Montag, 16. März 2009

Normal, nicht wahr?

In Winnenden versucht man, zaghaft zur Normalität zurück zu finden. Was wird da schon Normalität sein? Gewohntes wird es nicht sein - Freunde fehlen, Horror bleibt... Die AlbertVille-Realschule schließt ihre Pforten. In dem Gebäude soll kein Unterricht mehr stattfinden. Vielleicht wird das Gebäude abgerissen. Man weiss noch nicht so genau. Die Seelsorger, Pfarrer, sind an die Grenzen ihre Glaubens angekommen - Trost spenden ohne wirklich zu trösten zu können. Wo war Gott? Warum? Alles offene Fragen.

So, wie es sich darstellt, wird es keinen wirklichen Ansatzpunkt geben, ein handgreifliches Motiv für den Amoklauf zu finden. Aber alle versuchen, eines zu finden. Nicht aktzeptabel, dass es einfach so passiert ist - vielleicht nicht einmal geplant. Spontan, weil alles zusammen passte an diesem Tag. Die Reflexe sind jedenfalls immer gleich. Killerspiele verbieten, Waffengesetze verschärfen, mehr Überwachung...

Wir haben diesbezüglich schon mit die schärfsten Gesetze - nutzte es etwas? Nein, wie man sehen konnte. Und wird es auch in Zukunft nicht. Weder Amokläufe noch Terroranschläge werden verhindert werden. Mit dieser Unsicherheit werden wir leben müssen.

Der Täter, Tim K., hat jedenfalls eines erreicht: alles konzentriert sich auf ihn und sein Leben. Aufmerksamkeit hat er villeicht auch haben wollen. Wer denkt an die Opfer und ihr Leben? Der FOCUS in seiner aktuellen Azusgabe versucht es - gibt den meisten der Opfer auf der Titelseite ein öffentliches Gesicht. Die Story aber selbst hangelt sich überwiegend am Täter und den Tatablauf lang, beschäftigt sich mit Motiven aus dem Leben. Die Opfer werden auch hier ein wenig an den Rand gedrängt. Auch wenn man etwas mehr von einigen der Opfer erfährt. Und zu denen gehören die Eltern, Freunde dazu. Bedrückend allemal.

Die Öffentlichkeit wird bald zur Tagesordnung über gehen, wird sich mit Wirtschaftskrise, Arbeitsplatzverlust und solchen Dingen beschäftigen - mit dem U-Bahn-Bau in Köln, wo ja das passiert, was vorhersehbar war. Klüngelkram also. Und in den nächsten Tagen wird der Herr Fritzl aus Amstetten die Schlagzeilen beherrschen.

Das Leben also wird wieder normal - wenn auch nicht für jeden.