Donnerstag, 3. Februar 2011

Mirco und die Anderen

Heute ist es 5 Monate her, dass Mirco aus Grefrath verschwunden ist und, wie man heute weiß, getötet wurde. Heute war auch die Trauerfeier in Grefrath – unter Anteilnahme vieler Menschen, die mitgelitten haben.

Oft höre ich, das ich ein Zyniker bin. Sicher, ganz von der Hand zu weisen ist dass nicht. Das ist bei meinem Lebenslauf durchaus möglich, dass ich dem Leben so begegne. Andererseits wurde mir auch schon gesagt, dass ich für einen Zyniker ein zu gutes Herz hätte. Was mich auch verblüfft – halte ich mich doch durchaus eher für einen Misanthropen. Andererseits: wenn es um Kinder geht und um Missbrauch und Tötung werde ich schon arg emotional.

Zum einen sicher ein Resultat eigenen Erlebens. Und ganz sicher auch ein Ergebnis dessen, was ich im Kinderheim bzw. Jugendwohnheim so mitbekommen habe. Wenn ein Vater seine Tochter missbraucht und auf den Strich schickt. Obwohl sie erst 13 ist. Wenn sich der Vater an seinen Sohn vergeht. Und viele andere Beispiele. Deswegen geht es mir an die Nieren, wenn ich immer wieder über solche Fälle lese und höre. Zu plastisch kann ich mir vorstellen, was es für die Kinder bedeutet.

Seit ich selber Vater bin; wovor ich mich lange gescheut habe aus Angst, so zu werden wie meine Eltern; verstehe ich auch die Ängste der Eltern, deren Kinder verschwinden, vergewaltigt und getötet werden. Und leide mit. Zuletzt mit der Mutter von Mirco, als sie sich an den Entführer, ja, Mörder ihres Sohnes wandte. Und wenn man dann noch den Grund für diese Tat hört steigt die Wut.

Zum einen eine Wut, dass es möglich ist, dass Sexualstraftäter frei kommen und wieder zuschlagen. Grade erst die Talkshow von Markus Lanz, die ich sonst nicht anschaue, mit u.a. Till Schweiger im Netz angeschaut. Da ging es um dieses Thema und Schweiger als auch Arnim Rohde gingen, populistisch anmutend, schon so weit, diesen Tätern quasi ihr Menschenrecht abzusprechen. Nicht ganz zu Unrecht, wie ich finde. Denn zu therapieren sind diese Täter nicht. was auch immer Psychologen da schwafeln. Wie der anwesende Psychologe, der sich lobenswerter Weise für Opfer einsetzt, anmerkte, muss eher präventiv gehandelt werden. Schon in der Erziehung. Dennoch: Ist das Kind schon im Brunnen gefallen….

Zum anderen aber: Die Täter sind, wie bei Mirco, weder pädophil noch sonst wie in Erscheinung getreten. Und töten die Kinder wegen der Machtgefühle, um Frust abzubauen. Und da kommt neben Wut auch so ein Unverständnis hoch. Und grade erst recht, wenn diese Täter auch noch liebevolle Familienväter sind. Und durch ihre Tat ja nicht nur die Familie des Opfers sondern auch ihre eigene zerstören.

Erschreckend ist, dass so etwas dann eben nicht im Vorfeld zu verhindern ist. Völlig ohne Auffälligkeiten in der Vorgeschichte leben diese Menschen nach der Tat völlig unauffällig weiter. Bis es wieder knallt. Und da nutzt letztendlich auch kein strengeres Gesetz oder der Entzug der Menschenrechte. Irgendwie fühlt man sich dem hilflos ausgeliefert. Weil letztendlich der nächste Täter der nette Nachbar um die Ecke sein kann. Oder man selbst?

Bewundernswert ist jedenfalls die Haltung der Eltern von Mirco, die stark von ihrem Glauben getragen werden. Ob es wirklich trägt wird sich sicher noch zeigen. In der Sendung vom Lanz war die Mutter eines getöteten Jungen, Felix, die ein Buch geschrieben hat und insgesamt sehr deutlich darstellte, wie die Tat das Leben der Familie zerstört. Aber es wurde ein Weg gefunden, damit umzugehen. Nicht jeder hat so eine Kraft, egal, ob “von oben” oder aus sich heraus.

Ich selber weiß nicht, und will es nicht wissen, wie ich in dieser Situation reagieren würde.

Grefrath: Bewegender Abschied: "Ruhe in Frieden Mirco" | RP ONLINE