Mittwoch, 20. März 2013
Frühlingsgefühle?!
Flattern um des Winters Düfte
Kalte, wohlbekannte Lüfte
Bedecken planlos voll das Land
Eisbären träumen schon
Wollen baldigst kommen
Horch, ein Schneepflugton
Frühling, nicht du bist’s
Den Winter hab‘ ich vernommen!
Sonntag, 3. März 2013
25 Years – I got 25 Years
Montag, 28. Januar 2013
Spannungsfeld Leben
Freitag, 28. Dezember 2012
Schluck Auf, Genossen und – innen
Wer von euch kann sich denn durch Sorgen das Leben auch nur um einen Tag verlängern?
Mittwoch, 3. Oktober 2012
Tag des Deutschen Einheitsbreis
Sonntag, 26. August 2012
Alles muss, nichts kann
Donnerstag, 7. Juni 2012
Streichkonzert und Attraktivität
Sonntag, 6. Mai 2012
Und? Was wählst Du so?
Samstag, 7. April 2012
Da wächst schon Grass drüber
Da hat also der Günter Grass ein Gedicht geschrieben und in der Süddeutschen veröffentlicht. Und die Welt, zumindest die Deutsche, regt sich königlich auf.
In diesem Gedicht, dass so gar nicht als solches wirkt, bringt der Künstler seine Sorge, ja: Angst, zum Ausdruck, die ihn umtreibt denkt er an die brisante Lage in Nahost. Und das ist im Prinzip sogar löblich. Denn diese Sorge, ja: Angst, kann man durchaus teilen. Und trotzdem. Irgendwie wird dem Günter da ein Antisemitismus unterstellt. Mal mehr, mal weniger offensiv.
Und ich glaube, dass wird durch seine Wortwahl provoziert. Womöglich sogar gewollt. Eigentlich ganz sicher – denn er hat die Reaktionen darauf schon vorweg genommen. Und scheint sich seinem latenten Antisemitismus, der sich als Israel-Kritik tarnt, durchaus bewusst zu sein. Wobei: Das ist bei Links-Intellektuellen durchaus immanent.
Kritik an Israels Politik bedeutet noch lange nicht Antisemitisch zu sein – eine Kehrung der Täter – Opfer Relation kann es aber schon sein. Dass muss nicht einmal bewusst geschehen. Sondern durch das Geschriebene von allein zum Ausdruck kommen.
Nein, einen Gefallen hat sich Grass mit dem Gedicht nicht gemacht. Zu sehr gemahnt es an Pennäler - Prosa, was für einen Literaturnobelpreisträger doch zu wenig erscheint. Er kann es besser. Auch wenn man ihm eine große Besorgnis über die Lage in Nahost unterstellen darf. Ich unterstelle auch mal, dass der die Worte beherrschende Schriftsteller diese auch diesmal gezielt so gesetzt hat. Und hat damit Raum geschaffen für Interpretation und Platz für sich zur Relativierung. Beides geschieht auch.
Die Provokation ist wohl kalkuliert. Wenn es nicht Günter Grass, oder ein ähnliches Kaliber, gewesen wäre hätte dieses Poem nicht die geringste Chance überhaupt beachtet zu werden. Das ist es auch, was Grass erreichen wollte. Etwas angeblich Unaussprechbares Gehör zu verschaffen – das erinnert fatal an den unsäglichen Sarrazin, der auch etwas sagen musste damit es mal gesagt wird weil es mal gesagt werden musste. Obwohl das schon lange gesagt wurde was angeblich so Unaussprechbar ist.
Kritik an Israel, auch aus Deutschland, ist zulässig und wird auch geübt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist, gerade für Deutsche, wirklich nicht einfach, die richtigen Worte zu finden die so schnell die …rechten…Worte scheinen. Aber gerade die Siedlungspolitik Israels steht nicht nur international am Pranger, sondern auch im eigenen Land. Was nicht zur Debatte stehen darf ist das Existenzrecht Israels. Und hier kommt dann die Kritik Grass’ ins Spiel. Israel hat demnach ein Existenzrecht – darf es aber nicht verteidigen.
Diejenigen, die Israel auslöschen wollen, sitzen gleich nebenan. Seit der Gründung Israels, die nach dem Holocaust mehr als Berechtigung hat, steht Israel mit dem Rücken zur Wand. Wird kein Krieg gegen Israel geführt sorgen Selbstmordattentäter für Unruhe. Dass Israel hier bei der Prävention und zur eigenen Sicherung vielleicht auch über das Ziel hinausschiesst (!) ist selbst den Israelis bekannt und wird, auch von deutschen Politikern angesprochen.
Es ist immer noch eine besondere Beziehung, die wir als Deutschland zu Israel haben. Müssen. Denn ohne die Unsagbaren Verbrechen, die Deutsche an Juden ausgeübt haben müsste dieser Staat Israel nicht bestehen. Es ging dabei nicht um die Gründung eines Staates aus irgendwelchen biblischen Motiven um eine Restauration der Geschichte zu bewirken. Sondern Juden ein sicheres Zuhause zu bieten. Eine Zuflucht. Denn, die Geschichte mahnt es, waren Juden immer wieder Progromen ausgeliefert. Die industrialisierte Vernichtung jüdischen Lebens durch die Nazis war der grausame Höhepunkt, der letztendlich und konsequenter Weise in die Gründung Israels führte.
