Montag, 12. Januar 2015

Jahresanfangsknall


Da schau‘ her – ein neues Jahr ist angebrochen. Und anstatt einen Nachruf auf das alte Jahr zu verfassen und Hoffnungen für das neue zu formulieren habe ich einfach vor mich hingelebt. Weihnachten ist nicht so mein Fest, es kommen mir auch zu viele Menschen zusammen. Und Sylvester wird auch eher beschaulich gefeiert.

Wie auch immer: Ich konnte mich einfach nicht aufraffen etwas zu schreiben. Dabei wollte ich doch einiges über IS und Pegida zum Besten geben. Aber 2014 hat mich ganz anders geprägt als ich es vermuten konnte. Dass mein Erzeuger tatsächlich noch lebt und dass ich eine Schwester habe geht mir noch tief nach. Man kommt ins Grübeln.

Und während ich noch so grüble passiert in Paris Grauenhaftes. Islamisten töten Karikaturisten und Journalisten. Wieder ein Anschlag auf unsere westlichen Werte. Und plötzlich ist man Charlie. „Charlie Hebdo“ heißt das Satire-Magazin, dass wohl noch um vieles härter ist als z.B. das deutsche Magazin „Titanic“. Ich kannte es vorher nicht – was mich nicht hindert, mich solidarisch zu zeigen und auch „Charlie“ zu sein. Genauso könnte man auch Ahmed sein. So hieß einer der Polizisten, die bei dem Attentat ums Leben gekommen ist. Ein Muslim, der unsere westlichen Werte mit seinem Leben verteidigt hat.

Natürlich bin ich Manfred. Und nicht Charlie. Und in der Tat kannte ich Charlie vorher nicht wirklich. Und was ich an Karikaturen gesehen habe gefällt mir vielfach nicht. Das tun auch die Sachen, die „Titanic“ zum Besten gibt, nicht. Gleichwohl gehört das zur freien Meinungsäußerung. Wie allerdings auch die Phrasen, die PEGIDA so zum Besten gibt. Weswegen die Demos auch genehmigt werden müssen. Im Gegensatz zur „Charlie Hebdo“ und Konsorten wird die freie Meinungsäußerung aus diesen Kreisen nicht so gerne gehört.

Der Hintergrund von PEGIDA und Folgeerscheinungen liegen sicher im rechtradikalen Bereich. Aber das schlichte, sehr einfache Volk, was da mitwandert, fühlt sich anscheinend nicht ausreichend mitgenommen von der offiziellen Politik – und das machen sich diese rechten Rattenfänger natürlich zu Nutze. Ich finde es schon bedenklich, wenn der Zulauf in einer Stadt die grade mal 0,2% Ausländeranteil (davon vielleicht die Hälfte Muslime) hat am größten ist. Und in Städten oder Gegenden, die 20% Ausländer bzw. Migrantenanteil haben diese Bewegung so gut wie keinen Zulauf hat. Was nicht heißt, dass die Bürger dort keine Sorgen und Nöte mit dem Thema Zuwanderung haben. Aber man geht anscheinend, wie z.B. im Ruhrgebiet, ganz anders damit um.

Und den Spruch „Der Islamisten-Terror hat nichts mit dem Islam zu tun“ kann ich nicht mehr hören. Doch, der hat sehr wohl was mit dem Islam zu tun. Er ist Teil des Islam. Ebenso, wie fundamentale Christen in den USA Abtreibungsärzte erschießen mit dem Christentum zu tun hat. Es sind extremistische Auswüchse. Man, vor allem der Islam, sollte sich allerdings auch fragen, wieso ausgerechnet der Islam so viele gewaltbereite Menschen hervorbringt. Was läuft da schief?

Naja, das Jahr 2015 ist schon mal deftig gestartet. Und ich befürchte, es wird noch „besser“ werden.

Dienstag, 7. Oktober 2014

Herbstzeitlooser

Oh Manni, wie die Zeit vergeht. Nicht nur, dass Du so lange nichts gepostet hast. Nein, dir ging es völlig am A**** vorbei, dass Deutschland Weltmeister geworden ist. Oder was sonst so passiert ist. Warum nur?

