Mittwoch, 19. November 2008

Büssen, Beten, Denken

Der Buß- und Bettag ist ja vor etlichen Jahren der Finanzierung der Pflegeversicherung zum Opfer gefallen. Ein Feiertag weniger - obwohl: weiß bzw. wusste man überhaupt, worum es ging? Und wenn nicht, ist es nicht wirklich schade, oder? und: warum sollte es ein Atheist bedauerlich finden?

Der eigentliche Sinn war ja Buße. Typisch evangelisch? Naja, was ist denn Buße? In biblischer Sicht "tätige Reue", vielfach aber eigentlich nur ein Rumgejammer vor Gott über vieles, was man im Leben falsch gemacht hat. So scheint es, wenn man die Christen vielfach hört. Dabei ist doch die Buße nur eine Überdenkung des bisherigen Lebens und eine Abkehr von den Fehlern oder Irrtümern, vom falschen Verhalten usw.

Und das bringt der Mensch vor Gott und lässt sich vergeben - das Beten. Was auch immer das für den einzelnen dann bedeuten mag. Insofern ein durchaus nützlicher Feiertag. Wenn man ihn ernst nimmt.

Und was kann ein Atheist daran finden? Natürlich ist es für unsereins eher albern mit einer Phantasiegestalt über seine persönliche Geschichte zu debattieren. Und Vergebung von Sünde, Buße und Umkehr? Alles Dinge, die so nicht für einen Atheisten interessant sind. Aber:

Wen ich so an mich denke finde ich einen Tag, an dem man sich die Zeit nimmt, über das Geschehene zu reflektieren und eventuell etwas verändern zu wollen, gar nicht mal so übel. Natürlich kann man so etwas an einem beliebigen, einem selbst gefälligen Tag tun, aber warum nicht ein fixes Datum im Jahr? Herausgenommen aus dem täglichen Trott? Und das im so wieso eher düsterem Herbst macht das noch interessanter.

Im Christentum besteht ja im Rahmen der tätigen Buße die Chance, sich und anderen zu vergeben. Wenn man jemanden verletzte hat, dies einzusehen und um Vergebung bitte und wenn möglich wieder gut machen. Oder aber auch erkennen, dass der Weg, den man beschreitet, kein guter ist. Dann heißt Buße eben auch Umkehr. Und das macht man dann vor sich und Gott aus. Und warum nicht auch, wenn man gar nicht an wen glaubt?

Ich habe sicherlich im vergangenen Jahr dem Einen oder Anderen Unrecht getan. Und da wäre doch die Chance, dass zu überdenken und dem Einen oder Anderen sagen, dass es mir leid tut. Und sich gezielt vornehmen, sich diesbezüglich zu ändern, aufmerksamer zu sein. Und wenn man das noch Gemeinschaftlich hinbekommt, sich vielleicht mal im Freundeskreis oder in der Familie trifft, gemeinsam isst und über seine Beziehung untereinander spricht – wäre so ein Feiertag doch auch ganz sinnvoll, oder?

So einen religiösen Feiertag kann man prima adaptieren – wenn man ihm einen entsprechenden Sinn gibt. Der ist bei vielen Festtagen nicht mehr gegeben bei denen, die es eigentlich wissen müssten. Hauptsache frei –Brückentag. Dass das Leben mehr beinhaltet, wen interessiert es? Demnächst starten die ersten Weihnachts- und Adventmärkte. Zum Mammon gewordene Perversion eines völlig anders gemeinten Festes. Aber das ist ein anderes Thema.