Samstag, 15. Januar 2011

Wikipedia – Die freie Enzyklopädie wird 10

Herzlichen Glückwunsch dazu. Und die restlichen, doch sehr teuer zu erkaufenden, Enzyklopädien werden es verfluchen. Denn diese, in der Regel sehr seriös gemachten, Nachschlagewerke sind so gut wie nicht mehr gefragt. Selbst Versuche von Microsoft sind, halbherzig gemacht, gescheitert.

Anfangs habe ich die, doch sehr dürftige, deutsche Version von Wikipedia skeptisch betrachtet, später auch intensiv genutzt und sehr kurzzeitig auch mal geschrieben bzw. korrigiert. Aber zum einen fehlt die Zeit, zum anderen ein spezielles Wissen, dass man belegt einbringen könnte. Auch wenn Wikipedia vom mitmachen der User lebt so steht und fällt es auch  mit der Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit der Schreiber. Und meine anfängliche Skepsis ist eine dauerhafte geworden. Vor allem Beiträge über Musiker, Schauspieler, Künstler sind oftmals vom Fangeschwärme geprägt – ebenso das Profil von Politikern von deren Mitarbeitern verfasst worden zu sein scheint. Städte- und Länderinformationen sind dem Gefühl nach von den jeweiligen Presse- und Öffentlichkeitsmitarbeitern gemacht und bei kirchlichen und historischen Themen sollte man auch Vorsicht walten lassen. Und bei medizynischen Themen muss man schon mal grübeln, ob da wirklich fachkundiges Personal geschrieben hat oder irgendwelche Esoteriker.

Und da kommt doch das Gute an Wikipedia zum Vorschein – das Wissen der Welt wird nicht nur miteinander geteilt – es wird auch miteinander kontrolliert. Und das macht unterm Strich tatsächlich eine wertvolle Wissensquelle aus Wikipedia. Ich möchte es nicht mehr missen. Auch wenn ich die Beiträge mit einer gewissen Skepsis lese. Also:

Alles Gute für die nächsten 10 Jahre Wikipedia.

Wikipedia – Die freie Enzyklopädie

Donnerstag, 6. Januar 2011

Pläne für dieses Jahr

Seit drei Jahren fummel ich mehr denn zu schreiben an einen autobiografischen Fiktionsroman herum. Grundlage sollte (und soll auch immer noch) mein ja doch durchaus bewegtes Leben dienen. Aber irgendwie bin ich mehrmals schreibgehemmt ausgebremst. Doch jetzt soll es weiter gehen. Und zwar als Übung mit einem Krimi. Plot ist durch zwei Dinge bestimmt: 1. Die Warnung vor Eiszapfen an Häuserdächern. Und 2. ein Fall von Inspektor Columbo, bei dem eine Person mit einem Eiszapfen erdolcht wurde.

Plot, in etwa: Wohlhabender, aber geiziger Pensionär, Witwer, will Geld sparen und die Eiszapfen selber vom Dach entfernen. Samstags Abend also einen langen Besen aus dem Geräteschuppen, den Blick nach oben, vor Anstrengung offener Mund - und es löst sich ein Zapfen, dringt durch den offenen Mund in den Rachen. Panisch, aber erstickend läßt der Mann den Besen los. der in den Schuppen fällt. Die GeräteschuppenTür stößt der Mann dabei zu und torkelt ins Haus. Dabei fällt die Türe ins Schloß. Den Kopf nach unten beugen kann er nicht, weil der Zapfen blockiert. Er stolpert, vor Angst panisch und blind, die Treppe zum Heizungskeller runter, stößt sich den Kopf am Ofen und fällt bewußtlos rücklings auf den Boden direkt vor dem Heizungsofen. Natürlich erstickt der Mann, der Zapfen schmilzt und das Wasser sammelt sich in der Lunge. So wird er am Montag von der Haushälterin gefunden. Nichts weist auf den Unglücksfall hin und so steht die Kripo vor einem Rätsel. Und es gibt schnell Tatverdächtige, die den armen Mann ertränkt haben sollen: die 4 leiblichen Kinder und der, naja, Ziehsohn, der aus einer außerehelichen Beziehung stammt. Soweit der Einstieg.

Ideen, die den Plot weiterbringen, sind jederzeit gerne willkommen.

