der Ukraine-Krise, anhaltende Konflikte im Nahen Osten, das staatenübergreifende Auftreten der gewalttätigen Organisation Islamischer Staat sowie von der Ebolafieber-Epidemie in Westafrika geprägt. Es wurden Hitzerekorde aufgestellt, die inzwischen übertroffen wurden. Immerhin klappte es diesmal mit der Fußballweltmeisterschaft.  Recep Tayyip Erdoğan wird zum 12. türkischen Staatspräsidenten gewählt. Die 17-jährige pakistanische Schülerin Malala Yousafzai bekommt den Friedensnobelpreis. Schottland führt ein Referendum zur Unabhängigkeit durch. In New York City wird das One World Trade Center eröffnet. Die Fernsehshow "Wetten dass...?" wird eingestellt.

Phil Everly, Eusébio, Ariel Scharon,  Fred Bertelmann,  Pete Seeger,  Maximilian Schell, Philip Seymour Hoffman, Shirley Temple, Mareike Carrière, Mickey Rooney, Karlheinz Deschner, HR Giger, Karlheinz Böhm, Eduard Schewardnadse, Dietmar Schönherr,  Peter Scholl-Latour u.v.A starben.

2018

Mein Sohn ist ausgezogen. Das hat schon etwas mit mir gemacht. Wir zogen dann ebenfalls um, in eine kleinere Wohnung. Mit nicht optimalen Finanzen, was mir ebenfalls zu schaffen macht. Insgesamt folgte dann Ende des Jahres der psychische Zusammenbruch. Klinik. Richtete mich wieder etwas auf. Allerdings folgte keine weitere Therapie mangels Therapieplätze. Zudem war es auch das Jahr, in dem ich das letzte Mal nach Luxemburg zu einer Schwester konnte. Es war insgesamt keine gute Entwicklung.

Ein ungewöhnlich warmer Sommer mit einer lang anhaltenden Dürreperiode, ein Irrer als US-Präsident, Erstarken der AfD, eine türkische Militäroffensive in Nordsyrien, Urteilsverkündung im NSU-Prozess, der Journalist Jamal Khashoggi wird ermordet, Bolsonaro wird zum Präsidenten von Brasilien gewählt, Angela Merkel kündigt ihren Rückzug aus der Politik an, eine Amokfahrt in Münster (Westfalen),  Anschlag in Grosny (Russland), jede Menge Anschläge in Afghanistan. Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle, das Orkantief Friederike zieht über Deutschland. Jubiläum der Urkatastrophe des 20. Jahrhundert: 100 Jahre Ende des 1. Weltkrieges.

France Gall, Dolores O’Riordan, Paul Bocuse, Ingvar Kamprad, Rolf Zacher, Stephen Hawking, Miloš Forman, Avicii, Wolfgang Völz, Dieter Kunzelmann, Christine Nöstlinger, Kofi Annan, Dieter Thomas Heck, Lindsay Kemp,  Burt Reynolds, Daniel Küblböck, Charles Aznavour, Montserrat Caballé, Ingo Insterburg, Stan Lee, Stefanie Tücking u.v.A. starben.


2022

Und so komme ich langsam ins hier und jetzt. Ich bin 60. Wer hätte gedacht, dass ich das schaffe. Ich nicht. Und sicher, ob ich das so wollte, bin ich nicht. 60 Jahre, und kein bisschen Weise?

Mit meiner kleinen Zeitreise, in der ich ja nur für mich markante Jahre herauspickte, kam ich etwas wehmütig ins grübeln. Die letzten Jahre waren ja geprägt durch Covid und die Maßnahmen. Verstärkte Depression, alte Angststörungen brachen hervor, ich bin nicht wirklich in mir selbst. Und beim betrachten der Jahre nun drückte auch noch etwas auf mein Herz. Die Fakten und die Daten über Geborene und Verstorbene habe ich mir aus der Wikipedia besorgt. Das war am einfachsten. Aufgefallen ist mir dabei, dass viele, die mit mir geboren wurden (1962) schon länger tot sind. Oder grade erst gestorben sind. Im "echten" Leben habe ich das auch, dass einige Weggefährten nicht mehr mitgehen. Gestorben lange vor der Zeit. Macht mich auch wehmütig.

Ich habe ja einen Vorteil. Ich habe Familie. Meine treue Gattin. Und meine beiden Kinder. Beide auf ihrem eigenen Weg, etwas holprig allein schon durch die Covid-Zeiten. Aber unterwegs. Mein Bruder, auch ein Leidensgenosse. Aber auch ein wichtiger Ansprechpartner.

Ja, es könnte auch schlechter laufen. Gleichwohl, ich habe mich schon arg hoch gestreckt. Ohne echten Plan. Und inzwischen innerlich auch sehr müde - "Lebens-Müde". Mit Therapie und Medizin versuche ich wieder "in die Spur" zu kommen. Aber was heißt das schon. Am liebsten würde ich in einen Wald ziehen, fernab jeglicher Zivilisation. Von nichts mehr mitbekommen. Die Überflutung mit angetragenen und selbst auferlegten Ansprüchen abstellen. Oder die Reset-Taste drücken.