Irgendwie bist Du sehr mit deinem Innenleben beschäftigt, nicht wahr? Klar, die Depressionen haben vielleicht doch eine fassbare Ursache. Aber was macht dass dann mit Dir, wenn es klar ist warum? Wirst Du dein Leben entsprechend ausrichten können? Oder Dinge ändern, die dir nicht gut tun?

Also Manni, mache es Dir selbst nicht so schwer. Steig mal wieder ins Leben ein. 

Liebe Grüße
Dein Manfred 

Mittwoch, 9. Juli 2014

Und es hat Rumms gemacht


Man kann es kaum glauben – Deutschland ist im Finale der WM 2014. Mit einem sogenannten Kantersieg. 7:1. Gehofft, knapp gegen die Ersatzgeschwächten Brasilianer zu gewinnen, hat man ja. Aber das war schon deftig.

Gleichwohl: Zeitgleich mit den deutschen Treffern eskaliert die Lage in Israel/Palästina auf das Heftigste. Treffer, die auch das Aus bedeuten – aber ernsthaft. Israel hat reagiert auf die Angriffe der Hamas-Terroristen. Anscheinend die einzige Sprache, die die Hamas versteht: Gewalt.

Und aus der Berichterstattung der Presse kann man Rückschlüsse ziehen dass die Israelis die Bösen wären. Zumindest der Eindruck entsteht in so manchem Bericht, respektive durch die Schlagzeilen impliziert. Oder geht das nur mir so? Immerhin greift die Hamas Israel mit Raketen an. Aus Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden. Und verschwindet dort bevor die Retoure kommt. Ohne die Kinder mitzunehmen. Damit man den Israelis was vorwerfen kann.

Und wieder steht die Welt vor Armaggeddon. Zumindest, wenn man den Prophezeiungen der Zeugen Jehovas und einiger evangelikaler Seher Glauben schenken will. Will ich nicht, aber manchmal... Mir scheint, die dort beteiligten Parteien legen es darauf an.

Wie nahe doch Freud und Leid liegen.

Samstag, 3. Mai 2014

Leben und andere Unwägbarkeiten

Es ist ja eine fatale Erkenntnis, dass das Leben auf jeden Fall tödlich endet. Persönlich kann ich das noch nicht bestätigen, bei Anderen habe ich aber schon davon gehört. Die eigene Unsterblichkeit ist einem ja bewusst – sterben tun immer nur die Anderen. Jedenfalls, wenn man jung ist.

Von daher ist es nicht unüblich, das Leben freudig und lustvoll anzugehen  - bis man erwachsen wird. Oder eine Katastrophe die Freude trübt. Und die ist meist nicht die Einschulung, wenn es auch oft so empfunden wird. Krankheit, zum Beispiel. Oder die Trennung der Eltern. Traumatisierende Erlebnisse. Und so ging es auch mir. Mit 11 Jahren musste ich erwachsen werden. Mental.

Wenn einem in diesem Alter um die Ohren gehauen wird, im wörtlichen Sinne sogar, dass der als Vater angesehene gar nicht der Vater ist und man gleichzeitig eine Scheidung und brutale Eltern zu verarbeiten hat – dass kann einen elfjährigen durchaus aus der Bahn werfen. Meinen Erzeuger habe ich als wahrscheinlich tot angesehen. Oder irgendwo vor sich hingammelnd unter Brücken schlafend. Aber ursächlich für mein aus dem Ruder laufendes Leben.

Ich war froh, in Heime unterzukommen. Was schon viel über meine damaligen Lebensumstände aussagt. Mit 20 war ich bereit dieser Welt adieu zu sagen. Wie man merken kann: Es ist anders gekommen.

Mein Schicksal ist nicht einzigartig – der Verlauf hin zur Familie und einem soliden Leben aber hat durchaus Seltenheitswert. Wenn es auch mit einigen Einschränkungen meiner mentalen Befindlichkeit einhergeht. Über das Erreichte kann ich sehr wohl stolz sein.

