Donnerstag, 12. März 2009

Alles normal

Da haben die Ermittler aber Glück gehabt. Tim K. hat "Killerspiele", Tim K. fühlte sich nicht ernst genommen, Tim K. passt doch in das Schema...

Und die üblichen Verdächtigen fordern Verbote hier, Sicherheitsmaßnahmen dort... Warum das passiert interessiert nicht wirklich. Man muss es irgendwie erklärt bekommen und es muss wenig bis gar keine persönliche Folgen haben dürfen. Also ist es nicht die Gesellschaft, das System - ob wohl es entsozialisiert ist.

Oder anders: wir alle sind noch immer der Mensch aus der Steinzeit, eigentlich noch früher. Wir sind darauf gepolt, in einer überschaubaren Bezugsgruppe zu leben, einen Sozialkreis. In der Regel die Familie und einige wenige Aussenkontakte. Im Prinzip haben wir auch lange in solchen Sozialkontakten, die auf vielleicht 20-30 Menschen beschränkt war, gelebt. Und hier findet auch die Sozialisierung statt.

Und im Zuge der Industrialisierung setzte eine entsprechende Entwurzelung ein. Diese führt zu einer Vereinsamung - und damit auch dazu, dieser zu entfliehen. Manchmal auch mit enem Knall. So in etwa - die Arbeit hierüber ist sehr umfangreich und, da eine soziopsychologische Abhandlung, schwer zu lesen. Ist schon etwas her, dass ich das in den Fingern hatte - aber das Ergebnis erscheint mir plausibel.

Im aktuellen Fall ist es genau wie in den anderen Fällen: mehr soziale Achtsamkeit und Zuwendung hätte verhindern können, was passierte. Vielleicht. Ja, ich denke, das ist eine soziales Gesellschaftsproblem.

Den und andere Amokläufe mit Ballerspielen, Gewaltvideos usw. zu erklären reicht nicht - im Vordergrund steht die soziale Verwahrlosung von Menschen. Die dann fast schon zwanghaft ausbrechen wollen. Ich denke, wenn wir tatsächlich betroffen sind und nicht nur erschüttert, dann müssten wir uns über unsere Gesellschaft Gedanken machen - und ihre Werte.

Naja, im Augenblick schießen so jede Menge Gedanken durch meinen Kopf - wie immer, wenn so eine Tragödie passiert.