Donnerstag, 18. März 2021

Zerissenheit, Trost und Angst

Diese Zerrissenheit. Wünschen, endlich tot zu sein. Zu wissen, dass das keine Lösung ist. Angst bekommen. Wünschen, endlich tot zu sein.

Das hindert mich am Einschlafen. Ohne Medizyn würde ich wohl auch nicht. Dabei geht es mir inzwischen auch nicht gut. Oder das liegt an den Fahrten im ÖPNV. Nicht immer ist Mobiles Arbeiten möglich. Liegt am Arbeitsplatz. Wobei ich schon alle mögliche Unterstützung bekomme – aber wo es nicht möglich ist, ist es halt nicht möglich.

Gleichzeitig lässt die Konzentrationsfähigkeit nach. Die Depression wird tatkräftig von einer Sozialphobie unterstützt. Ich versuche, meine Aufmerksamkeit auf etwas Anderes zu lenken. Gelingt leider immer weniger. Ab und an fallen mir krude Wortspiele ein, oder Absurdes. Eine Fotoserie soll mir etwas vortäuschen, nämlich Ordnung im System. Irgendwie. Raus gehe ich kaum noch – ich fühle mich unwohl.

Das ist, was Covid-19 mit einem anrichten kann. Theoretisch müsste ich in eine Klinik. Wovor ich auch Angst habe – egal, welche Sicherheitskonzepte die dort haben. Therapierende finde ich auch nicht. Was fatal ist – aber letztendlich habe ich resigniert.

Was mir ein wenig über den Berg hilft: Ich bilde mir ein, Frau und Tochter brauchen mich unbedingt. Dabei ziehe ich mich immer mehr in mich zurück und bin eher kontraproduktiv. Eher Hindernis als Hilfe. Das Problem und nicht die Lösung.

Die chaotische Coronapolitik und die Ahnung, dass es mit impfen nichts wird, tun ihr übriges um meine psychische Verfassung zu erschüttern.

So, dass ist ein, hoffnungsloser, Situationsbericht über meinen aktuellen Zustand. Für den Fall, dass ihr mal wieder einen dummen Spruch oder scheinbar sinnloses Geschreibsel von mir lest: Dann geht es mir eigentlich wieder übel. So wie heute.

Sonntag, 31. Januar 2021

Die Lämmer schweigen

Voll das Dilemma. Immer will ich etwas schreiben - und die Gedanken fliehen ins Nirwana. Im Prinzip das letzte Post 2020 und das erste 2021. Es ist eines wie das andere. Übel.

Nun gut. Meine psychische Verfassung ist nicht sehr stabil. Ich habe versucht, fachliche Hilfe zu bekommen. Aber, wie erwartet, keine gefunden. Auch der, vielleicht sogar engagierte, Versuch, mir irgendwie zu helfen, führt zu keinem Ergebnis. Also: Ich habe aufgegeben. 

Und nein, ich katapultiere mich nicht aus dem Leben. Ich wünschte mir, ich würde einfach umfallen und es ist endlich vorbei. Aber nachhelfen will ich auch nicht. Noch nicht. Hoffnung kann man sich ja keine mehr machen - ich denke, dass das Leben im Prinzip nicht sonderlich lebenswert ist. Trotz aller Gegenmaßnahmen. Trotz Familie. Obwohl es mir wirtschaftlich besser geht als 90 % der Bevölkerung dieser Welt.

Nun ja, sonderlich aufbauend ist dieses Geschreibsel sicherlich nicht. Aber immerhin hilft es mir, meine Gedanken etwas zu sortieren. Sonderlich hoffnungsvoll sehe ich 2021 nicht entgegen, dazu ist allein schon im Januar zu viel Blödsinniges  passiert. Ich will eigentlich nur noch schlafen - wenn es nicht zu viele Albträumen hätte. Und jedes Mal zum Schlafen Trimipramin nehmen - na, zumindest nehme ich fleißig zu. Aus dem Haus gehe ich nur ganz selten - zu viele Menschen. Es reicht, wenn ich unbedingt zur Arbeit muss. Zu volle Busse, Züge usw. 

So. und jetzt lehne ich mich wieder zurück. Irgendwie weiterleben - auch wenn ich eigentlich nicht will.