Sonntag, 2. Januar 2011

Das war es – auf geht’s

Jetzt ist das neue Jahr schon zwei Tage alt. Und im Prinzip zeichnet sich ab, dass es genau so spannend und langweilig und aufregend wird wie das vergangene Jahr. Man nimmt sich vor, was zu ändern, in Angriff zu nehmen oder zu beenden. Nur, um einige Zeit später alles auf “wie immer” zu drehen.

Fest steht, dass das neue Jahr teurer wird. So, wie das alte zuvor auch schon. Das sich Regeln ändern. Wie auch schon zuvor. Menschen werden gehen, andere kommen. Wie schon zuvor. Es gibt nichts Neues unter der Sonne, sagt Kohelet, der Prediger des Alten Testaments. Alles nur Haschen nach dem Wind, nichts mit Bestand; vulgo: sinnlos. Die ganze Existenz. Vergebens. Alles.

Diese positive Sichtweise mag nicht jeder teilen. Letztendlich ist doch das Leben dass, was man daraus macht. Sich Ziele setzt. Kohelet sieht die Sinnlosigkeit wenn nicht alles aus Gott und zu ihm kommt. Damit relativiert sich diese scheinbar negative Sichtweise und bietet eine Lösung an. Die nicht jedem gefällt oder es glauben mag. Gleichwohl: Der Mensch hetzt sich ab auf der Suche nach Glück und Erfüllung – und gewinnt dabei nichts.

Im letzten Jahr habe ich damit angefangen, mein Leben zu entschleunigen. Die Jahre zuvor, im Prinzip seit 1982, habe ich mich vom Stand null ohne jeglichen Besitz außer die Kleidung, die ich am Leibe trug (und ein wenig im Rucksack) zu einem Familienvater mit einem gutbezahlten, sicheren Job entwickelt. Ein harter Weg, der durch meine Kindheitserfahrungen geprägt war und viel Kraft kostete. Eine schwere Erkrankung bremste mich vor gut 5 Jahren aus und ließ mich nachdenklich, ja, schon depressiv werden. Und so kam ich darauf, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und lebe mehr. Es tut gut. Das werde ich im neuen Jahr weiter ausbauen und Ballast abwerfen.

Das was ich aber nicht mache, ist zu verachten was ich erreicht habe. Mit der Historie grenzt es schon an ein Wunder, dass ich das geschafft habe. Dennoch: auch das ist vergänglich. Das streben nach Glück und Zufriedenheit ist auch nur – Haschen nach Wind.

Freitag, 24. Dezember 2010

Besinnlichlosigkeit

 Lichtermeer Also ist es wieder so weit. Weihnacht. In der vorweihnachtlichen Zeit merkte man es deutlich: Je näher Weihnacht rückte desto aggressiver die Menschen. Was sich vor allem im täglichen Einkauf bemerkbar machte. Und welch’ Wahnsinns Hatz Menschen Jagd auf Beute, vulgo: Geschenke, machten. Und das scheint ja Sinn des Festes zu sein: Geschenke. Die Hochzeit des Kommerz, mag man meinen. Ob irgendwer noch den wahren Sinn von Weihnacht kennt?

Nun gut. Immer weniger Menschen in diesem Land haben mit dem Christentum was am Kopf. Dennoch: Eigentlich wird ja gedacht der Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth. Das größte Geschenk überhaupt. Insofern mag das gegenseitige Schenken als Wertschätzung ja seinen Sinn haben. Aber steckt nicht etwas mehr dahinter? Nämlich “Liebe”? Nennt man das Weihnachtsfest doch auch das Fest der Liebe. Und wäre damit nicht schon erklärt, worauf es tatsächlich ankommt?

Wie auch immer. Mir kamen die Menschen in der Mehrheit so vor als würde das Beschenken nur eine Pflichtübung sein. Und nicht liebevoll ausgesucht. Und vielleicht auch daher der Stress und die daraus resultierende Aggression. Mal ein paar Gänge zurückschalten, relaxen und mehr Gemeinschaft. Wäre doch mal was.

Allen eine besinnliche Weihnacht.