Das wäre natürlich fein - aber auch unrealistisch. Ich muss halt noch lernen, mit meinen immer knapper werdenden Ressourcen sparsam umzugehen. Aber effektiv. Um die nächsten 60 Jahre möglichst gut zu überstehen.

Mittwoch, 16. September 2020

Resilienz und Niederlage

In der Tat, in diesem Blog bin ich nicht sehr mitteilsam. Liegt vielleicht auch daran, dass ich mein Leid in den üblichen sozialen Medien teile und dadurch etwas Besinnung finde.

Aber sicher: Ich denke mir immer so hochtrabende Texte aus, die meinen Zustand oder die Gedanken zum Weltgeschehen transportieren sollen. Und dann fehlt doch der Antrieb, das niederzuschreiben. Auch eine Auswirkung der Depression. Was ergibt das alles denn für einen Sinn…

Dabei war ich auf einen halbwegs guten Weg, meine Depression im Griff zu bekommen und das Borderline zu beherrschen. Sicherlich, ohne fachliche Anleitung sehr schwer zu gestalten, aber finde mal einen Psychotherapeuten, der Zeit hat. Oder Lust. Ich hatte diesbezüglich aufgegeben.

Und dann kam Corona.

Nicht, dass die Angst, sich mit Corona anzustecken, allzu groß wäre. Ich rauche, was wesentlich gefährlicher ist. Nein, es fing, wie ich ja schon einmal geschildert habe, mit der Angst vor dem Lockdown an. Gefangen, ohne Möglichkeit der Flucht. Und genau dieses Gift hat mich schleichend verseucht. Resilienz am Arsch.

Klar, in NRW war der „Lockdown“ schon relativ harmlos. Nach draußen gehen war möglich, Treffen hat man sich verkniffen und so wenig wie möglich Kontakte gesucht. Ich bin sogar im Märzen mit dem Rad nach Düsseldorf gefahren (eine Strecke 34 km), um zur Arbeit zu kommen. Mein Arbeitgeber hat sich da vorbildlich verhalten, so dass diese Zeit recht gut überwunden wurde. Irgendwann musste ich aber wieder mit Bus und Bahn – und was soll ich sagen? Genau. Alte Ängste vor Menschenmengen und Nähe brechen aus. Dinge, die ich als im Griff erachtete.

Genau dort sind die Resilienzen dann gescheitert. Das Gefühl, wertlos zu sein, nichts auf die Reihe zu bekommen – all dass, was mir als Kind eingeprügelt wurde brach wieder vor. Und dadurch auch der Wunsch, endlich die wohlverdiente Ruhe zu finden. In diese Gefühlswelt führen auch andere Trigger, Berufsbedingt oder auch Privat. Und so kommt es, dass recht harmlos scheinende Ereignisse mich überfordern können.

Und ja, es hilft mir, meine Gedanken zu ordnen, vielleicht nicht immer einzuordnen, aber immerhin, wenn ich sie niederschreibe. Den Drang zu flüchten, mich aus der Situation des „Leben müssen“ zu bringen, in den Griff zu bekommen und in andere Bahnen zu lenken.

Die weltpolitische Lage trägt auch ihren Teil dazu bei. Wenn man deutlich gezeigt bekommt, „der Klügere gibt nach“ nicht die schlaueste Einstellung ist und den Dummen die Macht ergreifen lässt. Und nein, die Flüchtlingskrise lässt mich nicht denken, oh, denen geht es schlimmer, stell dich nicht so an. Das wäre ja objektiv. Als depressiver Borderliner bin ich eher subjektiv…

Nun denn. Ich versuche, das irgendwie in den Griff zu bekommen.

 

Montag, 30. Dezember 2019

Wahrnehmungsstörungen und andere Weltbildzersplitterungen

Was habe ich mir für 2019 so alles vorgenommen. Also, nicht dass, was als "Gute Vorsätze" bekannt sind. Und irgendwie doch. Unter anderem, mein Blog mehr zu nutzen. Und dann stand meine Depression immer wieder im Wege. Und jetzt, wo ich diesen Text schreibe, muss ich mich zusammenreißen.

Nun gut, ich habe mich halbtherapeutisch bei Facebook und Twitter ausgekotzt. Weil ich aufgegeben habe, mir therapeutische Hilfe zu suchen. Wegen des Frustes der wiederholten Absagen. Und im Grunde noch schlimmer. Auch Ablehnung. Schwamm drüber. Vielleicht gehe ich 2020 an die Sache erneut ran.

Für das zu Ende gehende Jahr war meine psychische Befindlichkeit allerdings sehr prägend.

Abgesehen von Problemen im ÖPNV, die zum größten Teil hausgemacht sind, sind auch Themen, die in 2019 immer mehr auf die Agenda kamen, stark von meinen Gefühlslagen, nein, Stimmungstiefs, geprägt. Was ich natürlich auf mich beziehe, nicht allgemein. Die Überschrift hatte ich tatsächlich erst nach dieser, leicht nach Schwachsinnigkeit riechenden, "Diskussion" über die Oma, die im Hühnerstall Motorrad fährt und letztendlich eine "Umweltsau" sei. Als Satire gemeint ging der Schuss wohl eher daneben. Und zeigt, das eine irgendwie erlangte Wahrnehmungsstörung die, nun ja, "Diskussionen" vor allem in den (a)sozialen Medien bestimmt. Jedenfalls aus meine Sicht. Und die Weltbilder, die ein jeder hat, immer absoluter gestellt werden und viele kleine Splitter, die anscheinend kein ganzes mehr ergeben können, zerfallen. Meine Assoziation. Gleichwohl kommen dazu, und spielen in die Klimadiskussion rein, "besorgte Bürger" , Rechtsnationale, Nazis, Rassisten, Wutbürger und so weiter. Dinge, die ich mit Besorgnis betrachte.