Donnerstag, 17. September 2020

Die Grübel-Lampe in der Höhle

 

Der feine Herr ist mal wieder im Grübeln gefangen. Stumm Löcher in den Bildschirm starren. Unbewegt die schlimmsten Nachrichten durchlassen. Unmotiviert heulen. Ablenkung suchen. Aufmerksamkeit in eine andere Richtung lenken. Löcher in die Landschaft starren. Motivation aufbauen, es sein lassen, doch wieder aufbauen. In die feindliche Welt schleppen, Löcher in die Busscheiben starren. Der feine Herr ist mal wieder im Grübeln gefangen.

Dass ich das tägliche Leben irgendwie dann doch noch halbwegs geregelt bekomme grenzt an ein Wunder. Und an Hilfsmittel, die ich auf die ein oder andere Art an die Hand bekommen habe. Ohne große Schulung. Und ja, es hilft auch, dass ich nicht nur Verantwortung für mich habe, sondern auch für andere.

Der große Manfred soll ja den kleinen Manfred von früher in den Arm nehmen. Erklären, dass der kleine Manfred da herauskommt, es überlebt. Aber was er ihm nicht sagt: Der Preis ist eine zerfetzte Seele, deren abgestorbenen Reste in seiner tiefsten inneren Hölle vergammeln und den ganzen Manfred vergiftet. Du wirst Gefühle nicht einordnen können, weil Du es nie gelernt hast. Du wirst nicht vertrauen, weil Du es nie gelernt hast. Du wirst einen dicken Panzer um dein Innerstes legen und deine Gefühle darunter begraben.

Der Kampf, da wieder rauszukommen, ist zum Scheitern verurteilt. Also, irgendwie versuchen, damit umzugehen. Dinge, die langsam an die Oberfläche krochen, endlich etwas Licht sahen, sind wieder in die Tiefe geflüchtet. Was bleibt: Eine schwermütige melancholische Traurigkeit.

Der feine Herr ist mal wieder im Grübeln gefangen.

Mittwoch, 16. September 2020

Resilienz und Niederlage

In der Tat, in diesem Blog bin ich nicht sehr mitteilsam. Liegt vielleicht auch daran, dass ich mein Leid in den üblichen sozialen Medien teile und dadurch etwas Besinnung finde.

Aber sicher: Ich denke mir immer so hochtrabende Texte aus, die meinen Zustand oder die Gedanken zum Weltgeschehen transportieren sollen. Und dann fehlt doch der Antrieb, das niederzuschreiben. Auch eine Auswirkung der Depression. Was ergibt das alles denn für einen Sinn…

Dabei war ich auf einen halbwegs guten Weg, meine Depression im Griff zu bekommen und das Borderline zu beherrschen. Sicherlich, ohne fachliche Anleitung sehr schwer zu gestalten, aber finde mal einen Psychotherapeuten, der Zeit hat. Oder Lust. Ich hatte diesbezüglich aufgegeben.

Und dann kam Corona.

Nicht, dass die Angst, sich mit Corona anzustecken, allzu groß wäre. Ich rauche, was wesentlich gefährlicher ist. Nein, es fing, wie ich ja schon einmal geschildert habe, mit der Angst vor dem Lockdown an. Gefangen, ohne Möglichkeit der Flucht. Und genau dieses Gift hat mich schleichend verseucht. Resilienz am Arsch.

Klar, in NRW war der „Lockdown“ schon relativ harmlos. Nach draußen gehen war möglich, Treffen hat man sich verkniffen und so wenig wie möglich Kontakte gesucht. Ich bin sogar im Märzen mit dem Rad nach Düsseldorf gefahren (eine Strecke 34 km), um zur Arbeit zu kommen. Mein Arbeitgeber hat sich da vorbildlich verhalten, so dass diese Zeit recht gut überwunden wurde. Irgendwann musste ich aber wieder mit Bus und Bahn – und was soll ich sagen? Genau. Alte Ängste vor Menschenmengen und Nähe brechen aus. Dinge, die ich als im Griff erachtete.