Sonntag, 28. November 2010

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

31.12.06 018 
Also ist es wieder so weit: Die Adventszeit ist angebrochen. In vielen Haushalten brennt die erste Kerze am Adventskranz, irgendwann brennen alle und so mancher Haushalt auch. Vorsicht also.
Die Vorboten liegen gefühlt seit Ostern in den Geschäften – Marzipanbrote, Schokoweihnachtsmänner, Oblaten, Spekulatien….. Die Anzahl der Parfümwerbungen verdichtet sich, die Elektromärkte beginnen mit dem Overkill an Annoncen – und dazu passt die Meldung, dass dieses Jahr der profane Deutsche so etwa 250,- € an Weihnachtsgeschenke kaufen wird. Da ich vermute, dass die Hartz IV - Abhängingen nicht dazu gehören (oder etwa doch?) dürfte die, ääh, Dunkelziffer noch höher liegen. Merke: Weihnachten ist allem Anschein nach ein Fest zur Geburt des Sohnes des Gottes Mammon, genannt Konsum.
Die Religion heißt Kapitalismus, niemand weiss wirklich, dass er sie verehrt und betet an der Hl. Konsum. So zumindest hätte es den Anschein, wenn ich als, na sagen wir, Außerirdischer diesen Planeten beehren würde – also so wie in echt. Dazu kommen so viele kleine Details, die belegen, dass dieses Fest familiäre Strukturen zu zerstören sucht. Oder warum sind so viele Beziehungen und Familienstrukturen spätestens an Heilig Abend, dem Höhepunkt Disneyschen Kitsches, schwer in der Krise?
Und ich habe den Eindruck, dass das von Jahr zu Jahr schlimmer wird. Und aus dem Blick verloren geht, was Advent und die Weihnachtszeit wirklich ausmacht.  Man ahnt es allenfalls noch. Um das schlechte Gewissen, was einen da plagen mag, wissen die diversen Hilfsorganisationen und inszenieren daher Spendenaufrufe mit verhungernden Kindern oder leidenden Tiere; Tierleid, was manchem Zeitgenossen ohnehin schlimmer erscheint als das Leid der Kinder; und man ist geneigt anzunehmen, dass die Hilfsorganisationen so manche Katastrophe exakt in die Vorweihnachtszeit zu legen wissen….
Sicher, dieses Weihnachten ist wohl aus dem Mithras-Kult, den Saturnalien der Römer und diversen Sonnenwendenfeierlichkeiten der Kelten und Germanen hervorgegangen sein und vom Christentum mit dem entsprechenden Inhalten gefüllt worden zu sein – quasi adaptiert und dann adoptiert – gleichwohl bedeutet es aber dennoch etwas, dass sich auch Nicht-Religiöse anziehen können. Wenn schon nicht auf die Ankunft des Lichtbringers zu warten, die Geburt des Christos, so doch den Sinn dahinter annehmen. Und der ist nicht Geschenke noch und noch, je teurer desto besser oder Glühweinorgien auf dem Weihnachtsmarkt oder… Nein. Es ist der Gedanke, die Idee, dass eine Höhere Macht in unser Leben eingreift, vielleicht zum Besseren wendet, dass diese Höhere Macht eins ist mit uns Menschen. Das Hoffnung ist in dem ganzen Dunkel des Seins. Eben: ein Licht uns leuchtet, dass uns leitet, uns wärmt. Und dass wir uns in dieser Zeit mit den längsten Nächten gegenseitig bewusst machen, dass wir uns haben und uns wertschätzen.
Ich jedenfalls, als Atheist, schätze diese Zeit eher als Zeit der Besinnung und weniger als Schlacht um das größte und beste Geschenk. Denn dass ist uns längst gegeben: unser Leben.

Freitag, 27. August 2010

Sarrazin und die Wahrheit

Thilo Sarrazin ist schön öfter angeeckt, förmlich eingeschlagen. Kaum zu glauben, dass der Mann Sozialdemokrat ist – was die SPD auch gerne schnell geändert sehen will.

Von der Kanzlerin (CDU) bis hin zum kleinen SPD-Ortsverbandsvorsitzenden aus Wanne-Nord schlägt Sarrazin Gegenwind entgegen, es wird ihm geraten, den Mund zu halten oder auch, in die NPD einzutreten. Es ist modern, geradezu schick, dass sich der moderne Gutmensch gegen Sarrazin formiert.

Zugegeben: ich habe sein Buch (noch nicht) gelesen. Aber dass habe ich allem Anschein nach mit den meisten seiner Kritiker gemein. Niemand hat dieses Buch wirklich gelesen und reflektiert und hat seine Informationen, was Sarrazin angeblich gesagt oder gemeint hat, aus der “BILD” oder der TAZ.