Auch wenn man meinen könnte, dass alles in bester Ordnung ist, bleibt eine Trübung: Depression. Immer wieder tiefe Löcher, in die man fällt. Und die das Leben nicht einfacher machen. Das liegt ursächlich sicher in den Ereignissen meiner Kindheit. Doch lösen kann ich mich nicht davon.

Immer kommt der Gedanke hoch, was wohl gewesen wäre, wenn ich in einer normalen Familie groß geworden wäre. Sicher müßig, sich darüber Gedanken zu machen. Aber man kann sich schwer dagegen wehren. Vor allem aber, weil mein Erzeuger ja unter angeblich dramatischen Umständen entschwunden ist. Und ich das ja als Ursache für meinen Lebenslauf gesehen habe. Ja, gesehen habe.

Natürlich habe ich, in Zeiten des Internets, nach ihm gesucht. Und gefunden. Irgendwo in einem Altersheim in Luxemburg. Und während ich noch überlegte, ob ich wirklich Kontakt aufnehmen soll, erfuhr ich, dass meine Familie größer ist als gedacht.

Inzwischen, nach einem Besuch bei meiner Schwester, über deren Existenz ich bis vor Kurzen ja nichts wusste, und dem Austausch von vielen Informationen, bin ich froh, dass ich nicht mit diesem Mann als Vater aufwachsen musste. Auch die Erkenntnis, dass ich über die ganzen Umstände damals von Allen belogen wurde, hat mich nicht so tief getroffen wie befürchtet.

Und da komme ich wieder zurück auf das Leben und seinen Unwägbarkeiten. Dass nichts läuft wie geplant, erhofft oder gewollt sondern seine eigene Dynamik entwickelt. Mit dem, was passiert ist, werde ich mich abfinden müssen. Unter einem neuen, hellen Licht betrachten können.

Immerhin habe ich jetzt eine Schwester, die ich mir immer gewünscht habe. Und Klarheit über viele Fragen, die mich belastet haben. Und so löst sich doch so manches. Auch wenn man erstmal daran knabbern muss.

Sonntag, 27. April 2014

Melancholie und Regen

Eiko (26)Manchmal ist es richtig komisch, das Leben. Da hat man seinen geliebten, grade  überraschend gestorbenen Kater im Katzenkorb, um ihn zum Tierarzt zu bringen und schon fängt es an zu regnen. Als ob der Himmel mit trauert um ein besonderes Tier.

Wobei “komisch” mehr beschreibt als irgendwie lustig. Es ist manchmal seltsam, wie alles in Allem Dinge, die passieren, einfach zueinander  passen. Obwohl sie eigentlich so gar nichts miteinander zu tun haben. Und bei aller Trauer um Eiko hatte ich ein wehmütiges Lächeln im Inneren. Unsere Reinkarnation des Buddha hat wieder die Welt manipuliert. Zum letzten Mal.

Sicher, ein jeder Tierhalter wird sein geliebtes Tier, egal ob Hund, Katze, Maus, als etwas besonderes betrachten. (Ich kenne Hundebesitzerinnen, die ihren Hund als Kinderersatz haben – das ist sicherlich eine sehr intensive Beziehung zu einem Tier) Aber grade Eiko hatte für mich einen besonderen Touch in Bezug auf unsere anderen beiden Katzen. Ich “spreche” quasi mit den Tieren bevor sie bei uns einziehen dürfen. Was sich esoterischer anhört als es ist.

Sara, unsere erste Katze, zum Beispiel, befand sich in einem Laufstall bei denEiko (36) Katzenfreunden in Rheinhausen mit dem gesamten, nicht kleinen Wurf. Als ich mich über den Laufstatt beugte um die Katzen zu beäugen sprang Sara mit mit Elan in die Arme, blickte mich an und sagte mir, dass ich jetzt ihr neuer Dosenöffner bin. Dabei hatte ich mich lange geweigert, überhaupt Haustiere zu halten. Aber wie das Leben so läuft. 20 Jahre war Sara eine treue Freundin, die aufmunterte, tröstete und einfach eine tolle Katze war. Und so ähnlich ging es auch mit den anderen – nur nicht so besonders.