Die Klimaschutzdebatte zerschellt am Thunberg?

Vor über einem Jahr hat sich ein junges Mädchen entschlossen, ihren Unmut über das Nichtstun gegen den von Menschen gemachten Klimawandel etwas entgegen zu setzen. Im wahrsten Sinne. Mit einem Sitzstreik vor dem schwedischen Parlament. Anstatt zu Schule zu gehen. Was unerwartet große Kreise zog. Inzwischen ist die "Fridays For Future" - Bewegung weltweit zu Gange. 

Greta Thunberg redet inzwischen vor Parlamenten, Umweltverbänden und Klimakonferenzen. Unterstützt von Wissenschaftlern. Und maßlos angefeindet von Gegnern des Klimawandels.

Da wird dann im Prinzip unterstellt, dass Greta den Menschen alles nehmen will was ihnen Spaß macht. Es wird "Umweltschutz" und "Klimaschutz" durcheinander gewirbelt. Dabei steht das gar nicht zu Debatte. Eine 16 Jährige bedroht den Komfort der Wohlstandsgesellschaft. Lachhaft. Es geht darum, dass die Regierungen im Blick auf die Zukunft der jetzigen Kinder Maßnahmen ergreifen, die zumindest ein Minimalziel erreichen soll. Und die Aufforderung, dass jeder Einzelne überlegt, was er dazu beitragen kann.

Herausgekommen sind bislang nur wirkungslose Maßnahmen, die populistisch als Umweltgesetze verkauft werden, und eine überhitze Diskussion mit viel Hass von und über "Umweltsäue". Denn die Generation "Oma", die gemeint ist, ist in der Regel die meine. Mit 58 bin ich im Alter den singenden Kindern des WDR eine Oma zu sein. Fast schon Uroma. Aber dass nur am Rande.

Im Prinzip liegen hier viele, verschiedene Interessen gegeneinander im Streit.

Menschen, die ihr Leben hart malocht haben und sich jetzt mal was gönnen wollen. Einen SUV zum Beispiel. Ein im Grunde völlig überflüssiges Automobil. Aber anscheinend heißbegehrt. Menschen, die gerne wüssten, wo und was sie noch arbeiten sollen, wenn bestimmt Energieträger nicht mehr genutzt werden sollen. Und Menschen, die Angst haben, dass diese Welt untergehen wird, weil das Klima kaputt geht.

Dazwischen die Regierungen, die irgendwie die Waage halten wollen. Und es nicht mehr können. Es wird irgendwie in die eine oder andere Richtung gehen. Das gilt auch für den Umweltschutz. Denn dass sind andere Dinge, die auf das Klima keinen Einfluss haben. Plastikmüll, Giftstoffe in der Erde, in der Luft. Dazu anscheinend keine Bereitschaft, nachzudenken und miteinander zu reden. Anstatt wird gegeneinander geredet.

Ja, und die Wutbürger und Konsorten

Und dann kommt noch dieses Thema. Das auch in die Klimadiskussion einspielt. Wobei, beunruhigender Weise, der Nationalismus sich internationalisiert. Zu Auflösungserscheinungen von Gesellschaftsstrukturen, die gefestigt schienen, führt, die man doch eigentlich gar nicht wollen darf.

Da wird gerne mit Unwahrheiten, Halbwahrheiten und bewusst gesetzten Falschinformtionen gehandhabt unter dem Motto: Das wird man ja wohl noch sagen dürfen. Darf man. Aber man muss auch fundierte Gegenrede zulassen. Und nicht gleich von Zensur reden wenn jemand gegen diese abstrusen Meinungen spricht. Aber, so scheint es, es sind Diskussionen nicht erwünscht. Nur Zustimmung zur gerade geäußerten Meinung - und das auf allen Seiten.

Denn grade auf linker, (Möchtegern) Intellektueller Seite besteht so eine gewisse Arroganz, die geäußerten Meinungen, Befürchtungen von schlichten, einfachen Menschen abzutun und gleich in eine gewisse Ecke zu drängen, in die sich die Abgewiesenen dann irgendwann auch kuscheln. Weil sich darum dann die AfD kümmert. Die Menschen werden nicht ernst genommen weil sie das falsche Bildungsniveau haben. So scheint es mir. Hier haben allerdings die politischen Parteien versagt. Sie haben schlichtweg ihren politischen Auftrag vernachlässigt, politischen Willen zu bilden.

Glücklicher Weise haben die demokratischen Parteien immer noch eine Mehrheit. Aber das braune Gespenst wird immer deutlicher. Und viele Anhänger der AfD können und wollen das nicht mehr sehen. Eine Entwicklung, die mir Sorgen bereitet. Die allerdings hausgemacht ist. Die Entwicklung.