Aber kann es sein, dass Thilo Sarrazin nur genau beobachtet, was in Deutschland (und letzten Endes in ganz Europa) vor sich geht und er seine persönlichen Erkenntnisse daraus zieht? Und dass Sarrazin tatsächlich nahe an einer Wahrheit ist, die vielen unangenehm ist? Weil hier das scheitern der Politik offenbar wird und eine Fehlentwicklung in der Gesellschaft aufgezeigt wir, die viele verunsichert aber keiner anzusprechen wagt? Zumindest keiner, der nicht in die rechte Ecke gezwungen wird oder Angst vor der Nazi-Keule hat, die so mancher Gutmensch vorschnell schwingt.

Vieles von dem, was er anspricht, entspricht dem, was ich selbst beobachten kann. Und was eigentlich jeder, der ein offenes Auge hat, sehen kann. Wenn er will. Integration gerade muslimischer Einwanderer ist weitgehend gescheitert, ungeachtet der Vorzeige-Integrierten. Denn genau die sind nicht so sehr begeistert über dass, was sich da abzeichnet. Sarrazin zehrt sicher von seinen Beobachtungen aus seiner Zeit als Senator in Berlin, Stichwort “Neukölln”. Doch dass, was da passiert, geschieht auch in Duisburg und anderen Städten. Dass Muslime undurchsichtig handeln drängt sich nicht nur nach den Vorgängen rund um die Marxloher Moschee auf. Während sich die meisten hier lebenden Volksgruppen; Spanier, Italiener, Inder usw.; relativ problemlos anpassen ist das hauptsächlich bei muslimisch geprägten Volksgruppen nicht der Fall. Zudem ist die Kriminalitätsrate gemessen am Bevölkerungsanteil enorm hoch. Dass lässt die Gesellschaft nicht kalt und so fallen populistisch geprägte Politiker oder Gruppen auf fruchtbaren Boden. Keiner traut sich wirklich, auszusprechen was ihm dabei Angst und Sorge macht, weil niemand gerne in die rassistische, rechte Naziecke gedrängt wird.

Nun ist es nicht zwingend dramatisch, wenn eine Gesellschaft dem Ende entgegen drängt. In der Geschichte ist das öfter passiert. Die Frage ist, ob und wenn ja, was man dagegen zu tun gedenkt. Hier fehlt der Politik der Mut ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Insofern stößt Sarrazin in ein Wespennest und berührt die Politik auf Unangenehmste.

Das gilt natürlich auch für den zweiten Schwerpunkt, den sich Sarrazin ausgesucht hat. Die Sozialhilfe bzw. ALII. Seine bisherigen Vorschläge muten, na, sind wir mal höflich, eher skurill an. Gegen Kälte auch mal den Strickpullover rausholen anstatt zu heizen…. Gut, kann man machen. Insbesondere viele, die ein, wenn auch geringes, Einkommen haben genau dies machen um Geld zu sparen. Und genau hier liegt auch die Crux: manch Familie mit Hartz IV hat mehr Einkommen als so mancher, der ein Lohn-Einkommen hat. Oder liegt Netto nicht weit davon weg, allerdings ohne die Kosten aufbringen zu müssen, die Arbeitnehmer tragen müssen. Sicher, die meisten Bezieher von Hartz IV sind Aufstocker. Aber in der Kritik geht es um die Höhe von AL II –Bezüge. Und die Forderung nach Zuschüsse z.B. für Kultur – wegen einer Teilhabe. Arbeitnehmer haben das nicht und kommen auch über die Runden ohne teilhabe am Kulturbereich. es sei denn, sie sparen es sich quasi vom Mund ab. Aber richtig eingesetzt reicht Hartz IV allemal. Und genau hier setzt Sarrazin an und fordert nichts anderes als das Geld richtig zu verwenden. Er hält auch die Armenküchen aka Tafeln für überflüssig und als falsches Signal. Und bietet insgesamt auch Lösungen an und kritisiert nicht nur.