Genau dort sind die Resilienzen dann gescheitert. Das Gefühl, wertlos zu sein, nichts auf die Reihe zu bekommen – all dass, was mir als Kind eingeprügelt wurde brach wieder vor. Und dadurch auch der Wunsch, endlich die wohlverdiente Ruhe zu finden. In diese Gefühlswelt führen auch andere Trigger, Berufsbedingt oder auch Privat. Und so kommt es, dass recht harmlos scheinende Ereignisse mich überfordern können.

Und ja, es hilft mir, meine Gedanken zu ordnen, vielleicht nicht immer einzuordnen, aber immerhin, wenn ich sie niederschreibe. Den Drang zu flüchten, mich aus der Situation des „Leben müssen“ zu bringen, in den Griff zu bekommen und in andere Bahnen zu lenken.

Die weltpolitische Lage trägt auch ihren Teil dazu bei. Wenn man deutlich gezeigt bekommt, „der Klügere gibt nach“ nicht die schlaueste Einstellung ist und den Dummen die Macht ergreifen lässt. Und nein, die Flüchtlingskrise lässt mich nicht denken, oh, denen geht es schlimmer, stell dich nicht so an. Das wäre ja objektiv. Als depressiver Borderliner bin ich eher subjektiv…

Nun denn. Ich versuche, das irgendwie in den Griff zu bekommen.

 

Donnerstag, 30. April 2020

Corona und die tiefe Finsternis


Es ist Ende April des Jahres 2020 und er fühlte sich befremdet. Ihm schien, die Gesichter der Menschen sind zu Masken erstarrt. Ebenso seines.

Ja, so stelle ich mir die Prologe der noch zu schreibenden Romane, die in diesen Zeiten spielen, vor.

Seit geraumer Zeit liegt dieses „weiße Blatt“ vor mir; gefüllt zu werden mit schweren Worten zu dieser Coronakrise und den Auswirkungen auf meine depressive Psyche; und wie immer, wenn ich mir vornehme etwas in meinem Blog zu schreiben: Nichts.

Gut, meinen Freunden und Followern auf Facebook und Twitter ahnen anhand des geschriebenen, nein: geschriehenen Wortes an vielen Stellen: Dem geht’s nicht wirklich gut. Und das stimmt. Es geht mir psychisch gar nicht gut. Der Insider weiss: Professionelle Hilfe habe ich auch nicht an meiner Seite, nur Medikamente und einige erworbene Skills sowie die Gewissheit, dass es Menschen gibt, die mich lieben. Meine Frau, die Kinder.

Trotzdem war es manchmal sehr knapp. Finstere Gedanken, meist zu nächtlicher Zeit, plagten. Und plagen immer noch. Das Gefühl, nichts wert zu sein, das Leben setzt nur mir zu, völlige Sinnlosigkeit und dergleichen mehr. Gedanken schwirren, drehen sich im Kreis, es gibt doch da diesen einen Ausweg. In der Regel gehe ich dann raus und wandere mir den Kopf frei. Eine der Skills.

Und dann kam die Möglichkeit einer Ausgangssperre ins Spiel. Das ist nicht so gekommen, aber die Angst davor wurde irrational. Und zog mich weiter runter. Dass es nur ein Kontaktverbot wurde hat mich zwar beruhigt. Aber gleich war schon wieder der Gedanke: Da ist jemand, der mir bei meinen Depressionen helfen will – und dann darf ich mich nicht mit ihm mehr treffen. Natürlich. Nichts gönnt man mir.

Im Grunde hat sich, vermutlich, eine neue Tür geöffnet. Über eine Freundin habe ich Kontakt mit einer Psychotherapeutin aufgenommen und werde zumindest mal wieder ein Erstgespräch führen.

Und prinzipiell sollte ich mir immer wieder vor Augen führen: Mein Arbeitgeber ermöglicht mir, erst Dauerhaft, jetzt überwiegend, im Homeoffice zu arbeiten. Um meine Gesundheit nicht zu gefährden. Ich bin also doch einem was wert. Freunde, die sich für mich einsetzen, in dem sie mir Gesprächsmöglichkeiten anbieten. Meine Familie, die mich trägt.