Bis Eiko ins Spiel trat. Der, als noch kleiner, grade geschlüpfter Wurm, kroch mir über die Brust und schaute mich an. Bis ich merkte, der ist es. Und dann holte ihn seine Mutter vorsichtig wieder zurück. Bis wir ihn dann endlich  mit nach Hause nehmen konnten. Auch wenn diese Beziehung nicht so war wie mit Sara so war sie auch etwas Besonderes.

Alles in allem war Eiko so etwas wie ein ruhender Pol in der ganzen Hektik des Alltags. Ein Buddha quasi. Und wir hatten manchmal das Gefühle, er kann sich einfach so aus dem Nichts materialisieren. Dabei war er eine mächtige Erscheinung als ausgewachsener Main Coon Kater.

Und nun ist er einfach tot umgefallen. Wahrscheinlich ist eine Ader gerissen und er war auf der Stelle tot. Und die Trauer ist groß.

Es ist schon seltsam, wie sehr man an einem Tier hängt. Aber es zeigt, wie hoch der Wert von Leben anzusiedeln ist. Möge Eiko im Katzenhimmel in Ruhe weiter meditieren. Mach es gut altes Haus.

Dienstag, 22. April 2014

Geheimliterat

Im Prinzip wollte ich immer schon ein Buch schreiben. Ich könnte es damit belassen, einfach "ein Buch" zu schreiben und gut ist. Aber in der Tat habe ich schon Fragmente eines Anfangs von einem autobiografischem Fiktionstatsachenromans.

Problematisch ist ja doch, das alles in ein Format zu bringen.

Ein Coming of Age? Mein Leben nacherzählt? Mit dem Titel "Geboren um zu sterben - Es endet immer so!" ? Oder doch ein Schicksalsroman? "Lissi - Wechseljahre einer Kassiererin."? Immerhin ein Ansatz mit Absatzgarantie. Apropos Absatz - ich könnte auch eine Ratgeber schreiben. Mein halbwegs gelernter Beruf ist Schuhmacher. Das könnte doch was sein. "Absatzgarantie - Sohle 9 passt".

Natürlich könnte ich auch meine Hobbys zum Thema machen. "Radschläger - Aggression gegen Biker" zum Beispiel. Oder ein Bekenntnis: "Bikesexuell - Ich reite mein Rad hart und schmutzig". Oder vielleicht "Über allen Gipfel wackelt der Zipfel - Nacktwandern leicht gemacht"

Wie auch immer - ich liebe Bücher. Die echten so mit Einband und so. Und vielleicht komme ich ja noch dazu selber eins zu schreiben.

Montag, 14. April 2014

Armaggeddon und die Folgen

Ist ja wieder viel passiert so in den letzten Wochen. Doktortitel kommen und gehen, Saubermänner haben schmutzige Wäsche, die sie aber mit knabenhaften Anmut zurückweisen, irgendwo im Osten eskaliert die Lage...

Und irgendwie geht mir das Alles am Allerwertesten vorbei. Irgendwie. Das hat sicherlich viel mit meiner depressiven Grundstimmung zu tun, die immer wieder die Oberhand gewinnt und mühsam zurück gerungen werden muss. Aber auch mit einer gewissen Müdigkeit. Alles wiederholt sich. Alles wiederholt sich.

Wer so meine Lebensgeschichte kennt, weiß, dass es nicht immer so einfach gewesen ist. Und dass für mich immer der Auslöser das Verschwinden meines Erzeugers bei der Geburt gewesen ist. Da führte letztendlich das eine zum anderen. Wenn es auch, wenn man es genau betrachtet, zu einem guten Ende gekommen ist. Unter diesen Voraussetzungen Familie gründen und ein normales (was immer das ist) Leben führen - dass muss erstmal geschafft werden. Nun, lose habe ich immer wieder versucht, den in meinen Augen Verursacher ausfindig zu machen. Und wurde tatsächlich Ende letzten Jahres fündig. Zumindest war ich mir relativ sicher. Und während ich noch grübelte, ob der Typ das wirklich ist bekam ich eine Bestätigung Anfang März. Von einem Menschen, der mit mir verwandt ist. Ohne es die ganzen Jahre zu wissen. Ich habe eine Schwester. Und weiß gar nichts so recht, was ich damit anfangen soll.