Und genau daran störte sich die intellektuelle Szene, die in der Regel doch eher im Sozialismus – also links – angesiedelt ist. Die Szene, die später auch Sympathie für die RAF und deren Ableger hatte, stand natürlich auf der Seite der Geknechteten. Und das waren aus der Sicht dieser selbsternannten Denkelite natürlich die Palästinenser, denen man so ruchlos das Land weggenommen hatte.
Es ist diese Szene der Links-Intellektuellen, die bestimmte und bestimmt, welches die richtige politische Meinung zu sein hat, die festlegt, welches die richtige Literatur ist und die wahre Musik (z.B. Free-Jazz, dass so unglaublich verkopft ist. Da hat der weiße Mann dem schwarzen Mann glatt die Musik geklaut und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt) ist.
Und es ist diese Szene, die sich Grass wohlwollend schreiben wollte. Und anscheinend noch will. Was letztendlich nur bedeutend: Was Grass da von sich gibt ist nicht mehr als ein Hilferuf um Aufmerksamkeit. Damit diese Szene ihn weiter goutiert.
Da wird doch noch Grass drüber wachsen.
Sonntag, 18. März 2012
Nationale Identität - Eine neue deutsche Frage?
Heute wird der Bundespräsident gewählt - oder die Bundespräsidentin. Egal, wer gewinnt - wohl Joachim Gauck - wird der Präsident nicht vom Volk gewählt. Mit Gnade der politischen Parteien sind allenfalls ein paar Prominente beteiligt. Aber der Bürger an sich steht außen vor. Und das bei dem Mann, der Frau, die ihn präsentieren soll.
Im besten aller deutschen Staaten ist es mit Basisdemokratie nicht gut bestellt. Der Bürger gibt bei der jeweiligen Wahl seine Stimme an einen Volksvertreter. Und ist sie damit los. Von auf kommunaler Ebene zugelassenem Bemühen um mehr Beteiligung des Volkes ist eine Beteiligung so in Ländern und Bund nicht vorgesehen. Im Prinzip als Nachlauf dem dunkelsten Zeitraum deutscher Geschichte geschuldet.
Eine deutsche Identität war nach dem Dritten Reich auch nicht vorgesehen. Und nachdem fast zwangsläufig passierte was so damals in Westdeutschland kaum einer wirklich wollte, nämlich der Zusammenwucherung beider deutscher Staaten, war es immer noch suspekt nach einer deutschen Identität zu fragen. Deutsche Leitkultur, überhaupt Deutsche Kultur, die Frage nach dem, was "Deutsch" eigentlich ausmacht: alles nicht erwünscht im Hinblick auf die Vergangenheit. Wer dennoch danach fragte war schnell im Verdacht ein Nazi zu sein. Zumindest irgendwo in die National-Deutsche Ecke gedrängt.
Als ich den Artikel in der "Süddeutschen Zeitung" las fragte ich mich spontan, wie man auf die Idee kommt, die Präsidentenwahl mit der Suche nach der deutschen Identität in Zusammenhang zu stellen. Und frage mich das nach dem lesen des Artikels immer noch.
Ich glaube nicht, dass die Bevölkerung nach der Suche nach einer "Deutschen Identität" ist. Es ist eher ein Ding der politischen Klasse und hin und wieder der Medien auf der Suche nach Antworten auf Fragen die keiner stellt .
Deutsche Geschichte, die angeblich mit der Gründung des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation begann, gibt eine deutsche Identität nicht her. Regionale Identität eher schon, aber eine gesamtdeutsche Identität war nicht im Bewusstsein der Menschen. Auch die Schaffung einer hochdeutschen Sprache durch Luther schaffte keine Identität, wie vielleicht in Frankreich, dass sich ja durch die Sprache definiert. Vielleicht durch die Schaffung eines deutschen Reiches durch die Preußen 1871 in Verbindung des Gefühls der Revolution von 1848 wurde so etwas wie ein Zusammengehörigkeit geschaffen - überhöht erst durch den 1. Weltkrieg. Und verstärkt durch das Naziregime 20 Jahre später.
Ich erinnere mich an die Karten im Erdkunde- und Geschichtsunterricht, die neben den damals aktuellen Grenzen auch immer die Grenzen Deutschlands 1937 zeigten. Und das war das Deutschland, dass die Nationalisten gerne gehabt hätten.
Den typischen Deutschen gibt es ebenfalls nicht. Viele regionale Eigenheiten verhindern diesen Typus. Menschen im Ruhrgebiet sind etwas anders gestrickt als z.B. Bayern. Der "Deutsche" ist zumeist eine Karikatur der ausländischen Medien, dessen Eigenschaften ebenso auf Engländer oder Franzosen übertragbar sind. Auch wenn man es immer wieder kolportiert: Den "Deutschen" gibt es nicht. Das, was die Klammer ist, dass nennt sich Grundgesetz. Die Menschen, die hier leben, haben zu unterschiedliche Abstammungen, als dass sich eine besondere deutsche Identität herausbilden könnte. Eine multikulturelle vielleicht noch.
Und darüber sollte auch nicht ein "Spass-Patriotismus" wie zur Fußball-WM 2006 oder ähnlicher Veranstaltungen hinwegtäuschen: Es gibt keine deutsche Identität, hat es nie gegeben und sollte es auch nie geben.