Und doch. Immer wieder drückt dieser Schatten alles beiseite und möchte mich in den Abgrund führen. Covid_19 hat mich in der Bewältigung meiner Depression um Jahre zurück geschmissen. Ich bin froh, dass ich mich getragen fühlen darf (nicht immer fühlen kann, aber…) und so immer wieder hochkomme. Auch ein seltsamer Hang zu absurdem Humor hilft. Manchmal auch nur die inneren Tränen zu verdecken, aber hilft. Obwohl ich manchmal da sitze und völlig unmotiviert losheule. Aber das bekommt meist keiner mit.



Nun, was mache ich, um klar zu kommen? Klar, ich versuche, mir professionelle Hilfe zu suchen. Aber nebenher gebe ich mir quasi „Pflichtaufgaben“: Ich poste, da ich ja selten neue Touren machen kann, aus meinen Beständen die für mich schönsten Fotos. Dabei stelle ich mir vor, dass da einer sitzt, der sich auf diese Fotos freut und schon darauf wartet. Das gibt mir auch ein Gefühl, gebraucht zu werden. Oder ich suche Lieder, von denen ich meine, die passen in diese Pandemiezeit, egal ob Titel, textlich oder übertragen, und stelle diese vor. Vielleicht gibt es dem ein oder anderen Mitmenschen ja was.

Und ja, ich fahre gelegentlich auch mit dem Rad. Nicht mehr so weit, eher so 20 km Radius um Moers. Aber es hilft. Ebenso die täglichen, normalen Aufgaben, die man so hat.

Am Schluss noch eines: Ich halte, so schwer es mir fällt, es für ganz wichtig an, die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona – Pandemie zu befolgen. So wenig Kontakt wie nötig, dann mit Abstand, Mund- und Nasenschutz tragen, vor allem auch: Hygiene. Wir kommen da durch. Auch ich. Bleibt gesund.


Donnerstag, 23. Januar 2020

Transzendent immanentes Gedankenspiel


Bin ich auf der Suche nach absurden Überschriften? Bestimmt. Können sie doch ein Spiegel meiner wirren Gedankenwelt sein. Insbesondere, wenn wie jetzt, ich mal wieder ans Denken komme.

Auf mich einstürzende Gedanken. Oder sind es einstürzende Gedanken, die auf mich einschlagen? Jedenfalls bestimmt durch Ereignisse, die mich beschäftigen. Das Folgende mag da seltsam wirken, hat aber mindestens einen, der ahnt woher das kommt. Wobei ich durchaus gespannt bin, ob überhaupt gelesen wird, was ich so schreibe. Unterthema Relevanz.

Es handelt von der Begegnung mit einem kleinen Jungen, vertraut und doch so fremd. Trauriger Blick, doch noch hoffnungsvoll. Unschuldig und doch mit der Last von 50 Jahren beladen.

Dieser kleine, etwa 6-jährige Junge blickte mir in die Augen und fragte fast schon vorwurfsvoll:

„Erkläre mir, warum tut man mir das an? Man tut mir weh, man erniedrigt mich, man gibt mir keine Liebe. Warum?“

Ich musste schlucken; wollte den Blick senken. Aber ich war nicht in der Lage mich abzuwenden und gab resigniert eine Antwort:

„Nun, mein Kleiner, mit meiner Erfahrung muss ich Dir sagen, der Mensch ist grausam, lieblos, auf sich bezogen und schert sich einen Haufen Müll um deinen Zustand.“

Der Junge blickte mich an und weinte bitterlich. Aber er fragte mich erneut etwas:

„Dann erkläre mir, warum hilfst Du mir? Auch andere waren da, die mich trösteten?“

In tiefer Traurigkeit suchte ich eine Erklärung und blickte dem Jungen tiefer in die Augen:

„Nun, mein Kleiner, mit meiner Erfahrung muss ich Dir sagen, der Mensch ist freundlich, voller Liebe, so emphatisch und interessiert sich für dein Befinden.“

Dieser kleine, etwa 60-jährige Junge schaute mich verwirrt an und fragte den großen, etwa 6-jährigen Mann: „Was denn nun? Sind das so unterschiedliche Menschen?“

Und so konnte ich sagen: „Nun, glaube mir: Es sind in der Regel immer dieselben. Der Mensch ist so und so.“

Und der Junge fragte: „Und bin ich auch so?“ Und ich antwortete: „Horche, kleiner Mann, Du bist das Alles und Nicht, Du wirst so werden oder nicht. Du wirst Gutes tun, Du wirst Schlechtes tun, Du wirst wehtun, Du wirst lieben, Du wirst hassen. Und all dass wird auch Dir widerfahren.“

Und der Junge blickte auf und schrie: „Ich will das nicht! Ich werde das nicht ertragen!“

Da nahm ich den Jungen in den Arm und erwiderte: „Du hast das alles schon und Du wirst es ertragen. Du bist aber nicht mehr allein“.
Und so sitzen die zwei noch da und warten auf die Pointe.