Rassismus  und Nationalismus; muss übrigens nicht kombiniert werden; ist weltweit ein Phänomen. Das wird nicht gesund sein. Weil es Menschen gegeneinander aufhetzt.

Und der ganze Rest

Ja, da wäre noch die Monty - Phyton - Serie "Brexit". Zum Beispiel. Traurig, aber ich sehe die EU ohnehin zerbrechen. Am Flüchtlingsstrom. An Finanzierungsfragen. An einer gewaltigen Wirtschaftskrise. Und da entwickle ich einen sarkastischen bis zynischen Humor. Irgendwie auch ein Schutzschild.

Das oben geschriebene ist letztendlich nur ein Anriss meine Gedanken zum Thema. Nichts Endgültiges, vielleicht auch getrübt durch meine negative Sichtweise. Schließlich war ich vor einigen Jahren nicht  so ganz überzeugt vom massiven menschlichen Einfluss auf den Klimawandel. Hatte durchaus eine immer noch abklingende Eiszeit hin zur Warmzeit im Blick, die der Mensch halt ein wenig beschleunigt. Nein, der menschliche Einfluss beschleunigt das überproportional. Und das ist nicht gesund. Und nein, ich glaube nicht, dass wir das noch stoppen werden.

Gleichwohl überlege ich sehr wohl: Was kannst Du machen um deinen Einfluss aufs Klima zu verringern? Ich fahre ja schon kein Auto. Und versuche, Plastik zu vermeiden (was aber mehr mit Umweltverschmutzung zu tun hat)

Und gut, ich bin pessimistisch. Aber ich versuche auch 2020 mehr zu tun. Auch gegen die Depression.


Dienstag, 3. Oktober 2017

Einheitsbrei und Ballerei

Heissa juchee. Da haben wir also den 27. Jahrestag der deutschen Einheit. Und selten klang "deutsche Einheit" unangebrachter wie heute.

Die Mauer in den Köpfen scheint höher denn je. Und die Diskussion, woran das liegt, ist im vollem Gang. Dabei dürfte die Erklärung ziemlich einfach sein: Die komplette Riege der Konsenspolitiker hat versagt. Weil sie jeden, der an dieser Konsenspolitik Kritik übte, in die rechte Ecke drückt. Und was sollten so abgeschobene dann schon machen? Richtig, sich in die rechte Ecke verdrücken. Mit viel Glück, sehr viel Glück, bekommen wir vielleicht eine richtige Diskussionskultur. Und vielleicht gibt es dann auch wieder mehr Gemeinschaft.

Wobei: Was heißt schon Deutschland? Ein bismarksches, preußisches Konstrukt. Im Gegensatz zu den europäischen Nachbarn gab es nie eine einzige Nation unter der Überschrift "Deutschland". Erste Ideen dazu gab es erst zu Revolutionszeiten 1848. Und die Vollendung dann, unter anderen Vorzeichen, 1871. als erweitertes Preußen, quasi. Auf die Spitze getrieben dann 1933-1945.

Eine Wiedervereinigung also ist nur die Fortsetzung Preußischer Großmannssucht.  Musste das sein? Wahrscheinlich schon. Weil irgendwie alle von einem gewachsenem Deutschland ausgehen. Dabei ist Deutschland weniger Nation als Polen. Oder die Türkei. Oder gar die USA. Nun gut, immerhin ist eine sozialistische, kommunistische Diktatur verschwunden. Und was für Alternativen hat man vor 27 Jahren auch schon gehabt.

Gleichwohl ist das ganze nicht zusammengewachsen sondern zusammengewuchert. Mit viel Fortüne überlebt der Patient voller Narben. Egal. Bin eh kein Freund von Nationalkrams. Oder Separatismus. Was da so in Spanien abgeht. Oder Im Irak. Oder der Türkei. Oder wo auch immer. Nationalismus führt immer in den Abgrund.

A propos Abgrund: Was in den USA abgeht ist ja auch kaum zu toppen. Irgendwie sehe ich für die Welt schwarz. Wo bleibt nur Planet X? Man könnte ihn gute gebrauchen.

Samstag, 31. Dezember 2016

Wave Goodby and say Hello

Und endlich geht dieses Jahr zu Ende. Das neue Jahr wird bestimmt besser. Wenn das mal keine Selbsttäuschung ist. Wunsch als Hoffnung.

2016 stand ja unter keinen guten Vorzeichen. Terror, Rechtspopulismus, Nationalismus - und eine große Zahl großer Namen, die sich von diesem Planeten verabschiedet haben. Was für mich aber wesentlich beeindruckender war: Die Depression, die sich wesentlich tiefer eingegraben hat. Immerhin: Autismus kann so weit ausgeschlossen werden. Ob das ein Lichtblick ist? Ich bin mir nicht so ganz sicher. Aber im Augenblick läuft es so halbwegs.