Und so schließt sich vielleicht noch ein Kreis. Und ich komme aus dieser depressiven Stimmung mal raus. Und die Welt interessiert mich wieder.

Montag, 10. Februar 2014

Tücken echter Demokratie

Ein knappe Mehrheit hat in der Schweiz für eine Begrenzung des Zuzugs von Ausländern beschlossen  - in einer demokratischen Entscheidung. Und schon regt sich Europa auf. Zumindest die Politik.
Denn es gibt einen Grund, warum es solche Bürgerentscheide in Deutschland und anderen EU-Ländern nicht gibt. Weil eventuell die Bürger, die Menschen anders entscheiden als sich die Politiker dass wünschen. Ein ähnlicher Bürgerentscheid wie jetzt in der Schweiz in jedem beliebigen EU-Land (oder sonst wo auf der Welt) würde wahrscheinlich ein ähnliches Ergebnis zur Folge haben.
Und das sind, in der Schweiz ebenso wenig wie in Deutschland, extreme Rechte, die so entscheiden. Das geht von eher Linken bis zu rechten. Kaum zu glauben? man sollte nicht so sehr auf das wohlfeile Gequatsche der Politiker hören – sondern auf das, was der Bürger so von sich gibt.
Und so hat es natürlich seinen Grund, warum es hier keine echte Demokratie gibt – sondern eine parlamentarische. Wenn Wahlen was ändern würden, wären sie verboten – sagte mal Volker Pispers süffisant. Aber genau deswegen sind eben solche Bürgerentscheide nicht vorgesehen. Wir hätten sonst keinen Euro. Oder Bankenhilfe. Oder…
Und so finden die europäischen Bürger die schweizer Entscheidung sicherlich gut. Im Gegensatz zur Politik. Es ist aber eine echte demokratische Entscheidung. Die man respektieren sollte. Und mal schauen, wie man damit umgehen kann.
 
Nachtrag: Schöner Beitrag vom Schweizer Jörg Kachelmann:

Montag, 3. Februar 2014

Immer weiter

Gottchen, Mitte August 2013 den letzten Post gemacht. Ob man sagen könnte, dieser Blog ist verwaist?
 
Ja, irgendwie schon. Was an einer gewissen Unlust liegt. An der Überlegung, was und wie will ich mich im Netz darstellen und will ich mich überhaupt darstellen. Präsentieren. Oder wie oder was. Und so langsam komme ich wieder in Tritt.
 
In NRW geht es jetzt in den Komunalwahlkampf. Und zudem die Europawahl. Grund, den Black - Blog zu reaktivieren. Unter Anderem. Obwohl ich ja nicht zu den Meinungsführern gehöre. Aber eventuell interessiert den einen oder anderen was ich so zu salbeiern habe.
 
Dabei habe ich so viele Gelegenheiten wie die Bundestagswahl oder die BIldung einer Regierungskoalition schön ääh.. Links liegen lassen. Aber irgendwie war ich nur noch müde. Sehr müde. Und habe alles notdürftig bei Facebook oder G+, neuerdings auch bei Twitter, abgegessen.
 
So, das wollte ich  nur kurz mal schreiben. Als Zeichen, dass das Blog doch noch lebt. Und langsam fit gemacht wird. Versprochen.
 