Mittwoch, 15. Januar 2020

Ein Traum in einem Albtraum in einem Traum


Genau. Woher soll ich denn wissen, was diese Überschrift bedeutet? Ich hörte grade Alan Parsons Projekt mit dem von Edgar Allan Poe inspirierten „The Raven“. Und sinnierte ein wenig vor mich hin, dass dieses Motiv ja ein Klassiker des Horrorgenres ist. Just like Sinister. Das Gefühl, in einem Traum gefangen zu sein in einem Albtraum in dem man einen Albtraum träumt. Und die beklemmende Angst, dass man daraus nicht mehr erwacht.

In meinem Kopf entstehen dann gleich Analogien zu meinem Leben. Oder was ich dafür halte.

Dabei habe ich diese Art Angst schon von frühester Kindheit an. Dinge, die mir tatsächlich angetan wurden; egal ob physischer oder psychischer Natur; in eine Albtraumwelt zu drängen, um mich zu schützen. Im Traum kam mir, nicht lachen, meine persönliche Fee „Windy Wanda“, um mich aus diesem Albtraum zu befreien. „Windy Wanda“ sah ein wenig aus wie meine Großmutter in Kittelschürze. Aber sie stellte sich gegen die Bedrohung.

Das wirkte natürlich nicht lange. Die brutale Realität holte mich ein; meine Großmutter war definitiv nicht „Windy Wanda“ und konnte mich nicht real schützen. Einen sicheren, halbwegs sicheren, Hort der Realitätsflucht fand ich in der Literatur. Und in der realen Flucht. Wenn man als 11 – Jähriger zu Fuß  im März bei bitterer Kälte von Rumeln – Kaldenhausen nach Köln wandert kommt einen die Realität wie ein Albtraum vor. Aber da weckt niemand einen auf. Es gab auch keinen „Kara Ben Nemsi Efendi“, der mich aus diesen Situationen befreite. Nicht einmal einen „Hadschi Halef Omar“.

Auf meinen Fluchten vor dem Albtraum Elternhaus habe ich mich in Wälder geflüchtet. Im Dunkeln. Aus diesem Albtraum wurde ein Traum. Die Dunkelheit, die Bäume, die Geräusche dort wurden zum Halt. Da sich die Flucht aus dem Albtraum aber als Fehlschluss herausstellte flüchtete ich immer weiter. Bis ich endlich, mit 15, diesen Albtraum abschütteln konnte. Ab in den nächsten.

Mit meiner Zeit in Münster und der nachfolgenden nahm ich die Realität eher wie einen (bösen) Traum wahr. Was auch geschah, irgendwie war immer die Realität unheimlich irreal. Egal, ob mein „erstes Mal“ [Oh nein, bin ich jetzt wirklich in einem echten Menschen] bis hin zu Operationen: Ich wache bestimmt gleich auf und bin in der Realität. Traum, Albtraum vorbei.

Vielleicht kommt auch aus dieser Art von Wahrnehmung, inneren Rückzug oder was auch immer, die Sorge, mich nicht auf Dinge freuen zu wollen. Es könnte sofort etwas passieren, dass das Schöne zerstört und mir weh tut. Trauma als Traum?

Nun ja, ich sagte ja schon: ich assoziiere meist in recht seltsamsten Zusammenhängen. Ansatzlos. Vielleicht auch um das Geheimnis um mein Leben oder meinem Traum/Albtraum zu lüften. Die Schleier um meinen Kopf zu fangen. Ich bleibe dran. Irgendwann fliegt der Rabe Nimmermehr.