Anfang des Jahres war das nicht so. Und schon starb David Bowie. Einer meiner musikalischen Idole. Und viele weitere folgten. 2016 scheint ein schlechtes Jahr für die Popwelt zu sein - abgesehen von Film und Politik. Weiter verwunderlich ist das aber nicht. Die Helden unserer Jugend sind in der Regel 10 bis 20 Jahre oder mehr älter als unsereins. Und da ich Mitte 50 bin... Nein, wir werden 2017 noch wesentlich mehr der alten Heroen gehen sehen. Was erschreckender war: Menschen wie Roger Cicero, Prince oder George Michael, den es ironischer Weise am 1. Weihnachtstag dahingerafft hat, die in relativ Jungen Jahren sterben mussten. Ich  meine, Götz George, Alan Rickman oder gar Walter Scheel und Genscher hatten vom Alter her durchaus gehen dürfen. Aber Westerwelle, Pielhau oder viele andere? Sicher, da gab es Vorerkrankungen.

Nun gut. Man macht das mal gerne an Prominente fest - aber was 2016 an Terror, Krieg oder Katastrophen gestorben ist dringt nicht so ein. Zu groß die Menge, zu klein der Bekanntheitsgrad. Sicher, wenn der Terror in die Nachbarschaft schlägt; Nizza, Berlin; dann ist man betroffener. Aber irgendwie auch froh, dass es einen selbst nicht erwischt hat.

Gleichwohl: 2016 war auch ein Jahr der Umbrüche. Das Erstarken der rechten, nationalistischen Populisten kann schon Sorgen bereiten, insbesondere auch in den USA Trump Präsident geworden ist. Es scheint so, als bräche die Welt langsam auseinander. 2017 wird auch da noch Überraschungen bieten. Ebenso wie bei den hervorstechenden Ereignissen wie der Brexit, der Putsch in der Türkei oder der Krieg in Syrien. Das alles wird uns 2017 auch noch und wesentlich dramatischer beschäftigen.

Nein, das vergangene Jahr bleibt bei mir nicht in guter Erinnerung. Allerdings macht die Aussicht auf 2017 auch nicht viel Hoffnung. Ich glaube, die Welt wird sich dramatisch verändern. Und da versuche ich einfach mal, meine Menschlichkeit zu bewahren.

Allen Lesern eine ruhige Silvesternacht - und ein gesundes 2017.

Montag, 4. Juli 2016

So ein Brexschiet.


Eine Woche ist das Votum der Briten für den Austritt aus der EU her. Und was überschlagen sich die Ereignisse und Hysterien vor allem in den Medien – und in der Politik vor allem der EU.

So ungeheuerlich scheint die knappe Entscheidung der Briten zu sein dass sich von der Spitze der EU bis hin zu kleinen Hinterbänklern fast schon ehrenrühriges abgesondert wurde. Verschmähte Liebe? Fast wirkt es so. Die EU kann kaum damit warten Großbritannien los zu sein. Als ob man darauf nur gewartet hatte.

Prompt treffen sich die 8 Gründerstaaten der EWG (EU) auf Ministerebene. Das sieht schon aus als würde man umgehend an ein wirtschaftlich starkes Kerneuropa basteln – und vielleicht alles störende abschütteln. Hoffnung, dass andere, die kein Bock mehr haben, auch gehen. Man könnte das fast glauben.

Immerhin ist die EU als Wirtschaftsunion gegründet worden. Und darum geht es auch heute noch, samt Euro und offene Grenzen. Ein gemeinsamer Wirtschaftsraum. Dass auch die Bürger an den offenen Grenzen, dem Euro und der Freizügigkeit auf die ein oder andere Art profitieren ist dabei nur ein positiv gesehener Nebeneffekt.

Und genau da haben die Brexit – Befürworter um Boris Johnson und Nigel Farage angesetzt. Und, natürlich, die Bevölkerung mit falschen Behauptungen und Tatsachenverleugnung in eine antieuropäische Stimmung versetzt. Den Briten wird anscheinend erst jetzt bewusst, was der Brexit für sie bedeuten wird.

Leider sind diejenigen, die das negativ betreffen wird und abstimmen konnten, nicht zur Wahl gegangen. Oder zu wenig. Und haben dadurch die Zukunft auch der Jugend wohl eher verbaut.

Andererseits: Großbritannien hat immer schon Sonderrechte gehabt. Eventuell, da sich die Verursacher aus der Verantwortung stehlen, gibt es ja noch einen Ausweg. Bloß: Will das noch einer?

Europa als Idee hat anscheinend ausgedient. Die Union ist nie so wirklich beim Bürger angekommen. Das merkt man bei den Europawahlen. Sehr geringe Wahlbeteiligungen sprechen eine deutliche Sprache. Die die EU-Bürokratie leider nicht hat. Und so ist Europa für den Bürger ohnehin weit weg. Was den handelnden Personen ohnehin egal zu sein scheint. Eine Wirtschaftsunion kriegt man auch ohne Beteiligung der Bürger hin.  Und vor allem: ohne die widerborstigen Briten.

Die Entwicklungen in letzter Zeit lassen Sorgenfalten wachsen. Gesund kann das nicht sein.

 

Sonntag, 17. April 2016

Ich finde den eigentlich blöd, aber...