Alles in Allem: Man muss Sarrazin nicht zustimmen – letztendlich wirken seine Aussagen schon arg populistisch – aber bedenkenswert sind seine Aussagen schon. Denn sie zeigen eine Fehlentwicklung auf und ihre möglichen Konsequenzen für die Zukunft und bieten schlussendlich auch mögliche Lösungsansätze an. Man sollte also mal genau schauen wer Sarrazin kritisiert und wie und warum das so geschieht. Und mal überlegen, ob nicht auch etwas Wahres an den Sprüchen des Sarrazins ist.

Debatte: Sarrazin will kein „Fremder im eigenen Land“ sein - Nachrichten - DerWesten

Mittwoch, 28. Juli 2010

Schuld und Sühne


“Wer unter euch ohne Schuld ist der werfe den ersten Stein!”
Jesus von Nazareth
Der Innenminister des Landes NRW hat einen Zwischenbericht zum Drama der Loveparde in Duisburg vorgelegt. Dem Veranstalter wird die Hauptschuld zugewiesen.
Das ist wahrscheinlich auch zutreffend, denn Einwände der Behörden sind nicht beachtet worden und Auflagen und versprochene Maßnahmen wurden nicht eingehalten. Gleichsam stellt sich aber die Frage, wieso die Behörden dann nicht die Veranstaltung abgesagt haben.
Und damit sind wir an einem Punkt, wie man “Schuld” definieren muss. Ungeachtet strafrechtlicher Relevanz gibt es auch Verantwortung und Moral, an der man schuldig werden kann.
Den Veranstalter trifft mit Sicherheit die Hauptschuld. Er drängte auf Genehmigung, drohte, erzeugte Druck und die Vorschriften und Absprachen hielt er nicht oder nur unvollständig ein. Schaller hantierte mit falschen Zahlen und manipulierte anscheinend.
Der Oberbürgermeister. Adolf Sauerland ist sicher nicht einfach zu bewerten. Unabhängig einer noch nachzuweisender persönlichen Schuld im rechtlichen Sinne hat er die politische Verantwortung zur Gänze und hätte eigentlich zurücktreten müssen. er hängt an dem Job, vielleicht allein noch, um Einfluss auf die Aufklärung der Umstände haben zu können. Fest steht wohl, dass Sauerland unter großem Druck stand, diese Loveparade in Duisburg durchzuziehen. Egal wie. Für das Image Duisburgs, des Ruhrgebiets, der Ruhr 2010. Der stets um ein gutes Image für Duisburg bemühte Mann schoss anscheinend über das Ziel hinaus und ignorierte Sicherheitsbedenken. Dabei müsste er wie jeder Duisburger die Örtlichkeit kennen und die gleiche Skepsis gehabt haben. Müsste, hat er aber wohl nicht. Wie auch immer, es ist dem Druck, dem sich Sauerland selbst ausgesetzt hat und von Dritten verstärkt wurde, geschuldet. Und bei den “Dritten” kommen wir doch zu einer Vielzahl Menschen.
Zum Beispiel der Rat der Stadt Duisburg, der sich vornehm mit Kritik zurückhält. Denn in der Vorbereitungsphase war der Fokus auf das Pekunäre und nicht auf Sicherheit oder Durchführbarkeit gerichtet. Im Gegenteil, aus dem Rat kam einhellig die Aufforderung, die Loveparade durchzuführen. Unbedingt.
Der gebürtige Duisburger Fritz Pleitgen und Dieter Gorny, leitende Personen der Ruhr 2010. Von dort wurde der Druck durch die Forderung nach Durchführung zur Ruhr 2010 erhöht. Eine weitere Absage nach Bochum wäre zu peinlich. Pleitgen hat anscheinend eine Ahnung seiner Schuld – weist aber Verantwortung, natürlich, weit von sich.
Die Landespolitik, allen voran die Regierung Rüttgers und seine Staatskanzlei, die sich ebenfalls massiv einmischte und den Druck nochmals erhöhte – und das wohl auch mit Landesmittel an Duisburg untermauerte. Was keine Steilvorlage für die Opposition sein kann, die ja heute Regierung ist. Sehr massiv forderte die damalige Oppositionsführerin Hannelore Kraft,dass es möglich gemacht werden muss, die Loveparade in Duisburg durchzuführen.
Und sicher auch die Presse, allen voran die WAZ. Die Oberbürgermeisterin von Bochum wurde nach der Absage vorgeführt und in jeder Weise die Loveparade in Duisburg forciert. Kritiker wurden mehr oder weniger als Nestbeschmutzer dargestellt oder gar nicht groß beachtet. Es fand mehr oder weniger eine Hofberichterstattung statt. Das scheint der WAZ so peinlich, dass sie allem Anschein nach einige der Artikel aus dem Archiv von “derwesten.de” entfernt haben. Jedenfalls sind sie nicht auffindbar.
Nun fordern alle den Kopf von OB Sauerland. manchen Zeitgenossen nehmen dass zu wörtlich und drohen mit Mord. Bei aller berechtigten Forderung nach Rücktritt: So kann man mit Sauerland auch nicht umgehen. Denn alle haben sich zu fragen: Habe ich nicht auch dazu beigetragen, dass es in diesem Unglück endete?
Denn durch diesen ganzen Druck wurden diese Fehlentscheidungen getroffen. Unter der Prämisse “Die Loveparade MUSS stattfinden” mündete alles in der Katastrophe an der Karl-Lehr-Straße im Gelben Bogen. Dass hier vielleicht Fehleinschätzungen der Polizei vor Ort oder auch der Ordner folgten ist eventuell Fahrlässigkeit aber zwangsläufig Folge aller vorherigen Fehlentscheidungen.
Sicher wird Sauerland und sein Dezernent Rabe den Hut nehmen müssen. Aber wer ohne Schuld, der werfe den ersten Stein

