Dienstag, 7. Februar 2012

Musik - was fürs Herz

Musik kann die Seele reinigen, trösten, wütend machen, Liebe machen. Ja, vielleicht kann Musik sogar Gesellschaften umwälzen. Musik kann ein Lebensbegleiter sein. Kinderlieder, Tanzschulenmusik, Abnabelung vom Elternhaus, Erste - Liebe - Lieder, Trostlieder in schweren Momenten. Hochzeitsmarsch und Trauermarsch. Ab in die Kiste und alle singen Ave Maria - obwohl man gar nicht so heißt.

Musik also ist für mich eine rein emotionale Angelegenheit, die mein Herz, oder wenn man so will:meine Seele, erreichen muss um als gut empfunden zu werden. Den ganzen Hype um revolutionäre Musik, einzigartige Umwälzungen der Musikgeschichte und Supergroups und was weiß ich noch habe ich nie gemocht. Musik habe ich immer nur mit dem Herzen gehört. Und nicht mit dem Verstand. Auch wenn Texte nicht unwichtig sind - aber viele Lieder bzw. Musikstücke erreichen mich als Gesamtkunstwerk. Egal, worüber gesungen wird. Daher eine Affinität zum sogenannten ProgRock, dessen Textinhalte ja doch meist vertonte "Herr der Ringe" Ableger sind. Am meisten jedoch nervt  mich, wenn Musikkritiker oder - Journalisten immer wieder einen vermeintlichen Hype erkennen. Die neuen Beatles, die Erfindung eines "neuen" Musikstils, blablabla. Diese gescheiterten Musiker, die es meist nicht besser können als die von ihnen kritisierten Künstler, schreiben sich zudem den Groll von der Backe, wenn ihre Helden mal nicht so funktionieren wie sie es sich wünschten - ohne in der Lage zu sein das zu ändern in dem sie selbst zum Instrument greifen.

Nun gut, als Jahrgang 1962 habe ich die angeblich so wichtigen Revolutionen in der Musik und in der Gesellschaft bewusst nicht mitbekommen. Buddy Holly war bei meiner Geburt schon drei Jahre tot, Elvis Presley im Prinzip schon zum Schlagersänger mutiert und die Beatles grade im kommen. Aufgewachsen bin ich ohnehin mit den in den 60ern üblichen Schlagerkram. Erst so ab 1972 entwickelte sich so etwas wie ein eigener Musikgeschmack. Es war die Zeit von Sweet, Slade und Suzi Quatro. Und das hatte man gefälligst gut zu finden wenn man dazu gehören wollte. Persönlich fand ich dann erst die Musik von Showaddywaddy gut und hielt sie für begnadete Songschreiber - bis ich erfuhr, dass sie den Musikkatalog von Buddy Holly verwursteten. Den fand ich dann besser (und wartete vergeblich auf was neues von ihm - irgendwann erfuhr ich dann doch, dass er schon lange tot ist...) und grub mich tief in die Oldiekiste ein (1974 waren dass ja noch Sachen aus Ende der 50er bis Mitte der 70er). Die Bedeutung, die so mancher Künstler damals hatte, konnte ich nicht nachvollziehen. Logischer Weise. Es war mehr die Musik an sich, die mir gefiel. Und dann hörte ich Steve Miller mit "The Joker". Und von ihm kam auch mein erstes selbstgekauftes Album, "Fly like an Eagle". Da schöne Lied "The Joker" war nicht drauf, aber viele andere schönes Songs. Verstanden habe ich die Zitate dort nicht - auch nicht, worüber es beim Joker geht. Obwohl Zeilen wie "I want to shake your trees" hellhörig werden lassen musste- aber diese Musik nahm mich gefangen. Bis zu Queens "Killer Queen". Und damit habe ich meine Allzeitmusikliebe gefunden. Recht früh. Aber mit diesem Musikgeschmack, der dann ja auch Fleetwood Mac und andere mit einbezog, stand ich recht einsam da in einem Umfeld, dass Smokie oder die Rubettes für Musikgötter gehalten hat.