Montag, 30. Dezember 2019

Wahrnehmungsstörungen und andere Weltbildzersplitterungen

Was habe ich mir für 2019 so alles vorgenommen. Also, nicht dass, was als "Gute Vorsätze" bekannt sind. Und irgendwie doch. Unter anderem, mein Blog mehr zu nutzen. Und dann stand meine Depression immer wieder im Wege. Und jetzt, wo ich diesen Text schreibe, muss ich mich zusammenreißen.

Nun gut, ich habe mich halbtherapeutisch bei Facebook und Twitter ausgekotzt. Weil ich aufgegeben habe, mir therapeutische Hilfe zu suchen. Wegen des Frustes der wiederholten Absagen. Und im Grunde noch schlimmer. Auch Ablehnung. Schwamm drüber. Vielleicht gehe ich 2020 an die Sache erneut ran.

Für das zu Ende gehende Jahr war meine psychische Befindlichkeit allerdings sehr prägend.

Abgesehen von Problemen im ÖPNV, die zum größten Teil hausgemacht sind, sind auch Themen, die in 2019 immer mehr auf die Agenda kamen, stark von meinen Gefühlslagen, nein, Stimmungstiefs, geprägt. Was ich natürlich auf mich beziehe, nicht allgemein. Die Überschrift hatte ich tatsächlich erst nach dieser, leicht nach Schwachsinnigkeit riechenden, "Diskussion" über die Oma, die im Hühnerstall Motorrad fährt und letztendlich eine "Umweltsau" sei. Als Satire gemeint ging der Schuss wohl eher daneben. Und zeigt, das eine irgendwie erlangte Wahrnehmungsstörung die, nun ja, "Diskussionen" vor allem in den (a)sozialen Medien bestimmt. Jedenfalls aus meine Sicht. Und die Weltbilder, die ein jeder hat, immer absoluter gestellt werden und viele kleine Splitter, die anscheinend kein ganzes mehr ergeben können, zerfallen. Meine Assoziation. Gleichwohl kommen dazu, und spielen in die Klimadiskussion rein, "besorgte Bürger" , Rechtsnationale, Nazis, Rassisten, Wutbürger und so weiter. Dinge, die ich mit Besorgnis betrachte.

Die Klimaschutzdebatte zerschellt am Thunberg?

Vor über einem Jahr hat sich ein junges Mädchen entschlossen, ihren Unmut über das Nichtstun gegen den von Menschen gemachten Klimawandel etwas entgegen zu setzen. Im wahrsten Sinne. Mit einem Sitzstreik vor dem schwedischen Parlament. Anstatt zu Schule zu gehen. Was unerwartet große Kreise zog. Inzwischen ist die "Fridays For Future" - Bewegung weltweit zu Gange. 

Greta Thunberg redet inzwischen vor Parlamenten, Umweltverbänden und Klimakonferenzen. Unterstützt von Wissenschaftlern. Und maßlos angefeindet von Gegnern des Klimawandels.

Da wird dann im Prinzip unterstellt, dass Greta den Menschen alles nehmen will was ihnen Spaß macht. Es wird "Umweltschutz" und "Klimaschutz" durcheinander gewirbelt. Dabei steht das gar nicht zu Debatte. Eine 16 Jährige bedroht den Komfort der Wohlstandsgesellschaft. Lachhaft. Es geht darum, dass die Regierungen im Blick auf die Zukunft der jetzigen Kinder Maßnahmen ergreifen, die zumindest ein Minimalziel erreichen soll. Und die Aufforderung, dass jeder Einzelne überlegt, was er dazu beitragen kann.

Herausgekommen sind bislang nur wirkungslose Maßnahmen, die populistisch als Umweltgesetze verkauft werden, und eine überhitze Diskussion mit viel Hass von und über "Umweltsäue". Denn die Generation "Oma", die gemeint ist, ist in der Regel die meine. Mit 58 bin ich im Alter den singenden Kindern des WDR eine Oma zu sein. Fast schon Uroma. Aber dass nur am Rande.

Im Prinzip liegen hier viele, verschiedene Interessen gegeneinander im Streit.

Menschen, die ihr Leben hart malocht haben und sich jetzt mal was gönnen wollen. Einen SUV zum Beispiel. Ein im Grunde völlig überflüssiges Automobil. Aber anscheinend heißbegehrt. Menschen, die gerne wüssten, wo und was sie noch arbeiten sollen, wenn bestimmt Energieträger nicht mehr genutzt werden sollen. Und Menschen, die Angst haben, dass diese Welt untergehen wird, weil das Klima kaputt geht.