Sonntag, 25. Juli 2010

Die Todesparade

Was hat sich Duisburg bemüht, die so beliebte Loveparade auszurichten. Nun ist diese Veranstaltung, die für Liebe und Spass stehen sollte, zu einer Trauerveranstaltung geworden.

Die Verantwortlichen weisen indes alle Schuld von sich und sehen eher die Schuld bei den Ravern, die sich nicht entsprechend verhalten hätten. Sicher, so eine Massenpanik hat oft einen Ursprung, der sich nicht kontrollieren lässt und nicht von Veranstaltern und Sicherheitskräften beeinflusst ist.

Die Fehler sind schon im Vorfeld passiert. Bochum hat aus Sicherheitsgründen die Loveparade abgesagt – Duisburg war sich sicher, die Veranstaltung durchführen zu können. Platz in der 450.000 Einwohner-Stadt für 1-2 Millionen Gäste ist bestimmt irgendwo. Nur nicht da, wo die Loveparade dann stattgefunden hat. Kritik an diesen Ort wurden aber im Vorfeld abgewürgt.

Im Prinzip konnte man bei einer Panik schon auf dem begrenzten Areal des ehemaligen Güterbahnhofs mit Toten rechnen – größer war die Gefahr aber sicher, wie sich ja leider bestätigt hat, der Eingang zum Gelände an der Karl-Lehr-Straße in einem eher schmalen Autotunnel.

Und nun sind aktuell 19 junge Menschen tot und weiter 300 zum Teil schwer verletzt. Dafür werden sich wohl einige verantworten müssen. Der Veranstalter will nie wieder eine Loveparade durchführen. Was sicher auch dem Eindruck der ersten Stunde geschuldet ist. Gleichwohl muss der ganze Vorgang aufgeklärt werden und die Verantwortlichen benannt werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Staatsanwaltschaft ermittelt - Veranstalter schweigen RP ONLINE

Montag, 12. Juli 2010

WM, Politik und so

Ja, die WM ist vorbei, Spanien mehr oder weniger verdient Weltmeister und die einzige Mannschaft, die wirklich überzeugt hat in einer spielerisch sehr schlechten WM, ausgerechnet die deutsche Nationalelf. Für das positive Image, das sich die Mannschaft erarbeitet hat, wird der Trainer Joachim Löw mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. So will es der neue Bundespräsident Christian Wulff.

Und da ist sie, die Schnittmenge von Politik und Sport. Wobei ja schon die Entscheidung, die WM in Südafrika auszurichten, ein Politikum wurde – und die Afrikaner den Befürchtungen Lügen straften. Was bleibt, sind jede Menge Stadien, die in Afrika kein Mensch braucht und immer noch eine ungesunde Infrastruktur.

Aber, mal Hand aufs Herz, ist alles passiert, als die WM gelaufen ist. Es wichtiger war, was Maradonna so von sich gibt als das, was der BP – Chef so nicht sagte. Oder was hat die Regierung so durch gewunken? Eine sozial ungerechte Sache, nämlich die einseitige Belastung durch eine unausgewogene, naja, Gesundheitsreform. Und vieles mehr. Für ein besseres Image hat sich dann Merkel bei den Jungs in Südafrika blicken lassen. Von deren Teamarbeit sich die Regierungsmannschaft übrigens eine Scheibe abschneiden kann. Meint zumindest Bundes-Wulff.

Und in NRW schickt sich mit voller Kraft eine Minderheitsregierung von Rot-Grün eine Politik von Gestern anzugehen. Was auch keinen interessiert. Am Mittwoch schaut man sicherlich genauer hin, ob Kraft im ersten Wahlgang auch alle Stimmen der Koalition bekommt. Spätestens mit der Einbringung des Haushalts wird die Regierung Kraft scheitern. Mal sehen, ob die sich überhaupt bis dahin halten. Vorsichtshalber schiebt man die Schuld an einem möglichen, eher wahrscheinlichen, Scheitern an die Richtung der Opposition.

Größter Knackpunkt wird die Schulpolitik sein. Bislang ist es der SPD in ihrem Wahn von angeblich sozialer Gerechtigkeit das Niveau abzusenken. Allerdings ist es der CDU auch nicht gelungen, in 5 Jahren hier eine Steigerung zu erreichen. Ein weites, vermintes Feld.

::merkur.de (Rheinischer Merkur): 2010_27.Schulkrieg light::

Donnerstag, 1. Juli 2010

Sich einen Wulff wählen und andere GAUCKler

Wenn ich auch grade feststelle, dass ich mich wenig um mein Block kümmere, da ich doch vieles im Facebook kommentiere, so komme ich doch nicht umhin, mal wieder etwas zu schreiben.

Gestern also hat die Bundesversammlung Christian Wulff zum neuen Bundespräsidenten gewählt. In drei Wahlgängen, da Wulff zwei Mal nicht die erforderliche Mehrheit bekommen hatte – und dass mehr als deutlich. Der neue Bundespräsident ist durch die politische Taktiererei der Kanzlerin angekratzt bevor er das Amt antritt. Wobei ausgerechnet wohl Roland Koch für die Kanzlerin in die Bresche sprang und die eigenen Reihen geordnet hat.

Dabei hätte Merkel sehr wohl selber auf den Kandidaten Gauck kommen können. Hatte sie diesen doch selbst hoch Gelobt. Dazu wurde ja wohl auch ein Signal von der SPD ausgesandt, dass man sich auf Gauck verständigen könne. Merkel solle ihn nur vorschlagen. Sie hat nicht, sondern auf der Suche nach Eintracht in der hoffnungslos zerstrittenen Wunschkoalition einen weiteren politischen Rivalen kaltstellen wollen und Wulff, den man durchaus für Kanzlerfähig hält, mit dem Vorschlag quasi kaltgestellt.

Angela Merkel hat einen Denkzettel verpasst bekommen für ihre Politik. In der Union sind viele unzufrieden mit der Kanzlerin und CDU-Vorsitzenden. Wie sie sich von FDP-Chef Westerwelle auf der Nase rumtanzen lässt. Oder zögerlich in der Krise handelt, wenn sie überhaupt handelt. Wie sie fähige Leute, die ihr parteipolitisch gefährlich werden könnten, weg ekelt. Siehe Merz oder Koch. Von denen man selbst nicht halten muss – aber sie haben Profil und stehen für einen wichtigen Flügel in der Union.

Der Opposition ist es gelungen, die Regierung Bloß zu stellen. Ob das Sinn machte, sei Dahin gestellt. Die SPD gab jedenfalls den Linken die Schuld am scheitern Gaucks – was aber nicht wundern sollte, weil zum einen Gauck in den Linken immer noch die alte SED sieht und zum anderen, weil die Linke immer wieder Tritte von der SPD bekommt. Insofern kann die Linke sich getrost sperren gegen die SPD-Bemühungen.

So spricht vieles dafür, das Volk selbst ihren Präsidenten wählen zu lassen – vielleicht hätte gestern auch Wulff gewonnen. Ein schlechter Typ ist er nun auch nicht. Aber er wäre wirklich ein Präsident des Volkes geworden. Jetzt bleibt immer ein bitterer Nachgeschmack.