Durch ältere Bekannte, teils aus dem Heim, teils Erzieher aus dem selben, hörte ich viel von damals schon alten Recken die angeblich ja schon Kult sind. Doors, Neil Young, Cream usw. Nur: Meist sagte mir die Musik nichts. Ja, Led Zeppelin, obwohl schon abgegessen als ich sie das erste Mal hörte (1977 mit dem Live Album "The Song remains the same") oder auch Pink Floyd, sogar Alan Parsons Projekt... Und Grobschnitt. Und... ja, da gibt es so einiges. Deutsches außer Kraftwerk oder Grobschnitt oder MMW war weniger beliebt. Ja, ich mochte Lindenbergs Musik nicht sonderlich. Was sich im Rückblick etwas relativiert wie so manches. Aber wegen meiner Lebensumstände, dem Zorn, der Wut in  mir war ich auf der Suche nach Musik, die mich verstand. Und da Queen nach 1977 ohnehin nicht weltbewegendes mehr herausbrachten und mir überhaupt alles auf den Senkel ging wies die Richtung zum Punk. Mehr von der Lebenseinstellung denn mit diesem Aufgesetzten Modepüppchen namens "Sex Pistols", bei dem nur ein Mitglied die Sache bis zum bitteren Ende Ernst genommen hat. Nein, ich hielt mich gleich an die zynischen und musikalisch durchaus brutalen Stranglers.

The Police, The Damned The Clash und wie sie alles hießen war eine Zeitlang dass, was mich musikalisch aufheizte. Die 70er gingen zu Ende, die 80er kamen. Und die Musik wurde schlechter. Noch schlechter? Ja, das ging. Neue Deutsche Welle hieß das Programm zum abgewöhnen. Dabei meine ich diese NDW die aufkam als die richtige schon beendet war. Also so um 1982. Was im Prinzip deutscher Schlager, nur mit wirklich bescheuerten Texten, war. Und zum Glück relativ zügig wieder vorbei. Es ging ja noch schlimmer. Heavy Metal, allen voran die Scopions, verseuchten die Musikszene mit immer mehr Absplitterungen, die auf keinen Fall irgendwie musikalisch was voran treiben sollte sondern eine konsumkompatible Käuferschicht erschließen. Denn das wurde in den 80ern immer deutlicher: Musik ist Kommerz. Ich wendete  mich dann mehr in Richtung elektronische Musik. Tangerine Dream waren alte Bekannte, aber auch deren Kopisten "Software" waren nicht übel. Gleichwohl gab es auch wohltuendes wie Tears for Fears oder Talk Talk. Und durchaus das ein oder andere Klangperlchen wie die niederländische Gruppe "Nits".

Musik war natürlich immer Kommerz. Und immer gab es Ausbrecher aus diesem Betrieb und veröffentlichte tolle, anspruchsvolle Musik. Auch in den 90ern. Obwohl grade dort der Ausverkauf groß geschrieben wurde. Abba-Revivals und Abschluß-Gigantkonzerte von Pink Floyd und Genesis und Co. Erkenntis alter Recken, war Mist was ich bisher machte, ich wollte immer schon Blues machen. Die ersten TV-Shows, die die 70er hochleben ließen. Und Beginn der Casting-Shows. Und immer die gleichen Lieder von auswechselbaren Interpreten. Mit viel Glück ist wirklich eine faszinierende Stimme dabei. Was bei dem schwachen Song-Material allerdings auch nichts bringt. BTW: ich habe immer noch  nichts von Tina Turner selbst gekauft (Foreign Affairs wurde mir geschenkt, hab eich aber nur einmal gehört. So scheiße ist das Album) weil die Stimme ja bannen kann - aber das Songmaterial was sie besingt... ist so ähnlich wie bei Joe Cocker, nur noch schlechter. Ja, und "Private Dancer" ist vielleicht ein gutes Album - aber es hört sich an wie eine Dire Straits Platte mit Tina als Gastsängerin. Muss nicht schlecht sein, wirklich. Nein, diese Castingsshows sind da nicht besser. Trotz der einen oder anderen guten Stimme.

Und so kommt es, dass der alte Mann darüber sinniert warum und weshalb ihm die ein oder andere Platte so gut gefällt. Warum die Musik, die er so gerne hört, meist von gestern oder vorgestern ist. Und warum Musik ihm immer noch so viel bedeutet. Und daher wird der alte Mann ein altes Projekt neu beleben und seine Lieblingsplatten hier in diesem Blog vorstellen. Mal schauen, was da so alles herauskommt.