Oh mein Gott...huch, ich bin ja Atheist, Gott sei Dank. Dennoch: Was ist in der letzten Zeit nicht alles für wirklich erschütternder Kram passiert. Und man könnte meinen, es gibt nichts dramatischeres als ein gewisser Herr Böhmermann.

Die meist gehörten Sätze in letzter Zeit lauten in etwa "Satire darf alles", "Schmähgedicht ist Majestätsbeleidgung", Ich kann den Böhmermann auf den Tod nicht ausstehen, aber..."

Und was geht mir dieses Gezumpel auf den Keks. Die Bundesregierung reagiert zögerlich und dann unglaubwürdig, Erdogan flippt angeblich aus (Dabei hat er sich noch nicht einmal mit auch nur einem Wort persönlich zur Angelegenheit geäußert) und überhaupt.

Im Prinzip wäre mir Erdogan und sein Führungsstil völlig egal, wenn die Türkei nicht so massiv zur EU streben würde. Obwohl, nach allem, was da in letzter Zeit passiert ist kann es eigentlich nicht erstrebenswert sein, aber egal jetzt. Und damit, und mit der Tatsache, dass in der EU und vor allem in Deutschland, sehr viele Türken wohnen ( die meisten davon integriert), wird Erdogan und sein Machtanspruch interessant.

Einige Aussagen von Recep Erdogan:

"Assimilierung ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ich verstehe sehr gut, dass ihr gegen die Assimilierung seid. Man kann von euch nicht erwarten, euch zu assimilieren."- aus der Übersetzung einer Rede in der Kölnarena vor rund 20.000 Landsleuten am 10. Februar 2008

 "Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten." (nach Ziya Gökalp) - Erdogan 1998 auf einer Wahlkampfveranstaltung
Da gibt es noch erheblich mehrere Zitate (Wikiquote), die auf die wahre Absicht Erdogans hinweisen. Und er streitet das gar nicht ab - sondern gestaltet ersichtlich seine Politik nach seinen Maximen. Und die werden wohl in ein Großosmanisches Reich enden... Oder auch nicht. Jedenfalls lässt die Politik Erdogans und sein Gehabe kaum eine Chance, nicht darüber zu spotten. Spott und Satire und das Lachen darüber sind die schlimmsten Feinde von Diktaturen - und in der Türkei deutet vieles darauf hin, dass es dort so weit kommen könnte.

Gleichwohl: Beleidigungen sind so eine Sache. Nun hat Böhmermann, so weit ich erkennen kann, eine Satire auf die angeblichen Grenzen der Satire am Fallbeispiel eines Schmähgedichtes über Erdogan gemacht. Ob das tatsächlich eine Beleidigung Erdogans ist oder erlaubte Satire wird jetzt ein Gericht entscheiden. Und mit der Entscheidung werden wir und Recep Erdogan leben müssen.

Also lasst uns in der Causa Böhmermann mal einen Gang zurück schalten. Und lieber die Politik im Auge behalten. Da liegt nämlich sehr viel im Argen. Nicht nur in der Türkei.

Montag, 21. März 2016

Verdammt.


Ist es doch schon ein viertel Jahr her, dass ich dem Jahr 2016 eine Chance geben wollte. Hat es bislang nicht genutzt. Gleich am Anfang nahm es David Bowie. Und grade eben auch Westerwelle. Obwohl – so bedeutend fand ich den nicht für mein Leben. Aber irgendwie mochte ich den Guido. Und er ist meine Altersklasse. Im Gegensatz zu Bowie. Die Einschläge kommen näher.

Schlimmer ist, dass ich depressionsmäßig nicht so wirklich aus den Pötten komme. Sehr schwankend. Obwohl ich jetzt so langsam wieder in das Berufsleben einsteige. Aber gefühlt immer noch ein Grenzgang.

Dass es immer noch schlechter geht zeigt die Flüchtlingspolitik der EU. Ob man da noch von Politik reden kann ist auch diskussionswürdig. Aber „Geschäfte“ mit diesem islamistischen Hetzredner und Menschenrechts Verächter Erdogan zu machen, um Abstand zu dem Elend zu bekommen… Menschengeschachere auf dem Rücken hilfesuchender Menschen um den Einsatz eigener Glaubwürdigkeit. Oder wie man den Anspruch verliert, sich für Menschenrechte einsetzen zu dürfen. Die Chinesen werden uns auslachen. Und sich damit dem Putin anschließen. Der lacht uns schon lange aus. Weil er um diese Unglaubwürdigkeit schon länger weiss.

Blöd nur, dass ich so ad Hoc auch keine billige Lösung anbieten kann. Kritisieren geht ja immer. Hat sich dereinst auch die Merkel gedacht. Und die Grenzen aufgemacht, in der Hoffnung, die EU-Partner ziehen mit. Geschissen. Und jetzt steht sie da mit zu kurzem Hemd. Auch  keine schöne Vorstellung.

Na gut, dass wir noch die Option mit Armageddon haben. Sollte diese Weichbirne Trump tatsächlich Präsident werden wären wir da auch schon einen Schritt weiter. Wenigstens das. Man hat ja ohnehin wenig Zuversicht.

Ist ja bald Ostern. Vielleicht kommt wenigstens David Bowie wieder.