Dazwischen die Regierungen, die irgendwie die Waage halten wollen. Und es nicht mehr können. Es wird irgendwie in die eine oder andere Richtung gehen. Das gilt auch für den Umweltschutz. Denn dass sind andere Dinge, die auf das Klima keinen Einfluss haben. Plastikmüll, Giftstoffe in der Erde, in der Luft. Dazu anscheinend keine Bereitschaft, nachzudenken und miteinander zu reden. Anstatt wird gegeneinander geredet.

Ja, und die Wutbürger und Konsorten

Und dann kommt noch dieses Thema. Das auch in die Klimadiskussion einspielt. Wobei, beunruhigender Weise, der Nationalismus sich internationalisiert. Zu Auflösungserscheinungen von Gesellschaftsstrukturen, die gefestigt schienen, führt, die man doch eigentlich gar nicht wollen darf.

Da wird gerne mit Unwahrheiten, Halbwahrheiten und bewusst gesetzten Falschinformtionen gehandhabt unter dem Motto: Das wird man ja wohl noch sagen dürfen. Darf man. Aber man muss auch fundierte Gegenrede zulassen. Und nicht gleich von Zensur reden wenn jemand gegen diese abstrusen Meinungen spricht. Aber, so scheint es, es sind Diskussionen nicht erwünscht. Nur Zustimmung zur gerade geäußerten Meinung - und das auf allen Seiten.

Denn grade auf linker, (Möchtegern) Intellektueller Seite besteht so eine gewisse Arroganz, die geäußerten Meinungen, Befürchtungen von schlichten, einfachen Menschen abzutun und gleich in eine gewisse Ecke zu drängen, in die sich die Abgewiesenen dann irgendwann auch kuscheln. Weil sich darum dann die AfD kümmert. Die Menschen werden nicht ernst genommen weil sie das falsche Bildungsniveau haben. So scheint es mir. Hier haben allerdings die politischen Parteien versagt. Sie haben schlichtweg ihren politischen Auftrag vernachlässigt, politischen Willen zu bilden.

Glücklicher Weise haben die demokratischen Parteien immer noch eine Mehrheit. Aber das braune Gespenst wird immer deutlicher. Und viele Anhänger der AfD können und wollen das nicht mehr sehen. Eine Entwicklung, die mir Sorgen bereitet. Die allerdings hausgemacht ist. Die Entwicklung.

Rassismus  und Nationalismus; muss übrigens nicht kombiniert werden; ist weltweit ein Phänomen. Das wird nicht gesund sein. Weil es Menschen gegeneinander aufhetzt.

Und der ganze Rest

Ja, da wäre noch die Monty - Phyton - Serie "Brexit". Zum Beispiel. Traurig, aber ich sehe die EU ohnehin zerbrechen. Am Flüchtlingsstrom. An Finanzierungsfragen. An einer gewaltigen Wirtschaftskrise. Und da entwickle ich einen sarkastischen bis zynischen Humor. Irgendwie auch ein Schutzschild.

Das oben geschriebene ist letztendlich nur ein Anriss meine Gedanken zum Thema. Nichts Endgültiges, vielleicht auch getrübt durch meine negative Sichtweise. Schließlich war ich vor einigen Jahren nicht  so ganz überzeugt vom massiven menschlichen Einfluss auf den Klimawandel. Hatte durchaus eine immer noch abklingende Eiszeit hin zur Warmzeit im Blick, die der Mensch halt ein wenig beschleunigt. Nein, der menschliche Einfluss beschleunigt das überproportional. Und das ist nicht gesund. Und nein, ich glaube nicht, dass wir das noch stoppen werden.

Gleichwohl überlege ich sehr wohl: Was kannst Du machen um deinen Einfluss aufs Klima zu verringern? Ich fahre ja schon kein Auto. Und versuche, Plastik zu vermeiden (was aber mehr mit Umweltverschmutzung zu tun hat)

Und gut, ich bin pessimistisch. Aber ich versuche auch 2020 mehr zu tun. Auch gegen die Depression.


