Donnerstag, 12. Februar 2009

Celebrate Youth

Eine gesunde Gesellschaft erkennt man ja vor allem daran, wie sie ihre Jugend behandelt. Welche Wertschätzung der Jugend entgegen gebracht wird entscheidet in hohem Maße auch die Zukunft einer Gesellschaft.

In Japan wird einer Kindergärtnerin ein gehöriger Respekt entgegen gebracht. Der Stellenwert einer Kindergärtnerin liegt über der eines Akademikers. Eine Kindergärtnerin oder eine Lehrerin liegt in Deutschland im Ansehen knapp unter der eines Obdachlosen Alkoholikers. Sie verdienen auch entsprechend.

Wenn man die Wertschätzung der Jugend als Maßstab nimmt, dann ist die Europäische Gesellschaft dem Untergang geweiht. Ebenso die arabisch-muslimische, die Kinder auch mal gerne als Schutzschild für Terroranschläge nutzt. Im Prinzip sind eigentlich alle Gesellschaften gefährdet - denn der Nachwuchs wird als Kostenfaktor und nicht als Chance gesehen.

Die Frage "wo kriege ich mein Kind unter" ist wichtiger geworden als die Frage "wie gebe ich meinem Kind das Beste mit auf den Lebensweg?". In den Schulen wird intensiv über Ganztagsbetreuung diskutiert - auf den Gedanken, die Zeit mit Lehrstoff zu füllen kommt keiner. Ganztagsschule mal Ernst genommen. Verbindlich.

Und Wertevermittlung? Findet kaum noch statt. Jugend sucht sich seine eigenen Werte. Ohne Orientierungshilfe - wenn man TV und Internet mal weglässt. Und die Gesellschaft reagiert mit Unverständnis.

Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die
Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und
tyrannisieren ihre Lehrer.


Das sagte kein Pädagoge von heute über die heutige Jugend - sondern Sokrates im 4. Jahrhundert vor Christus. Im Prinzip also hat sich nicht viel verändert. Gleichwohl: Es gab immer schon Abschnitte in der Menschheitsgeschichte, in der Jugend ohne Perspektive da stand.

So übertitelt die WAZ einen Leitartikel in der Ausgabe vom 12. Februar. Der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann sieht durch die Wirtschaftskrise die Zukunftschancen der Jugend erheblich verschlechtert. Und das macht die Jugendlichen unzufriedener. Zwar sein die Jugend unpolitischer denn je, so Hurrelmann, aber ein Interesse an eine gesicherte Zukunft bestehe dennoch. Geringes politisches Wissen gepaart mit schlechten Zukunftsaussichten könnten in absehbarer Zeit zu Unruhen führen. Ein Funke genüge, so der Bielefelder Sozialwissenschaftler. In wundert, dass die Jugend bislang so ruhig geblieben ist.

Und da hat der Mann recht. In anderen Ländern der EU gab es schon Unruhen. In Frankreich z.B. Und früher oder später, aber sicherlich noch innerhalb der nächsten 5 Jahre, knallt es auch hier.

Denn den Jugendlichen ist kaum mehr zu vermitteln, dass zwar Geld für Banken da ist oder für Abwrack-Prämien, aber eine Schule kein Geld für Renovierungen, Lehrmittel oder zusätzliche Lehrer hat. Dass die Industrie, das Gewerbe über einen Fachkräftemangel jammert - aber nicht genügend ausbildet.

Was aber am meisten fehlt ist eine Orientierungshilfe für die Kids. Gemeinschaftswerte, Moral, Ethik - all das wird nur noch rudimentär vermittelt. Elternhaus, Schule, Kirche, Politik: alle versagen mehr oder weniger und bieten den Jugendlichen nichts handfestes. Bald, sehr bald werden diese das aber einfordern. Wetten?