Dienstag, 14. Juli 2015

Grexit - das Grusical

Ja, Griechenland schreibt Spottgeschichte. Aber haben die tapferen Griechen das verdient? Ich denke, ja.

Warum, erzählt ein neues Grusical. Dort wird die Geschichte neu erfunden. Und handelt von dem verlorenen Krampf der tapferen Griechen gegen die plündernd durchs Land ziehenden Horden der Euroniker.

Da ist zum einen der berühmte Drachmentöter Georgios Mikaelos, der mit bezauberndem Gesang alle Drachmen in das Tal der Bedrückung schickte, wo sie nur durch den bösen Fluch des Zauberspielers Wahrohnwagnis befreit werden können.

Wie es so kommt hat Georgios sein gesamtes Vermögen in Warentermingeschäfte mit gebrauchten Oliven investiert und verloren. Um die Geschäfte zu retten und in Feta und deren Fetas Feta zu investieren hat der Schatzmeister der Euroniker, Rollator Investigas, Georgios viel Geld verliehen. Und jedesmal ein Schäuble an Bedingungen draufgeschaufelt. Rollator, der alte Fuchs, wollte natürlich die schöne Tochter des Drachmentöters, Gutzuviki Mikaelos, zum Tausch.

Georgios, der alte Fuchs, hatte Gutzuviki aber schon dem Zaren der Moskoviter, Wladimir den Halbnackten, versprochen, um an dessen Vermögen zu kommen. Was nicht so recht klappen wollte, da Wladimir anderweitig beschäftigt war und seine Feindschaften nicht verprellen wollte.
Nun, letztendlich griffen die Euroniker zum äußersten und engagierten den Zauberspieler Wahrohnwagnis um zurückzutreten. Mit dem Lied, „Money makes the world go round“ befreite er die Drachmen aus dem Tal der Bedrückung und brachte viel Leid in das Land der Griechen.

Die lehnten sich auf, jagten alles zum Teufel und tanzten ohne Unterlass Sirtaki. 

Soweit der Plot.

Mittwoch, 10. Juni 2015

Unschön, aber muss

Irgendwie hängt so ziemlich Alles durch. Es fängt schon katastrophal an, das Jahr. Um dann genau so vergnüglich weiter zu gehen.

Nun  sehe ich die Dinge zur Zeit ohnehin durch eine finstere Brille. Was mich dann, an der Wirklichkeit der Weltverblödung scheiternd, zunehmend zynisch werden lässt. Obwohl... nein, eher ist die Welt zynisch. Ich reagiere nur irgendwie darauf.

Wirklich, ich sollte meinen "Frust" hier mehr Luft ablassen. Aber das würde sicherlich nicht sonderlich politisch korrekt ablaufen. Andererseits; warum auch?

Donnerstag, 26. März 2015

Sinnfrage:

 Wie kommen angeblich seriöse Medien auf die Idee, einen Experten, der klar gesagt hat, dass es keinen Raum für Spekulationen gibt, zu eben solchen animieren wollen? Und wieso wird eine Liveschalte nach Haltern gemacht mit den Worten: "Wie ist da grade die Stimmung?" ‪#‎Rätseljournaille

Mittwoch, 25. März 2015

Tragödien-Trauer


Träume am Berg zerschellt

Leben einfach abgestellt

Gebrochene Herzen, verlorene Lieb‘

Trauerschmerz ist, was blieb

#4U9525

Montag, 12. Januar 2015

Jahresanfangsknall


Da schau‘ her – ein neues Jahr ist angebrochen. Und anstatt einen Nachruf auf das alte Jahr zu verfassen und Hoffnungen für das neue zu formulieren habe ich einfach vor mich hingelebt. Weihnachten ist nicht so mein Fest, es kommen mir auch zu viele Menschen zusammen. Und Sylvester wird auch eher beschaulich gefeiert.

Wie auch immer: Ich konnte mich einfach nicht aufraffen etwas zu schreiben. Dabei wollte ich doch einiges über IS und Pegida zum Besten geben. Aber 2014 hat mich ganz anders geprägt als ich es vermuten konnte. Dass mein Erzeuger tatsächlich noch lebt und dass ich eine Schwester habe geht mir noch tief nach. Man kommt ins Grübeln.

Und während ich noch so grüble passiert in Paris Grauenhaftes. Islamisten töten Karikaturisten und Journalisten. Wieder ein Anschlag auf unsere westlichen Werte. Und plötzlich ist man Charlie. „Charlie Hebdo“ heißt das Satire-Magazin, dass wohl noch um vieles härter ist als z.B. das deutsche Magazin „Titanic“. Ich kannte es vorher nicht – was mich nicht hindert, mich solidarisch zu zeigen und auch „Charlie“ zu sein. Genauso könnte man auch Ahmed sein. So hieß einer der Polizisten, die bei dem Attentat ums Leben gekommen ist. Ein Muslim, der unsere westlichen Werte mit seinem Leben verteidigt hat.