Dienstag, 21. Mai 2019

Lichterfest

Ach ja, 2019 sollte "lichter" werden. Also, jetzt nicht der alte Kauz, der so gerne alte Sachen verhökert und nebenher kocht. Sondern im Sinne von "heller" im Vergleich zu 2018.

Und das Jahr hatte auch seine Chance heller für mich zu werden. Wobei das natürlich für mich bedeutet, dass ich professionelle Hilfe in Form einer Verhaltenstherapie bekomme. Und siehe da: Etliche Mails an in Frage kommende Therapleiten , ääh, Therapeuten gesendet. Und tatsächlich zwei Antworten. Mit Absagen. Und eine Antwort, die zumindest ein Erstgespräch versprach. Leider war ihr der Arbeitsaufwand zu groß, so dass ich am Ende ohne Therapie weiterleben muss. Denn:

"Ich gebe auf!"

Es macht keinen Sinn, mich zu bemühen, wenn ohnehin nichts passiert. Vielleicht, wenn ich mich auf die Dachkante von so einem Hochhaus stelle, ja dann eventuell wird man Aufmerksam. Ansonsten interessiert sich ohnehin keine Sau für meine Probleme. Ich wette, diesen Artikel hier liest sowieso niemand.

Nun, bislang bin ich irgendwie aus den Tiefs herausgekommen. Was Kraft kostet und irgendwann in totaler Erschöpfung enden wird. Ich werde schon wieder zynischer, was kein gutes Zeichen ist. Wie gut, dass ich Familie habe. Und zumindest meine Kinder nicht enttäuschen will. Und es so irgendwie schaffe. Wie lange funktioniert das noch? Keine Ahnung. Beunruhigend ist, dass ich schon genau weiß, wie und wo ich "gehen werde". 

Naja, dann wird es für mich ganz finster. Das muss ich verhindern. Dabei wäre professionelle Hilfe schon ganz gut. Aber es soll wohl nicht sein. Und so hangele ich mich irgendwie durchs Leben. Selbst zum Radfahren kann ich mich selten aufraffen. Das nötigste auf Sparflamme - weil ich mich da ein wenig nötigen lasse. Und diese große Sehnsucht, irgendwo in einem Wald zu wohnen. Ohne Menschen, ohne Belastung. Das bremst.

Und nun bin ich mal gespannt, ob das hier einer liest. Oder einfach nur automatisch "gefällt mir" gedrückt wird.

Jedenfalls lebe ich, wenn auch nicht immer gerne. Obwohl ich mich in der neuen Wohnung wohl fühle. Meine Frau liebe. Und meine Kinder.


Dienstag, 18. Dezember 2018

Hell - Dunkel - Hell

Und jetzt bin ich ein paar Tage zu Hause. 4 Wochen Klinik, die vordergründig auch etwas gebracht haben.

Wie schnell man aus dem Licht ins Dunkel fallen kann ist schon erstaunlich. Extra Urlaub für den Umzug genommen um Problemen, Trigger, ausweichen zu können. Hat wohl nicht ganz geklappt. Musste halt wieder die Notbremse ziehen. Diesmal aber mit stationären Aufenthalt in einer Fachklinik.

Und ja, nach einer gewissen Eingewöhnungsphase konnte ich  mehr und mehr mitnehmen. Insbesondere, da die Diagnose unter dem Oberbegriff "Borderline" zu verorten sind. Und damit eine gewisse Sicherheit in den Behandlungs - bzw. Unterstützungsmethoden gegeben sind. Sogenannte "Skills" zu eigen machen. Und, wie ich feststellen musste, tatsächlich hilfreich sind. Oder sein können.

Und ja, die Unterstützung sollte jetzt auch weitergehen. Verhaltenstherapie. Die ersten Absagen durch Psychotherapeuten gibt es auch schon. Ab Januar werde ich eine Wiedereingliederung machen.

Im Grunde läuft es im Augenblick. Auch, weil die Familie mehr mit einbezogen ist und sich ein paar Dinge geändert haben. Allein der Umzug in eine schöne, gemütliche Wohnung und einiges andere wie Erkennen von bestimmten Dingen haben schon etwas bewirkt.

Und 2019 sollte eher Hell statt Dunkel sein.