Freitag, 16. August 2013

Polizeidesaster– Politikversagen – Ekelmedien: 25 Jahre Gladbecker Geiseldrama


Am Wochenanfang habe ich im “Focus” den Bericht und das Interview mit Ines Voitle, die überlebende Geisel, gelesen. Es gab eine kurze Doku in der “Aktuellen Stunde” zum Thema und die Berichterstattung über die mögliche Freilassung des grenzdebilen Mörders Degowski. Und die gallige Erinnerung an eines der widerlichsten Geschehnisse, die je in der BRD passierten, kamen wieder hoch.
Interessanter Weise hat meine Tochter (17) den Artikel gelesen und die Berichte im TV mit Interesse verfolgt – und sich empört über das, was damals geschehen ist. Über das, was man damals in etwa Gleichaltrigen angetan hat, wie man mit den Geiseln umging, wie die Polizei versagt hat und wie sich die Medien verhalten haben. Unglauben, als ich ihr sagte, dass ein Journalist den Geiselgangstern sogar den Weg aus Köln gezeigt hat. Wir haben lange diskutiert.
Was zeigt, wie dieses Ereignis nachwirkt.
Ich habe damals die Berichterstattung mit Faszination und Ekel verfolgt. Man konnte sich dem kaum entziehen. Verwunderung, dass Reporter mit den Geiselnehmer in der Bank telefonieren konnten. Dass einer wie Frank Plasberg ein Live-Interview führen konnte. Wie man erfuhr, dass die Gangster auf der Flucht noch die Lebensgefährtin von Rösner abgeholt haben. Wie man nicht in der Lage war, die Verbrecher zu stoppen. Dass Journalisten sich für die Geiseln austauschen ließen. Und dann der Linienbus in Bremen gekapert wurde. Wieso konnten Journalisten in den Bus um Fotos zu machen? Warum konnten die Geiselnehmer mit dem Bus in die Niederlande flüchten? Wieso war kein Krankenwagen in der Nähe als Degowski den jungen Italiener erschossen hat? Und dann die widerlichste aller Szenen: Der von den Niederländern zur Verfügung gestellte Flucht-BMW mit den drei Geiselgangstern und den Geiseln Ines Voitle und Silke Bischoff mitten in Köln – umlagert von einer Meute Reportern, TV-Kameras. Unglaublich. Ich werde nie, in Ewigkeit nicht, den Gesichtsausdruck von Silke Bischoff vergessen, die Waffe von Degowski, der sie auch noch in die Polster drückte, am Hals. Und sie gefragt wurde, wie es ihr ginge. Und sie mit diesem panischen, angsterfüllten Gesichtsausdruck antwortete: Gut.
Ein paar Stunden später war sie tot. Und der Rest der Wagenbesatzung schwer verletzt – wegen einer mehr als dilettantischen Befreiungsaktion auf der Autobahn.
Wie traumatisiert die Geiseln immer noch sind zeigt sich an den Aussagen von Ines Voitle im “Focus” – dem  Blatt, dass damals noch nicht existierte – und die kurze Erwähnung, was mit der Schwester des jungen Italieners passiert ist, die ja mit ansehen musste, wie ihr Bruder erschossen wurde. Und dass man nichts, aber rein gar nichts für die Geiseln getan hat.
Wie mag es den Angestellten der Bank ergangen sein? Den Geiseln aus dem Bus? Den Angehörigen des verunglückten holländischen Polizisten? Scheint nicht von Interesse sein. Rösner und Degowski stehen immer noch im Vordergrund der Berichterstattung. Und die Empörung darüber, dass Degowski wohl auf seine Freilassung vorbereitet werden soll. Rösner heiraten will. Und vielleicht auch in einigen Jahren Frei kommt.
Sicher: Die Polizei war mit der Situation völlig überfordert. Ebenso die politischen Entscheidungsträger. Was am meisten anwiderte, jedenfalls mich, war die Rolle der Medien. Die wird auch gerne bei Dokus über dieses Ereignis so nebenher erwähnt. Konzentriert wird sich auf das Versagen der Sicherheitskräfte.
Heute, am 16.08.2013, 25 Jahre nach dem Ereignis, gibt es eine Dokumentation auf dem WDR. Zur Zuschauerfreundlichen Zeit um 23:15 Uhr. Da schaut man bestimmt gerne zu.

Gladbecker Geiseldrama: 54 Stunden Staatsversagen - Inland - FAZ