Dienstag, 23. Dezember 2008

Hauptsache Gesund

Ja, da kann man Zweifel bekommen, ob manche Menschen noch gesund sind. Der hessische Spitzenkandidat Schäfer-Gümbel (hey, ich bring demnächst ein reichhaltig bebildertes Kinderbuch heraus: Die Geschichten des Schäfers Gümbel...) möchte ja, dass die Reichen den Staat zwangsfinanzieren. Darlehen geben ab einer bestimmten Summe des Vermögens.... Das hören Eigenheimbesitzer gerne, die sich ihr inzwischen teures Immobil schwer erabeitet haben... Ignorieren wir das Grundgesetz und führen gleich den sozialistischen Einheitsstaat ein. Der Schäfer Gümbel will wohl auch nur seine Schäfchen ins trockene bringen und die Linken links überholen - oder bei denen Eindruck schinden. Die Linkspartei lacht ihn aber aus - das geht selbst denen zu weit.

Hauptsache gesund. Vor allem mental. Was man beim Schäfer Gümbel noch bezweifeln kann scheint bei einem Geburtstagskind Fakt zu sein. Obwohl Kettenraucher. Und dieser Mann würde im Grabe rotieren wenn er denn tot wäre. Ist Helmut Schmidt nicht. Zur aktiven Zeit gehasster (von der eigenen Partei, wohlgemerkt)und als Penionär geliebter (von der Bevölkerung, wohlgemerkt)Politiker der SPD. Einer von zwei hochgeachteten Bundeskanzlern. Der eine Adenauer, der andere eben Schmidt. Von dem man sagte, er sei in der falschen Partei. Ein Mann mit einem immer noch scharfen Verstand. Der klar aussprach, was er meinte und zu dem steht, was er gesagt und getan hat - auch wenn es falsch gewesen sein mag. Für die Schäfer- Gümbels, Lügilanten und Kochs:

"Zwar kann der Politiker im Augenblick seines Handelns oder wenn er sein Handeln erklären und begründen muss, nicht gleichzeitig auch große Philosophie liefern. Aber sofern er ohne philosophisch-ethische Grundlage handelt, ist er in Gefahr, Fehler zu begehen. Er ist in Gefahr, in Opportunismus abzusinken. Er ist sogar in Gefahr, ein Scharlatan zu werden."

Kanzler wurde Schmidt, der sich ja schon als Krisenmanager bei der Flutkatastrophe 1962 in Hamburg bewährt hatte, 1974 nach dem Rücktritt der SPD-Ikone Willy Brandt mitten in eine Wirtschaftskrise, Ölkrise. Und musste sich bewähren im Terrorherbst 1977. Und wurde wegen seiner Treue zum NATO-Bündnis und dem Doppelbeschluss von seinen Leuten fallen gelassen und wegen wirtschaftlicher Diskrepanzen von der FDP-die "Wende" 1982. Das dürfte Schmidt hart getroffen habe, war aber Manns genug dem von ihm verachteten Helmut Kohl zu seiner Wahl zum Bundeskanzler zu gratulieren.

In der Folgezeit trat Schmidt als Publizist in Erscheinung - und meldete sich zum Ärger seiner Partei immer wieder mal zu Wort. Ein faszinierender Mann, den ich durchaus bewundere. So möchte ich mit 90 auch paffend und denkend relativ fit sein. Und auch immer noch klar sagen können und wollen, was mich bewegt.

Also: Alles gute zum 90, Helmut Schmidt. Und ein frohes Fest!