Natürlich bin ich Manfred. Und nicht Charlie. Und in der Tat kannte ich Charlie vorher nicht wirklich. Und was ich an Karikaturen gesehen habe gefällt mir vielfach nicht. Das tun auch die Sachen, die „Titanic“ zum Besten gibt, nicht. Gleichwohl gehört das zur freien Meinungsäußerung. Wie allerdings auch die Phrasen, die PEGIDA so zum Besten gibt. Weswegen die Demos auch genehmigt werden müssen. Im Gegensatz zur „Charlie Hebdo“ und Konsorten wird die freie Meinungsäußerung aus diesen Kreisen nicht so gerne gehört.

Der Hintergrund von PEGIDA und Folgeerscheinungen liegen sicher im rechtradikalen Bereich. Aber das schlichte, sehr einfache Volk, was da mitwandert, fühlt sich anscheinend nicht ausreichend mitgenommen von der offiziellen Politik – und das machen sich diese rechten Rattenfänger natürlich zu Nutze. Ich finde es schon bedenklich, wenn der Zulauf in einer Stadt die grade mal 0,2% Ausländeranteil (davon vielleicht die Hälfte Muslime) hat am größten ist. Und in Städten oder Gegenden, die 20% Ausländer bzw. Migrantenanteil haben diese Bewegung so gut wie keinen Zulauf hat. Was nicht heißt, dass die Bürger dort keine Sorgen und Nöte mit dem Thema Zuwanderung haben. Aber man geht anscheinend, wie z.B. im Ruhrgebiet, ganz anders damit um.

Und den Spruch „Der Islamisten-Terror hat nichts mit dem Islam zu tun“ kann ich nicht mehr hören. Doch, der hat sehr wohl was mit dem Islam zu tun. Er ist Teil des Islam. Ebenso, wie fundamentale Christen in den USA Abtreibungsärzte erschießen mit dem Christentum zu tun hat. Es sind extremistische Auswüchse. Man, vor allem der Islam, sollte sich allerdings auch fragen, wieso ausgerechnet der Islam so viele gewaltbereite Menschen hervorbringt. Was läuft da schief?

Naja, das Jahr 2015 ist schon mal deftig gestartet. Und ich befürchte, es wird noch „besser“ werden.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Und es hat Rumms gemacht


Man kann es kaum glauben – Deutschland ist im Finale der WM 2014. Mit einem sogenannten Kantersieg. 7:1. Gehofft, knapp gegen die Ersatzgeschwächten Brasilianer zu gewinnen, hat man ja. Aber das war schon deftig.

Gleichwohl: Zeitgleich mit den deutschen Treffern eskaliert die Lage in Israel/Palästina auf das Heftigste. Treffer, die auch das Aus bedeuten – aber ernsthaft. Israel hat reagiert auf die Angriffe der Hamas-Terroristen. Anscheinend die einzige Sprache, die die Hamas versteht: Gewalt.

Und aus der Berichterstattung der Presse kann man Rückschlüsse ziehen dass die Israelis die Bösen wären. Zumindest der Eindruck entsteht in so manchem Bericht, respektive durch die Schlagzeilen impliziert. Oder geht das nur mir so? Immerhin greift die Hamas Israel mit Raketen an. Aus Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden. Und verschwindet dort bevor die Retoure kommt. Ohne die Kinder mitzunehmen. Damit man den Israelis was vorwerfen kann.

Und wieder steht die Welt vor Armaggeddon. Zumindest, wenn man den Prophezeiungen der Zeugen Jehovas und einiger evangelikaler Seher Glauben schenken will. Will ich nicht, aber manchmal... Mir scheint, die dort beteiligten Parteien legen es darauf an.

Wie nahe doch Freud und Leid liegen.

Montag, 10. Februar 2014

Tücken echter Demokratie

Ein knappe Mehrheit hat in der Schweiz für eine Begrenzung des Zuzugs von Ausländern beschlossen  - in einer demokratischen Entscheidung. Und schon regt sich Europa auf. Zumindest die Politik.
Denn es gibt einen Grund, warum es solche Bürgerentscheide in Deutschland und anderen EU-Ländern nicht gibt. Weil eventuell die Bürger, die Menschen anders entscheiden als sich die Politiker dass wünschen. Ein ähnlicher Bürgerentscheid wie jetzt in der Schweiz in jedem beliebigen EU-Land (oder sonst wo auf der Welt) würde wahrscheinlich ein ähnliches Ergebnis zur Folge haben.
Und das sind, in der Schweiz ebenso wenig wie in Deutschland, extreme Rechte, die so entscheiden. Das geht von eher Linken bis zu rechten. Kaum zu glauben? man sollte nicht so sehr auf das wohlfeile Gequatsche der Politiker hören – sondern auf das, was der Bürger so von sich gibt.
Und so hat es natürlich seinen Grund, warum es hier keine echte Demokratie gibt – sondern eine parlamentarische. Wenn Wahlen was ändern würden, wären sie verboten – sagte mal Volker Pispers süffisant. Aber genau deswegen sind eben solche Bürgerentscheide nicht vorgesehen. Wir hätten sonst keinen Euro. Oder Bankenhilfe. Oder…
Und so finden die europäischen Bürger die schweizer Entscheidung sicherlich gut. Im Gegensatz zur Politik. Es ist aber eine echte demokratische Entscheidung. Die man respektieren sollte. Und mal schauen, wie man damit umgehen kann.
 
Nachtrag: Schöner Beitrag vom Schweizer Jörg Kachelmann: