Freitag, 16. August 2013

Polizeidesaster– Politikversagen – Ekelmedien: 25 Jahre Gladbecker Geiseldrama


Am Wochenanfang habe ich im “Focus” den Bericht und das Interview mit Ines Voitle, die überlebende Geisel, gelesen. Es gab eine kurze Doku in der “Aktuellen Stunde” zum Thema und die Berichterstattung über die mögliche Freilassung des grenzdebilen Mörders Degowski. Und die gallige Erinnerung an eines der widerlichsten Geschehnisse, die je in der BRD passierten, kamen wieder hoch.
Interessanter Weise hat meine Tochter (17) den Artikel gelesen und die Berichte im TV mit Interesse verfolgt – und sich empört über das, was damals geschehen ist. Über das, was man damals in etwa Gleichaltrigen angetan hat, wie man mit den Geiseln umging, wie die Polizei versagt hat und wie sich die Medien verhalten haben. Unglauben, als ich ihr sagte, dass ein Journalist den Geiselgangstern sogar den Weg aus Köln gezeigt hat. Wir haben lange diskutiert.
Was zeigt, wie dieses Ereignis nachwirkt.
Ich habe damals die Berichterstattung mit Faszination und Ekel verfolgt. Man konnte sich dem kaum entziehen. Verwunderung, dass Reporter mit den Geiselnehmer in der Bank telefonieren konnten. Dass einer wie Frank Plasberg ein Live-Interview führen konnte. Wie man erfuhr, dass die Gangster auf der Flucht noch die Lebensgefährtin von Rösner abgeholt haben. Wie man nicht in der Lage war, die Verbrecher zu stoppen. Dass Journalisten sich für die Geiseln austauschen ließen. Und dann der Linienbus in Bremen gekapert wurde. Wieso konnten Journalisten in den Bus um Fotos zu machen? Warum konnten die Geiselnehmer mit dem Bus in die Niederlande flüchten? Wieso war kein Krankenwagen in der Nähe als Degowski den jungen Italiener erschossen hat? Und dann die widerlichste aller Szenen: Der von den Niederländern zur Verfügung gestellte Flucht-BMW mit den drei Geiselgangstern und den Geiseln Ines Voitle und Silke Bischoff mitten in Köln – umlagert von einer Meute Reportern, TV-Kameras. Unglaublich. Ich werde nie, in Ewigkeit nicht, den Gesichtsausdruck von Silke Bischoff vergessen, die Waffe von Degowski, der sie auch noch in die Polster drückte, am Hals. Und sie gefragt wurde, wie es ihr ginge. Und sie mit diesem panischen, angsterfüllten Gesichtsausdruck antwortete: Gut.
Ein paar Stunden später war sie tot. Und der Rest der Wagenbesatzung schwer verletzt – wegen einer mehr als dilettantischen Befreiungsaktion auf der Autobahn.
Wie traumatisiert die Geiseln immer noch sind zeigt sich an den Aussagen von Ines Voitle im “Focus” – dem  Blatt, dass damals noch nicht existierte – und die kurze Erwähnung, was mit der Schwester des jungen Italieners passiert ist, die ja mit ansehen musste, wie ihr Bruder erschossen wurde. Und dass man nichts, aber rein gar nichts für die Geiseln getan hat.
Wie mag es den Angestellten der Bank ergangen sein? Den Geiseln aus dem Bus? Den Angehörigen des verunglückten holländischen Polizisten? Scheint nicht von Interesse sein. Rösner und Degowski stehen immer noch im Vordergrund der Berichterstattung. Und die Empörung darüber, dass Degowski wohl auf seine Freilassung vorbereitet werden soll. Rösner heiraten will. Und vielleicht auch in einigen Jahren Frei kommt.
Sicher: Die Polizei war mit der Situation völlig überfordert. Ebenso die politischen Entscheidungsträger. Was am meisten anwiderte, jedenfalls mich, war die Rolle der Medien. Die wird auch gerne bei Dokus über dieses Ereignis so nebenher erwähnt. Konzentriert wird sich auf das Versagen der Sicherheitskräfte.
Heute, am 16.08.2013, 25 Jahre nach dem Ereignis, gibt es eine Dokumentation auf dem WDR. Zur Zuschauerfreundlichen Zeit um 23:15 Uhr. Da schaut man bestimmt gerne zu.

Gladbecker Geiseldrama: 54 Stunden Staatsversagen - Inland - FAZ

Sonntag, 14. Juli 2013

Predigt zum Sonntag, 14.Juli

Und siehe, spricht der HERR Dataguck, es wird sein die Zeit, wo der Prophet der Offenbarung sein Haus sucht im Land der Tataren und doch lieber Tango tanzt. Und zu dieser Zeit wird der falsche Prophet der Späher erzürnt aufstehen und seinen Zorn über die Welt senden. Und dann, so der HERR der Onliner, wird es sein dass alle alles wissen über jeden und keiner wird mehr sein als weniger wie zuvor. Und der große Prophet der Pfeifenblaser wird geben sein Wissen in das System der Dinge und die Dinge werden sein das System. Seid überwachsam, so spricht der HERR, und gebet nichts preis was nicht schon alle wissen. Also alles und jedes. Und so wird sein eine Welt der Erkenntnis von Gut und Böse.

Freitag, 12. Juli 2013

Lieber John

Lieber Officer in Charge bei der NSA, ich denke, du heisst John Smith wie deine Kollegen alle auch. Gerne würde ich mal ein Treffen der lokalen Überwachtengruppe organisert sehen. Da du sicherlich, so als "Gruppenleiter", die Anschriften aller deiner...Schützlinge... haben dürftest könntest du doch das Treffen wesentlich einfacher organisieren? Einfach mal ein Datum ausschauen, den Leuten in den Outlook-Kalender eintragen und los gehts. Vielleicht hier in der Nähe, du kennst ja die Lieblingslokalitäten deiner Leute. Es gibt da bestimmt Schnittstellen, z.B. das Fiddlers in MOers. Wegen der Kosten solltest Du dir auch keine Gedanken machen, John. Schicke die Rechnung einfach an unsere Bundesregierung - die zahlt alles. Ich freue mich schon, dich und meine Mitüberwachten mal persönlich kennen zu lernen. Aber das weisst du sicher schon.

Mit lieben Grüßen
Du weisst schon von wem

Dienstag, 9. Juli 2013

Trau, Schau, Wem



Liebe NSA, lieber BND und MI6 und wer sonst so meine Daten goutiert: Ich suche eine alte Datei, in der ich mich über den Überwachungsstaat ausgelassen habe – ist schon so 10 Jahre her und war ein Blog-Beitrag. Das Blog existiert nicht mehr und ich finde die Word-Datei nicht mehr. Ihr könnt mir da bestimmt weiter helfen?! Danke schon mal.

Keiner weiß was und wenn, dann nur unvollständig – also dass, was man nachweisen kann. Jeder Staat hat von dem anderen profitiert im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Vor allem die, die solche Datenspeicherungen nicht durchführen dürfen. Und abgleichen schon mal gar nicht.

Und plötzlich, weil einer petzt was ohnehin schon alle wussten, regen sich die Offiziellen auf. Wobei nicht einmal sicher ist ob auch alles so richtig ist was da ausgeplaudert wurde. Der wirklich Ahnungslosen ist mal wieder der gemeine Bürger, der nicht weiß wie ihm geschieht. Wirklich nicht?

Da geht also Hans Müller ins Internet, googelt bis zu Besinnungslosigkeit und freut sich über die Vorschläge, die man ihm macht. Genauso, wenn er sich bei Amazon für etwas interessiert – erstaunlich, wie passend weitere Vorschläge doch manchmal sind. Und das kann man dann doch mal der Öffentlichkeit bei Facebook mitteilen. (Nun gut, warum ich Vorschläge betreffend Autos bekomme kann ich nicht nachvollziehen).

Gleichzeitig wird in diversen Medien immer wieder über Datenklau, Internetüberwachung und so weiter berichtet. Und das Ende des freien Internet bedauert. Eine Erfindung, die ursprünglich für das Militär entwickelt wurde. Na, prima. Und der gemeine User heult mit – dieser brutale Verlust der Intimsphäre – oh Gottogott. Nicht, dass man ohnehin alles Interessante von ihm in sozialen Netzwerken lesen kann. Und das fällt dem gemeinen User dann doch wieder ein. Und denkt sich: Hey, wenn ich nichts zu verbergen habe dann kann mir das doch egal sein. Dient doch auch meiner Sicherheit...

Nur: Es geht niemanden etwas an dass ich nichts zu verbergen habe. Es sei denn, ich gebe es freiwillig preis. Diese Datensammelwut von demokratischen Staaten mag da eher von marginaler Bedeutung sein – ein möglicher Missbrauch ist da eher unwahrscheinlich. Aber der Gedanke, dass man etwas sammelt was mir peinlich sein könnte verursacht doch einen Schnitt in meinem Denken – in dem ich von solchen Unternehmen Abschied nehme. Oder mich nicht mehr frei äußere. Man weiß ja nie...

Und somit kommen viele Dinge zusammen, die dafür sorgen können dass die Orwellsche Vision in einer bestimmten Art und Weise doch noch Realität wird. Und das beunruhigt mich.

In etwa diese Richtung, liebe NSA, ging mein Beitrag damals. Vielleicht könnt ihr mir die Datei nochmal zusenden? E-Mail habt ihr ja.

Sonntag, 9. Juni 2013

Predigt zum Sonntag

Höret und schwimmet, spricht der Herr der Wellenkämme, denn es wird sein eine Zeit der Feuchtgebiete. Mitten in eure Zimmer werden sie sein Und sich holen was euch am Herzen liegt. Doch der HERR schickt euch seine Propheten. Ihr erkennet sie an Gummistiefel und falschem Reden. Gebet nichts auf sie, denn der HERR will euch nur prüfen. Doch eine große Gemeinschaft sollt ihr sein und es wird euch vieles zugetan.

Sonntag, 2. Juni 2013

Das Rezept für gefüllte Paprika

Auf vielfachen Wunsch hier also das Rezept für die gefüllten Paprika vom letzten Wochenende:

Paprika400 ml Gemüsebrühe

30 g Butter

200 g Bulgur

1 große Zwiebel

4 Knoblauchzehen

2 rote Pepperoni

4 Lauchzwiebeln

60 g Kirschtomaten,

150 g Feta-Käse

5 EL Olivenöl

1 EL Weißweinessig

Salz

Pfeffer

Cayennepfeffer

10 Gemüsepaprika

rot, gelb, grün, orange

Tomatenmark

1 Dose gest. Tomaten

Tomatenmark (mit Wasser

verrührt)

150 g Sahnejoghurt

2–3 EL Zitronensaft

frische Minze, ersatzweise

glatte Petersilie,

4oog Rindergehacktes

Zwiebel und Knoblauch fein würfeln. Pepperoni längs halbieren, entkernen und grob hacken. Frühlingszwiebeln putzen, waschen und in feine Scheiben schneiden.Kirschtomaten fein würfeln. Feta zerkrümeln.

Gemüsebrühe in einem Topf aufkochen, Bulgur und Butter dazugeben, vom Herd nehmen und zugedeckt 10 Minuten quellen lassen. Den Bulgur anschließend mit einer Gabel auflockern.

In einer Pfanne die Hälfte der Zwiebel mit dem Knoblauch glasig dünsten und mit dem Gehacktem scharf anbraten. Mit Tomatenmark verfeinern und dann die gehackten Tomaten dazu geben. Kurz auf kleiner Flamme weiterbraten und dann beiseite stellen.

Olivenöl in einer Pfanne erhitzen. Zwiebeln und Knoblauch darin glasig dünsten. Mit Essig ablöschen. Frühlingszwiebeln und Pepperoni dazugeben und kurz mitdünsten. Bulgur und Tomaten dazugeben und mit Salz, Pfeffer, Cayennepfeffer würzen. Das Gekackt untermischen und kurz aufkochen.

Paprika Deckel abschneiden, in eine oder besser zwei (bei 10 nötig...) Auflaufschalen plazieren und die Schoten mit der Masse füllen. Das mit Wasser und ein wenig Olivenöl verrührte Tomatenmark auf die Masse in den Paprika träufeln und den Feta oben drauf.Deckel wieder auf Paprika und für 35-40 Minuten ab in den auf 180 Grad vorgeheizten Ofen (Ober und Unterhitze, keine Umluft!).

Den Joghurt mit Zitronensaft und Minze verrühren (Minze vorher kleinhacken) und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Zusammen mit den Paprika servieren.

Guten Appetit!

Mittwoch, 22. Mai 2013

Regenloch

Regnet es aus des Himmels Mitte

Habe ich eine große Bitte:

Regne doch woanders hin

nämlich da wo ich nicht bin.

 

Immer wenn der Himmel weint

kommen mir die Tränen

denn nur wenn die Sonne scheint

werde' ich schönes Wetter wähnen.

 

Urlaubsreise, dass wär ein Spaß

aber da war doch was?!

Ach, dass wird so nicht funzen

fehlen mir die Penunzen

Donnerstag, 2. Mai 2013

Mittwoch, 20. März 2013

Frühlingsgefühle?!

Frühling lässt sein graues Band
Flattern um des Winters Düfte
Kalte, wohlbekannte Lüfte
Bedecken planlos voll das Land
Eisbären träumen schon
Wollen baldigst kommen
Horch, ein Schneepflugton
Frühling, nicht du bist’s
Den Winter hab‘ ich vernommen!

Sonntag, 3. März 2013

25 Years – I got 25 Years

Na gut, in dem Lied von “The Catch” irgendwann aus den 1980ern geht es allem Anschein nach um jemanden der bedauert für 25 Jahre hinter Gitter zu müssen. Und sein Leben verhunzt hat. Komischer Weise gefiel mir das Lied obwohl der Sound nicht unbedingt der meine ist.
Nun gut. Die Frage, die auf meinen Hinweis auf unsere Silberhochzeit öfter kam, war “Und wie lange musste noch?” Ehe als lebenslanges Gefängnis… Ja, Witze gibt es genug darüber. Und wenn ich so zurück blicke ist auch unwahrscheinlich dass ich dieses Jubiläum feiern durfte.
Als ich meine Frau kennenlernte war ich in keiner komfortabler Situation. Grade aus dem Heim, irgendwie schon gescheitert und resigniert. Und durch die Liebe immerhin gerettet so manches Tal durchschritten – aber auch sehr viele Höhen. Niemand hätte einen Pfifferling gegeben dass unsere Beziehung überhaupt 1 Jahr übersteht. Inzwischen sind wir das einzige Paar aus dieser Zeit im Bekannten und Verwandtenbereich dass noch zusammen ist.
Und trotzdem: Manchmal kommt einem die Ehe wie ein Gefängnis vor. Aber alles in Allem: Keines aus dem man unbedingt ausbrechen muss. Sind die Fesseln nur weit genug. Für beide Partner. Und was auch zusammenschweißt: Die Aufzucht des Nachwuchses. Wenn sie auch nicht das Einzige ist. Da kommen auch so viele Erlebnisse, die verbinden. Und das Gefühl, zu Hause zu sein.
Ja, die Wünsche, nochmal 25 Jahre zu schaffen, sind geäußert worden. Und man möge sich wünschen, dass man das auch schafft. Möglich ist Alles.