Montag, 4. April 2016

Und weiter geht's

Was? Genscher tot? Nicht überraschend - wenngleich Genscher bis zum Schluss sehr aktiv war: Man konnte damit rechnen. Und Roger Cicero tot?! Das war überraschend. Mit 45. Da stirbt man normalerweise nicht einfach so. Nicht in der heutigen Zeit. Und doch...

Es ist komisch. Da sterben reichlich Menschen in Brüssel (und anderen Orts), und man sieht auf die Prominenten. Vielleicht, weil das greifbarer ist als eine anonyme Masse Mensch. Und, wie im Fall Genscher, diese Proms einen durch das ganze bisherige Leben begleitet haben. Dabei ist der Anschlag in Brüssel wesentlich dramatischer. Und gar nicht mehr so weit weg.

Und es macht deutlich: jederzeit kann es vorbei sein. Egal, ob plötzlicher Infarkt, Verkehrsunfall oder als Opfer von einem Terroranschlag. Und, da grade der Jahrestag war, durch einen Flugzeugabsturz. Aus welchen Gründen auch immer. In meinem Alter denkt man sicherlich öfter an das Ende als mit 20. Und doch - die Allgegenwart von Gevatter Tod wird gerne ignoriert und weit nach hinten geschoben. Ich persönlich will höchstens 75 werden - wenn ich mir das Siechtum so manch sehr alter Menschen so anschauen muss. Warum unnötig sich durch das Leben kämpfen? Andererseits: Sollte ich fit bleiben; warum nicht länger? Und wer weiß, wie ich darüber denke, wenn ich denn 75 bin. Bis dahin habe ich noch 20 Jahre. Und so sehe ich den Tod. In 20 Jahren. Und nicht heute.

Aber: Solche Dinge wie der Tod von Roger Cicero oder Guido Westerwelle, die jünger oder in meinem Alter sind, und der Krebstod bzw. Infarkttod von Verwandten und Freunden zeigen mir dann doch, dass der Tod immer vor der Tür steht. Unverhofft kommt oft.

Ich denke, wir sind in der Regel so gepolt, dass wir denken und fühlen, dass es uns nicht erwischt hat und das Leben weiter geht. Gedenken der Verstorbenen mit ein klein wenig Hintergedanken: Besser Du als Ich. Und weil man sich selber gerne klein macht heißt es dann oft: Die Besten gehen als Erste. In der Hoffnung, dass wir nicht zu den Besten gehören.

Und so gehen wir wieder in den Alltag. Terror ist weit weg. Und uns geht es ja gut. Das Leben geht eben weiter. Irgendwann auch mal ohne uns.